Schlafkomfort Was Hotels von Schlafgastgebern lernen können

Biohotel Eggensberger Heike Eggensberger Porträt
Heike Eggensberger: „In der Hotellerie können wir Impulse setzen, die zu Hause weitergeführt werden.“ © Biohotel Eggensberger

Im Biohotel Eggensberger in Hopfen am See spielt die Regeneration eine zentrale ­Rolle. Die Hotelière und zertifizierte Schlafgastgeberin Heike Eggensberger erläutert, ­welche Faktoren essenziell zur nächtlichen Erholung beitragen.

Wir verbringen rund ein Drittel unseres Lebens schlafend, doch im Hotelalltag wird diesem Thema oft nicht genug Wert beigemessen. Heike Eggensberger sieht das anders: In ihrem gleichnamigen Biohotel im Allgäu ist Schlaf keine Nebensache, sondern Herzstück des gesamten Hauses.

Tophotel: Frau Eggensberger, was kann ein Schlafgastgeber-Betrieb, was ein gewöhnliches Hotelzimmer nicht leistet?

Heike Eggensberger: Das Konzept der Füssener Schlafgastgeber umfasst neben der reinen Schlafumgebung auch alle anderen Lebensbereiche, die bereits der Allgäuer Pfarrer Kneipp als hilfreich erkannt hat. Es werden also Bewegung, Ernährung, Lebensordnung, Entspannung, Kräuter und natürlich Kneipp-Anwendungen miteinbezogen.

Inwiefern stärkt die regionale Allianz Ihr Haus?

Viele Gäste sind dankbar, wenn sie in ihrem oft stressbetonten Alltag die praktische Möglichkeit haben, verschiedene hilfreiche Faktoren auszuprobieren. Gerade das „Schlaf-Schnuppern“, ein mehrtägiges Programm aus Kneipp-Anwendungen, Bewegung und Ernährungstipps, kann bei ­lebensstilbedingten Schlafstörungen zu ­dauerhafter Besserung beitragen.

Neben der Matratze gibt es viele weitere Aspekte, die für Schlafqualität sorgen. Welche werden in der Hotellerie oft noch unterschätzt?

Eine leichte Kost am Abend, eine möglichst reizfreie Umgebung sowie ausreichende Bewegungs- und Entspannungsmöglichkeiten im und rund um das Hotel tragen maßgeblich zum Schlaf bei. All das läuft leider unter dem Radar.

Ihr Dreiklang lautet „Gesund wohnen. Gut schlafen. Erholt aufwachen.“ Wie ­orchestrieren Sie diese drei Töne vom Check-in bis zum ­Frühstück?

Beim gesunden Wohnen setzen wir auf atmungsaktive Naturmaterialien, wo immer möglich. Der Schlafbereich ist von angrenzenden Zimmern abgeschirmt und kann über einen „Gute-Nacht-Schalter“ stromfrei geschaltet werden. Das WLAN ist nachts im ganzen Haus abgeschaltet, tagsüber können Gäste das strahlungsarme Netz im eigenen Zimmer nur bei Bedarf ansteuern. Neben metallfreien Betten lassen sich die Kissen individuell auswählen. Die Matratzen sind aus Naturlatex, beim Holzlattenrost können einzelne Bereiche im Härtegrad angepasst werden, bei Bedarf sorgen Topper für noch weicheren Schlafkomfort. Nicht zuletzt sind die Vorhänge so beschaffen, dass das Zimmer nachts komplett verdunkelt werden kann.

Die Füssener Schlafgastgeber

Die Zertifizierung „Schlafgastgeber“ wurde von Füssen Tourismus und Marketing (FTM) gemeinsam mit dem Mittelstands-Institut der Hochschule Kempten und einer Baubiologie-Spezialistin im Rahmen eines Interreg-Förderprojektes entwickelt. Aktuell tragen sieben Betriebe das Siegel, vergeben in zwei Qualitätsstufen. Voraussetzung sind mindestens drei Sterne oder vier Trust-Score-Punkte sowie ein Zimmerkontingent von mindestens 20 Prozent mit definierten Schlafqualitäts-Standards, ­darunter hochwertige Matratzen, verstellbare Lattenroste, abgestuftes Licht und Verdunkelung. Ein begleitender Coaching-Prozess unterstützt die Weiterentwicklung der Häuser.

Schlaf ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Wie schaffen Sie es, jedem gerecht zu werden, ohne Ihr Konzept zu verwässern?

Die Informationen zu unseren Angeboten sind über die digitale Zimmermappe und auch schon von zu Hause aus verfügbar, etwa über das Kissen-Menü. Unser geschultes Housekeeping-Team geht gerne auf individuelle Wünsche ein und fragt auch aktiv danach.

Was zahlt sich beim Thema Schlafkomfort ­wirklich aus?

Allem voran würde ich die Möglichkeit zur kompletten Verdunkelung nennen und ein möglichst flexibles Kissenangebot. Grundsätzlich aber haben alle Faktoren ihre Berechtigung.

Lässt sich der Einfluss Ihres Schlafkonzepts an Buchungen, Bewertungen oder der Wiederkehrerquote ablesen?

Es ist schwierig, das konkret zu beziffern. Bei den Bewertungen ist jedoch eine durchaus positive Resonanz festzustellen, und die Zahl der Stammgäste wächst, die bereits vorab ihre Wünsche rund um Zimmer- und Bettausstattung anmelden.

Burn-out, Schlafstörungen, Achtsamkeit, all das beschäftigt unsere Gesellschaft. Wie kann die Hotellerie helfen, dass Gäste ihren Aufenthalt als gesundheitlichen Mehrwert erleben?

Das Thema Schlaf ist für alle Beherbergungsbetriebe essenziell, denn wir verkaufen vor allem „Betten“, und der Gast verbringt einen großen Teil seines Aufenthalts darin. In der Hotellerie können wir Impulse setzen, die zu Hause weitergeführt werden und die regenerativste Phase des Tages qualitativ verbessern. Das wissen Gäste, vor allem jene, die viel unterwegs sind, sehr zu schätzen.

Pflegen Sie eine eigene Schlafroutine, und welches Ritual ist für Sie dabei unverzichtbar?

Guter Schlaf ist für mich eine absolut wichtige Basis für meinen Alltag. Ich bin zudem überzeugte Kneippianerin und versuche, jeden Tag mindestens einen Reiz zu setzen, mit dem ich mein vegetatives Nervensystem auf Erholung umschalten kann. Das ist je nach Gusto ein Spaziergang in der Natur, eine Tasse Kräutertee, Wassertreten oder ein warmes Fußbad.