Hotels erkennen Gesundheit als Zukunftsthema. Doch eine neue Reifegradanalyse des SCC offenbart Entwicklungspotenziale bei Schlaf, Ernährung und mentaler Erholung.
Gesundheit, Wohlbefinden und Longevity sind in der Hotellerie angekommen. Doch zwischen hoher Relevanz und konsequenter Umsetzung bleibt eine Lücke. Das zeigt die „SCC Hospitality Health Development Survey 2026“, die von der CU Carinthia University of Applied Sciences | Hochschule Kärnten in Zusammenarbeit mit dem Spa Competence Circle (SCC) durchgeführt wurde.
Ein wesentliches Ergebnis: 71,4 Prozent der befragten Betriebe gehen davon aus, dass gesundheitsorientierte Angebote künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig macht eine erstmals durchgeführte Reifegradanalyse sichtbar, dass eine durchgängige Gesundheitskompetenz in der Branche noch keineswegs Standard ist.
Breite Datenbasis
Die Erhebung stützt sich auf 147 gespeicherte Datensätze, bis zu 109 Antworten bei Profil- und Einzelfragen sowie 73 vollständig ausgefüllte Fragebögen, die in die Reifegradanalyse einflossen. Die teilnehmenden Betriebe stammen überwiegend aus dem deutschsprachigen Raum und sind stark von der Ferien-, Wellness- und Spa-Hotellerie geprägt. Die Studienautoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Ergebnisse auf Selbsteinschätzungen beruhen und nicht als repräsentativer Branchendurchschnitt gelesen werden sollten. Dennoch liefere die Befragung ein aussagekräftiges Stimmungsbild eines gesundheitsnahen Marktsegments.
„Gerade bei Hotelkernleistungen wie Schlaf, Ernährung, sozialer Atmosphäre und mentaler Erholung gibt es aber noch Potenzial.“
Stefan Nungesser, Professor für Hotel Management an der CU Carinthia University of Applied Sciences.
Initiiert wurde die Studie von Dagmar Rizzato (Rizzato Spa Consulting), Stefan Nungesser (FH Kärnten) und Karin Niederer (Kohl & Partner), den Gründerinnen und Gründern des Spa Competence Circle.
Stärken bei Räumen und Natur, Schwächen bei individueller Begleitung
Besonders stark schätzen sich die Hotels laut der Studie dort ein, wo Gesundheit für Gäste unmittelbar erlebbar wird: bei regenerativen Räumen, Naturerleben, Bewegungsangeboten und ausgewogener Ernährung. Deutlich zurückhaltender fallen die Selbstbewertungen hingegen bei persönlicher Orientierung, individueller Beratung, Feedback-Mechanismen, maßgeschneiderten Empfehlungen sowie Analyse- und Begleitangeboten aus.
„Die Daten zeigen sehr gut die Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit“, erläutert Stefan Nungesser, Professor für Hotel Management an der CU Carinthia University of Applied Sciences. „Gesundheit ist als Thema angekommen. Gerade bei eigentlichen Hotelkernleistungen wie Schlaf, Ernährung, sozialer Atmosphäre und mentaler Erholung gibt es aber noch Potenzial.“ Schlaf werde noch nicht überall als Gesundheitsfaktor verstanden, Ernährung seltener in alltagstaugliche Impulse übersetzt und mentale Erholung hänge stärker mit Servicekultur zusammen, als viele Betriebe bisher abbilden.
Erstmalige Reifegradanalyse: Ansätze vorhanden, Gesamtkonzepte fehlen
Ein zentrales Element der Studie ist die Reifegradanalyse. Diese misst laut SCC nicht, wie viele Health- oder Longevity-Angebote ein Hotel im Programm hat, sondern wie gut verschiedene Dimensionen zusammenspielen. Konkret gemeint sind Angebote, Atmosphäre, Organisation, Mitarbeitende, Kommunikation, Guest Journey und Alltagstransfer.
Das Ergebnis fällt gemischt aus: Viele Betriebe verfügen demnach bereits über gesundheitsbezogene Ansätze, doch eine durchgängige Health-Kompetenz sei noch kein Standard. Tendenziell weiter fortgeschritten seien Health- und Medical-Wellness-Hotels, klassische Wellnesshotels sowie höher klassifizierte und mittelgroße bis große Betriebe.
„Nicht jedes Hotel muss alles umsetzen. Entscheidend ist, dass ein Betrieb sehr klar weiß, wofür er glaubwürdig steht. Longevity und Health-Angebote brauchen keine beliebige Angebotsfülle, sondern eine passende Positionierung, operative und wirtschaftliche Machbarkeit sowie fachlich saubere Einordnung“, ordnet Dagmar Rizzato, internationale Spa-Expertin und Gründerin von Rizzato Spa Consulting, die Ergebnisse ein.
Betriebe erkennen Handlungsbedarf
Aufschlussreich sei auch, wo die Hotels selbst ihren größten Entwicklungsbedarf verorten. Die befragten Betriebe nannten vor allem gut sichtbare Angebotsfelder wie Bewegung, mentale Gesundheit, Ernährung sowie Schlaf und Regeneration. Strukturelle Themen wie interne Organisation, Kooperationen mit externen Fachpartnern, digitale Lösungen und der Aufbau interner Kompetenz tauchten hingegen deutlich seltener auf – obwohl genau diese Bereiche laut den Studienautoren häufig darüber entscheiden, ob aus einzelnen Angeboten ein tragfähiges Gesamtkonzept wird.
Karin Niederer, Spa-Marketing-Expertin und Managing Partner bei Kohl & Partner, sieht darin eine zentrale Aufgabe für Kommunikation und Guest Journey: „Gesundheit wird für Gäste nur dann verständlich, wenn sie entlang der gesamten Reise gut erklärt wird. Angebote allein reichen nicht. Gäste müssen erkennen können, welchen Nutzen ein Angebot hat, für wen es geeignet ist und wie es zu ihrem Aufenthalt passt.“
Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass die Hotellerie gute Voraussetzungen habe, um Gesundheit glaubwürdig erlebbar zu machen. Insbesondere bei Raum, Natur, Bewegung, Ernährung, Schlaf, sozialer Atmosphäre und Gastfreundschaft sehen sie große Potenziale. Die nächste Entwicklungsstufe liege jedoch weniger in einem „Mehr“ an Angeboten als vielmehr in deren besserer Verbindung, klarerer Kommunikation, individueller Begleitung der Gäste und einer stärkeren betrieblichen Verankerung von Gesundheitskompetenz. red/sar