Aus einem ehemaligen US-Generalkonsulat am Alsterufer in Hamburg soll ein 81-Zimmer-Hotel entstehen. Hinter dem Projekt steht die Derag-Gruppe.
Von außen sieht das Gebäude am Alsterufer 27/28 aus wie eine Festung. Ein vier Meter hoher Stahlzaun sichert das Gelände. Kameras suchen das Alstervorland ab. Mit etwas größerem Abstand wirkt das Gebäude wie eine verkleinerte Version des Weißen Hauses in Washington. Das ist auch so beabsichtigt. Denn von 1951 bis 2022 befand sich dort das US-Generalkonsulat in Hamburg. 2024 kaufte Max Schlereth, Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter der Derag Unternehmensgebäude, die Immobilie und will dort bis Ende des Jahrzehnts das Luxus-Boutiquehotel Living Hotel The Jefferson mit 81 Zimmern errichten. „Ich habe mich sofort in das Haus verliebt“, sagte Schlereth anlässlich der Vorstellung des Bauprojekts vor Ort.
Hamburgs „Little White House“
Das Ensemble besteht aus drei Gebäuden. Das „Little White House“ ist eigentlich eine Doppelvilla, die in den Jahren 1882/1883 von dem Architekten Martin Haller errichtet wurde – die linke Villa, Hausnummer 27, entstand 1882 für den Kaufmann Gustav Michaelsen, die rechte Villa, Hausnummer 28, 1883 für den Geschäftsmann Julius Rée.
Beide Bauherren verkauften die Gebäude jedoch schnell weiter an andere Hamburger Kaufleute, die zum Teil große bauliche Veränderungen veranlassten. 1934 besetzte die NSDAP die Immobilien, die bis 1945 als Zentrale für die Gauleitung unter Karl Kaufmann dienten. Nach einem kurzen Intermezzo unter der britischen Militärregierung kaufte die US-Regierung 1950 die Villen von den Erben der ursprünglichen Eigentümer und baute die Gebäude nach eigenen Plänen um. Um noch mehr Platz für Büros zu schaffen, errichteten die Amerikaner 1955 auf dem hinteren Teil des Geländes zusätzlich einen schmucklosen Zweckbau.
Drei Gebäude, ein Hotel
„Unsere Aufgabe ist es, die Gebäude Schicht für Schicht zu verstehen“, beschrieb Martin Murphy vom Hamburger Architekturbüro Störmer Murphy and Partners die fast archäologische Aufgabe der Architekten. Das „Mutterschiff“ seien die beiden Villen vorn. Dort sollen außer 28 Zimmern und Suiten auch alle öffentlichen Bereiche wie ein Restaurant mit 110 Plätzen sowie eine Bar mit 25 Plätzen entstehen. Die übrigen Hotelzimmer und ein kleiner Spa-Bereich kommen in das neu zu errichtende Gartenhaus. Der Neubau soll von außen nicht zu erkennen sein und so erscheinen, „als ob er immer schon bestanden habe“.
„Der schwierigste Raum ist der Eingangsbereich“, sagte Stephen Williams, Architekt und Gründer von Stephen Williams Associates in Hamburg. Dort, wo früher Konsulatsmitarbeiter an Schaltern hinter schusssicherem Glas auf Besucher warteten, will der Innenarchitekt einen gemütlichen Raum mit einer Sitzlandschaft in der Mitte schaffen. „Der Check-in wird weiter nach hinten in das Gebäude verlegt“, sagte Williams.
Während die Grundrisse für die Zimmer und Suiten in den Altbauten weitgehend vorgegeben seien, sollen im Gartenhaus kontemplative Räume entstehen. Viel Wert legt der Designer auch auf die Einrichtung der öffentlichen Räume wie der Bar und des Restaurants, das wie eine Installation wirken solle. Der Begriff Hotel sei für das The Jefferson eigentlich falsch: „Es ist mehr ein Ort der Begegnung.“
Grüner Luxus am Alsterufer
„Wir sind auf der Zielgeraden“, sagte Lars Dünker. Nach Angaben des Vorstands der Derag Livinghotels AG & Co. KG befinde man sich bei der Abstimmung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans „Rotherbaum 40“ in enger Absprache mit den Hamburger Behörden. „Wir sprechen von einem Denkmal“, sagte Dünker. Dabei solle an die Geschichte des Hauses in Ausstellungsräumen und mit Führungen erinnert werden. Entsprechende Pläne würden gemeinsam mit der Stiftung Hamburger Gedenkstätten erarbeitet.
Dünker betonte, dass der Aspekt der Nachhaltigkeit bei dem Bauprojekt besonders berücksichtigt werde. So solle auf dem Gartenhaus eine Photovoltaik-Anlage errichtet werden. Außerdem gebe es Probebohrungen, um zu erkunden, ob Geothermie in dem Ensemble genutzt werden könne.
So sollen im Neubau Lehm-Heiz-Kühl-Decken zum Einsatz kommen. Im Altbau sollten dort wo es möglich ist, Wandheizungen eingebaut werden. Eigene Parkplätze werde das Luxushotel nicht haben. Stattdessen soll ein Valet-Parking-System installiert werden, bei dem Hotelmitarbeiter die Autos der Gäste in umliegenden Parkhäusern abstellen. Aus einer noch zubetonierten Fläche im Hinterhof soll ein Garten entstehen. Der Vorstand betonte, dass die Derag kein normaler Investor sei: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“