Die FBMA-Stiftung hat den Seniorchef des Hotel Bareiss mit ihrer höchsten Auszeichnung geehrt. Gewürdigt wird damit ein Lebenswerk, das die deutsche Spitzenhotellerie über Jahrzehnte geprägt hat.
Mit Standing Ovation für die Bareissianer, wie die Mitarbeitenden im Hotel Bareiss in Baiersbronn liebevoll bezeichnet werden, endete am späten Nachmittag des 17. Juni 2026 die Feier zur Verleihung der 69. Brillat-Savarin-Plakette an den Seniorchef des Fünf-Sterne-Superior Resorts, Hermann Bareiss. Dem Applaus für das Team war ein sechsgängiges Menü für die Gäste vorangegangen, zusammengestellt von Drei-Sterne-Koch Claus-Peter Lumpp, zubereitet von den Köchen verschiedener Hotelrestaurants und begleitet von erlesenen Champagnern und Weinen. Damit stellte das Haus einmal mehr seine kulinarische Erstklassigkeit unter Beweis.
Mit Humor und Haltung
Zur Feier und Verleihung der besonderen Auszeichnung hatte Hannes Bareiss die Gäste willkommen geheißen und seine Freude darüber ausgedrückt, diesen Tag gemeinsam mit seiner Frau Britta, seinem Vater und allen Bareissianern gestalten zu dürfen.
In seiner anschließenden Begrüßung würdigte der Vorsitzende des FBMA-Stiftungsrats Konrad Pötzel den neuen Plakettenträger Hermann Bareiss mit den Worten: „Sie sind Gastgeber, Heimatbotschafter, Nachwuchsförderer – international engagiert und doch fest verwurzelt im Schwarzwald, in Baiersbronn, in dieser Gemeinschaft. Wir ehren heute nicht nur ein außergewöhnliches Lebenswerk. Wir ehren eine Haltung, eine Art, Menschen zu begegnen. Die Überzeugung, dass Gastlichkeit mehr ist als Service – nämlich Ausdruck von Respekt, Herzlichkeit und echtem Interesse am Menschen.
Der ehemalige Stiftungsratsvorsitzende Michael Bläser erinnerte an die Philosophie des Namensgebers der Plakette, dessen Hauptwerk „Die Physiologie des Geschmacks“ im Jahr 1826 erschienen war. Bläser nahm die Festgäste zudem mit auf eine Reise durch 200 Jahre Gastronomiegeschichte und schlug die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
„Denn am Ende gilt – ganz im Sinne Brillat-Savarins: Ein gutes Essen nährt den Körper. Ein sehr gutes Essen nährt die Seele. Und ein unvergesslicher Abend entsteht dann, wenn beides zusammenkommt.“ Brillat-Savarin würde uns heute empfehlen, die Freude am Genuss nicht zu verlieren und uns daran erinnern, dass manches Gespräch am Tisch vielleicht wichtiger ist als die perfekte Schaumkrone, so Bläser. Die Branche dürfe zudem ihren Humor nicht verlieren.
Die Brillat-Savarin-Plakette
Die Brillat-Savarin-Plakette zählt zu den bedeutendsten Auszeichnungen des deutschen Gastgewerbes. Sie ehrt Persönlichkeiten, die Gastronomie und Hotellerie durch unternehmerische Leistung, Innovationskraft und nachhaltiges Wirken maßgeblich geprägt haben. Benannt nach dem französischen Schriftsteller und Feinschmecker Jean Anthelme Brillat-Savarin, steht die Auszeichnung für Spitzenleistungen und bleibende Werte in der Kulinarik. Seit 2007 wird sie von der FBMA-Stiftung verliehen.

Humor, aber auch die Fähigkeit, Menschen zu fesseln, attestierte Laudator Hans Peter O. Breuer, Journalist und langjähriger Wegbegleiter des Hotels, dem späteren Plakettenträger unter anderem. Breuer zeichnete die wichtigsten Stationen im Leben des Hermann Bareiss auf und würdigte dessen unternehmerische Leistung ebenso wie seine menschliche Größe.
Bareiss sei ein Mensch, der die Grenzen alles Provinziellen in vielerlei Hinsicht überschreite. Hermann Bareiss zeige sich stets lösungsorientiert und innovativ, dies beweise auch die durch ihn initiierte Gründung der FHG-Ausbildung. „Der Mikrokosmos Bareiss sucht in der Resort-Hotellerie seinesgleichen“, so Breuer.
Auszeichnung für Team und Gäste
Unter überwältigendem Beifall überreichten Konrad Pötzel und Stiftungs-Geschäftsführer Klaus-Günther Wiesler Bareiss Urkunde und Plakette, die dieser tief bewegt entgegennahm. „Die Gast- und Tafelkultur, für die die Brillat-Savarin-Plakette steht, wurde und wird im Wechsel der Zeiten vom ganzen Bareiss-Team Tag für Tag gelebt und ins Tun übersetzt“, so Bareiss. „Für unsere Gäste, für die dieser Preis ebenfalls steht. Deswegen bin ich so frei, die Brillat-Savarin-Plakette nicht für mich allein zu behalten. Sondern sie in vollster Überzeugung unseren Mitarbeitern und unseren Gästen zu widmen.“
Hotel bleibt in guten Händen
Zudem sprach er einen Toast auf die Branche aus - in Anerkennung ihrer Professionalität, Leidenschaft und des starken Zusammenhalts. „Niemand sagt, dass das ein Spaziergang ist, aber dafür sind wir Unternehmer auch nicht angetreten,“ betonte er.
Mehrfach zitiert, auch von Hermann Bareiss selbst, wurde an diesem Tag zudem ein Satz seiner Mutter Hermine, die einst den Grundstein für das heutige Hotel gelegt hatte: „Für den Gast gibt es kein Nein.“ Ein Credo, an das sich ihre Nachfahren bis heute halten. Mit einem Dank an seinen Sohn Hannes und dessen Frau Britta schloss Hermann Bareiss ab: „Ich weiß das Bareiss und seine Zukunft in besten Händen. Das macht mich sehr glücklich.“
Hermann Bareiss, der das Hotel Bareiss über Jahrzehnte hinweg zu einem international anerkannten Spitzenhaus entwickelte, blickt in diesem Jahr auf 75 Jahre Hotel Bareiss und 60 Jahre als Gastgeber zurück. Mit feinem Gespür für die Bedürfnisse seiner Gäste, kompromissloser Qualitätsorientierung und einem tief verwurzelten Verständnis von Gastlichkeit setzte er Maßstäbe in Servicekultur, Kulinarik und Unternehmertum.
Prominente Wegbegleiter
Der festlichen Plaketten-Verleihung durch die FBMA-Stiftung wohnten neben Bareiss-Familienmitgliedern frühere Trägerinnen und Träger der Brillat-Savarin-Plakette bei, wie Roland Burtsche vom Colombi Hotel Freiburg, Ingo C. Peters vom Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten Hamburg, Anna-Maria und Michael Fäßler vom Sonnenalp Resort, Caroline von Kretschmann vom Hotel Europäischer Hof Heidelberg sowie Jan-Berend Holzapfel vom Teehaus Ronnefeldt, stellvertretend für seinen Vater Frank Holzapfel.
Neben Politikern aus der Region und des Landes Baden-Württemberg sowie Vertretern der Presse waren unter anderem auch Birgit und Meinrad Schmiederer vom Hotel Dollenberg in Bad Peterstal-Griesbach, Hansjörg und Ulrike Trescher von Treschers Schwarzwaldhotel Titisee oder Bernhard Zepf vom Hotel Erbprinz in Ettlingen unter den Gästen, ebenso die ehemalige Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges. Aus Frankreich reisten Béatrice und Serge Dubs von der Auberge I’ll in Illhäusern und der ehemalige Sternekoch Bertold Siber an, der seinen Lebensmittelpunkt inzwischen in Grasse hat.
70 Jahre Exzellenz
Anlässlich des 200. Todestages von Jean Anthelme Brillat-Savarin hat die FBMA-Stiftung das Buch „70 Jahre Exzellenz" herausgegeben, das im Rahmen der diesjährigen Verleihung Premiere feierte. Autor Rolf Westermann dokumentiert in der Jubiläumsausgabe sieben Jahrzehnte Tafelkultur und Gastlichkeit in Deutschland, porträtiert sämtliche Trägerinnen und Träger der Brillat-Savarin-Plakette und ergänzt deren Geschichten um Interviews, historische Einblicke und Gastbeiträge. Die Jubiläumsausgabe „70 Jahre Exzellenz“ kann auf der Website der Stiftung bestellt werden.