Kooperationen Ringhotels und CPH: Schulterschluss für die Privathotellerie

Kooperation CPH Hotels Ringhotels
Die Anforderungen an Privathotels steigen – starke Netzwerke schaffen hier Perspektiven. © Sam Richter - stock.adobe.com

Mehr Schlagkraft und gebündelte Kompetenz: Zum 1. Juli übernimmt Ringhotels die operative Betreuung der 14 Häuser von CPH Hotels. Beide Partner reagieren damit auf steigende Anforderungen an unabhängige Hotels.

Warum schließen sich zwei Hotel­kooperationen zusammen, die beide seit Jahrzehnten am Markt etabliert sind? Die Antwort liegt in den Herausforderungen, mit denen sich die Privathotellerie heute konfrontiert sieht. Steigende Kosten, Fachkräftemangel, der Generationswechsel in vielen Familienbetrieben, Digitalisierung und wachsender Wettbewerbsdruck erhöhen die Anforderungen an die Häuser. „Der Druck wird von allen Seiten größer“, sagt Petra Weindl, geschäftsführender Vorstand von Ringhotels.

Sichtbarkeit im digitalen Wettbewerb, Datenkompetenz, Mitarbeiterentwicklung und wirtschaftliche Effizienz seien für viele Einzelhotels allein kaum noch zu stemmen. Vor diesem Hintergrund haben sich Ringhotels und CPH Hotels für einen partnerschaftlichen Weg entschieden.

Statt einer klassischen Übernahme wurde zunächst eine Dienstleistungsvereinbarung bis Ende 2027 geschlossen. Ringhotels übernimmt die operative Betreuung der derzeit 14 CPH-Häuser, die Marke CPH bleibt vorerst bestehen. Wie die langfristige Struktur aussehen wird, soll gemeinsam mit den Hoteliers entwickelt werden.

„Diese Partnerschaft ist ein klares Signal für die Zukunft der Privathotellerie.“

Petra Weindl, geschäftsführender Vorstand Ringhotels

Für Sabine Möller, Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin von CPH Hotels, war dieser Schritt das Ergebnis eines längeren Prozesses. „Die Zeiten werden für Privathotels nicht einfacher“, sagt sie. „Und ich finde, dass man eine unternehmerische Verantwortung hat, für seine Kunden vorausschauend zu handeln.“ Die Gründerin der 1997 ins Leben gerufenen Kooperation spricht offen über die Grenzen kleinerer Verbünde. Zwar habe CPH Hotels seinen Mitgliedern stets ein hohes Maß an persönlicher Betreuung geboten, doch die Anforderungen seien in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Gleichzeitig habe sie sich mit Blick auf die Zukunft der Kooperation frühzeitig mit Nachfolge- und Entwicklungsperspektiven beschäftigt. „Je mehr Synergien im Hintergrund zusammenlaufen, desto besser für alle Beteiligten.“

Von 67 auf 81 Häuser

Petra Weindl ist geschäftsführende Vorständin der Ringhotels.
Petra Weindl ist geschäftsführende Vorständin der Ringhotels. - © Ringhotels

Mit der Kooperation wächst Ringhotels von aktuell 67 Mitgliedsbetrieben auf ein Netzwerk von insgesamt 81 Häusern und gewinnt zudem zusätzliche Präsenzpunkte in Regionen, in denen die Marke bislang nicht oder nur eingeschränkt vertreten war. Die angeschlossenen Häuser bewegen sich überwiegend im Drei- bis Viersterne-Segment, wobei der Schwerpunkt auf Viersternehotels liegt. Für Ringhotels ist die Zusammenarbeit nicht nur ein Wachstumsschritt, sondern auch eine strategische Positionierung. „Die Frage ist doch: Wie können privat geführte Hotels künftig sichtbar, eigenständig und gleichzeitig wettbewerbsfähig bleiben?“, so Weindl.

Besonders wichtig sei dabei die kulturelle Passung. Beide Kooperationen eint ein werteorientiertes Verständnis von Gastfreundschaft, Regionalität und persönlicher Gastgeberkultur. Während Ringhotels unter dem Motto „Echt HeimatGenuss erleben“ auf regionale Verwurzelung setzt, steht CPH für „Einfach gute Gastgeber“. „Authentische Gastgeber, familiäre Strukturen, Regionalität und Eigenständigkeit – das deckt sich nahezu eins zu eins“, sagt Weindl.

Für die CPH-Hotels ändert sich zunächst wenig: Ringhotels übernimmt die bislang von CPH angebotenen Leistungen eins zu eins. Gleichzeitig erhalten die Häuser die Möglichkeit, zusätzliche Angebote der Ringhotels zu nutzen. Dazu zählen unter anderem das Ringhotels-Loyalty-Programm mit mehr als 50.000 HeimatGenuss-Card-Inhabern, der eigene Reiseveranstalter HeimatGenuss Travel, Weiterbildungs- und Akademieangebote, Firmenkundenvertrieb, Marketing- und Vertriebsunterstützung sowie Mitarbeiter-Benefits und Einkaufsvorteile. Über die internationale Kooperation Cosy Places profitieren die Häuser zudem von einem Netzwerk mit mehr als 1000 Privathotels weltweit.

Ringhotels-Chefin Petra Weindl betont dabei, dass moderne Hotelkooperationen inzwischen weit mehr leisten müssen als klassisches Marketing. „Es reicht nicht mehr, einen Katalog herauszugeben und ein bisschen Marketing zu machen. Die Anforderungen sind heute komplett andere.“ Für sie ist entscheidend, dass Kooperation und Individualität kein Widerspruch sind. „Eine starke Kooperation macht Privathäuser nicht weniger individuell – im Gegenteil: Sie macht sie stärker.“

Zahlen & Fakten

Ringhotels:
• 1973 gegründet
• 67 Mitgliedshotels
• Zweitmarke: HeimatGefühl by Ringhotels
• 12 Mitarbeiter im Servicebüro    München

CPH Hotels:
• 1997 gegründet
• 14 Mitgliedshotels
• Kooperationslinien: City Partner Hotels, Conference Partner Hotels, Country Partner Hotels
• 4 Mitarbeiter in Hamburg & remote

Künftig gemeinsam:
• 81 Hotels
• Kooperation ab 1. Juli 2026
• Evaluierungsphase bis Ende 2027
• 50.000+ Loyalty-Mitglieder
• 13 Mitarbeiter in München & Hamburg

Digitalisierung mit Augenmaß

Ein zentrales Thema beider Kooperationen ist die Digitalisierung. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Buchungssysteme oder Online-Marketing. „Man muss heute Daten verstehen, Gäste langfristig binden, Systeme vernetzen und Mitarbeitende qualifizieren“, erläutert Weindl. Insbesondere die Auswahl und Integration von PMS-Systemen, Schnittstellenmanagement und Datenanalysen beschäftigen die Hoteliers intensiv. Ringhotels begleitet seine Mitglieder inzwischen aktiv bei der Bewertung vonTechnologielösungen und analysiert auf Wunsch sogar einzelne Hotelwebseiten.

Auch Sabine Möller sieht hier zentralen Handlungsbedarf. „Es geht nicht darum, Mitarbeiter zu ersetzen oder Gästekontakte zu vermeiden. Es geht darum, effizienter zu werden, um mehr Zeit für den Gast zu haben.“ Zu den momentan größten Herausforderungen ihrer Hoteliers zählt sie drei Themen: Mitarbeitermangel, Umsatzentwicklung und den Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Viele Betriebe seien durch das operative Tagesgeschäft so stark eingebunden, dass ihnen die Zeit fehle, sich strategisch mit Zukunftsthemen auseinanderzusetzen. „Viele Kollegen stecken knietief in der Operative. Sich dann bewusst Zeit zu nehmen, um von außen auf den Betrieb zu schauen, fällt schwer.“

Beide Geschäftsführerinnen sind überzeugt, dass die Konsolidierung im Markt der Hotelkooperationen weitergehen wird. Nicht zwingend in Form von Übernahmen, wohl aber durch engere Partnerschaften und gemeinsame Plattformen. „Es wird weitere Zusammenschlüsse geben“, prognostiziert Weindl. Entscheidend sei die Frage, welchen konkreten Mehrwert eine Kooperation ihren Mitgliedern künftig bieten könne. Für Sabine Möller hat die Zusammenarbeit Vorbildcharakter. „Ich würde mir wünschen, dass das ein positives Signal für die Privathotellerie ist. Kooperation kann ein toller Hafen für individuelle Hotels sein.“

Die Zusammenarbeit hat für sie zudem eine persönliche Komponente. Möllers Vater gehörte vor mehr als fünfzig Jahren zu den Mitgründern von Ringhotels. Zudem arbeitete sie selbst Anfang der 1990er-Jahre für die Kooperation, baute dort den Vertrieb mit auf. Entsprechend emotional sei die Bekanntgabe gegenüber den Mitgliedsbetrieben gewesen. „Als ich meinen Hoteliers davon ­erzählt habe, musste ich schon mit den Emotionen kämpfen“, sagt Möller. Gleichwohl sei sie überzeugt, mit Ringhotels die beste Lösung für die weitere Entwicklung der Häuser gefunden zu haben. „Es ist der richtige Schritt.“

„Je mehr Synergien im Hintergrund zusammenlaufen, desto besser für alle Beteiligten.“

Sabine Möller, Gründerin von CPH Hotels

Gemeinsam stärker

Für Weindl wiederum ist die Entscheidung von CPH auch ein Vertrauensbeweis. „Dass sich CPH bewusst für Ringhotels entschieden hat, bestätigt, dass wir als relevanter Partner wahrgenommen werden.“ Zugleich sei diese Partnerschaft für beide Seiten weit mehr als eine Kooperation – „sie ist ein klares Signal für die Zukunft der Privathotellerie.“

Die Kooperation zwischen Ringhotels und CPH Hotels zeigt exemplarisch, wie sich die Privathotellerie auf die Herausforderungen der kommenden Jahre einstellt. Statt auf Alleingänge setzen die Partner auf gebündelte Ressourcen, größere Reichweite und gemeinsame Kompetenz. Für die angeschlossenen Hotels bedeutet das mehr professionelle Unterstützung, ohne ihre Eigenständigkeit aufgeben zu müssen. Oder wie Sabine Möller es formuliert: „Am Ende geht es nicht darum, was wir uns wünschen. Entscheidend ist, dass für die Hoteliers ein echter Mehrwert entsteht.“              

>> Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 6/2026 erschienen

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