Beim Gastwelt-Summit in Berlin haben rund 220 Branchenvertreter mit Bundespolitikern über die Zukunft des Dienstleistungssektors diskutiert. Im Fokus standen bessere Standortbedingungen, Bürokratieabbau und neue Wachstumsimpulse für Tourismus, Gastronomie und Hotellerie.
Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) hat beim diesjährigen Gastwelt-Summit in Berlin mehr wirtschaftspolitische Unterstützung für die Branche gefordert. Rund 220 Führungskräfte aus Tourismus, Hospitality, Gastronomie und Freizeitwirtschaft diskutierten am Montag mit Vertretern aus Bundestag und Bundesregierung über Wettbewerbsfähigkeit, Bürokratieabbau und Wachstumsperspektiven für den Standort Deutschland.
Forderung nach besseren Rahmenbedingungen
Im Mittelpunkt des Gipfeltreffens standen steuerliche Entlastungen, sinkende Energiekosten, schnellere Fachkräftezuwanderung und eine neue Wachstumsagenda für die sogenannte Gastwelt. Nach Angaben der DZG beschäftigt der Dienstleistungssektor bundesweit mehr als sechs Millionen Menschen.
„Der persönliche Austausch mit den Parlamentarierinnen und Parlamentariern ist für uns alle von großer Bedeutung – gerade in Zeiten, in denen die steuerpolitischen Verteilungskämpfe immer härter werden“, sagte der DZG-Vorstandsvorsitzende Marcel Klinge. Nur so könne die Branche ihre Perspektiven frühzeitig in politische Entscheidungsprozesse einbringen. Die Gastwelt sei eine zentrale Säule der Volkswirtschaft sowie Garant für Lebensqualität und soziales Miteinander – sie brauche jetzt aber klare Perspektiven und bessere Standortbedingungen, so Klinge weiter.
Gastwelt
Die „Gastwelt“ bezeichnet einen 2022 vom Fraunhofer IAO und der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) definierten Dienstleistungssektor rund um Gastlichkeit und Lebensqualität. Dazu zählen Beherbergung, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft. Mit rund 500 Milliarden Euro Anteil am Bruttoinlandsprodukt und 6,1 Millionen Beschäftigten gilt die Gastwelt als drittgrößter Arbeitgeber Deutschlands. Die Branche versteht sich als wichtiger Wirtschafts-, Innovations- und Standortfaktor sowie als gesellschaftlicher Treffpunkt unter dem Leitmotiv „#HerzUnsererGesellschaft“.
Schirmherr der Veranstaltung war der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Armand Zorn MdB. Für das Bundeswirtschaftsministerium nahm Janina Jänsch, Abteilungsleiterin für Mittelstandspolitik, am Summit teil. Sie betonte die Bereitschaft des Ministeriums, die Anliegen der Gastwelt ernst zu nehmen, und verwies auf die bereits beschlossene Nationale Tourismusstrategie der Bundesregierung sowie auf geplante Maßnahmen zum Bürokratieabbau.
Anknüpfung an aktuelle Tourismusstrategie
Damit knüpfte der Summit unmittelbar an die aktuelle tourismuspolitische Debatte an. Erst im Januar hatte die Bundesregierung ihre Nationale Tourismusstrategie beschlossen. Die DZG begrüßte den Vorstoß grundsätzlich, mahnte jedoch Nachbesserungen und ein klareres Zukunftsbild für die Branche an. Besonders wichtig seien verbindliche Maßnahmen und eine stärkere politische Verankerung der Gastwelt als eigenständiger Wirtschaftsfaktor.
Bereits in den vergangenen Monaten hatte die Denkfabrik wiederholt vor den Folgen der wirtschaftlichen Stagnation für Gastronomie und Hotellerie gewarnt. Damals sprach Klinge von einem „klaren Warnsignal“ für die Branche und forderte einen bundesweiten Standort-Gipfel sowie ein Belastungsmoratorium für zusätzliche Abgaben und Regulierungen.
Wirtschaftspolitik im Fokus
Auch beim Gastwelt-Summit wurde deutlich, dass die Herausforderungen des Sektors eng mit den großen wirtschaftspolitischen Fragen verbunden sind. In einer Diskussionsrunde mit den Bundestagsabgeordneten Sebastian Roloff (SPD), Julian Joswig (Grüne) und Janine Wissler (Die Linke) ging es unter anderem um Energiepreise, Investitionsbedingungen und Arbeitsmarktpolitik.
Wissenschaftliche Impulse lieferte Professorin Sandra Rochnowski von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Sie hob anhand aktueller Daten die Bedeutung von Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität hervor.
Zum dritten Mal organisierte die DZG das Gipfeltreffen gemeinsam mit einer Allianz aus Branchenverbänden, darunter der Travel Industry Club (TIC), der Verband Internet Reisevertrieb (VIR), das Institute of Culinary Art (ICA), die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland (HDV) und der Verband Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen (VDFU).
Olympische Spiele als Wachstumsimpuls
Beim anschließenden parlamentarischen Abend im F.A.Z.-Atrium warb DOSB-Vorstandschef Otto Fricke für eine deutsche Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. Solche Großereignisse könnten erhebliche Wachstumsimpulse für die Gastwelt auslösen – etwa durch zusätzliche Nachfrage, internationale Sichtbarkeit und Infrastrukturinvestitionen. red/brg
DZG
Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) wurde 2021 gegründet und vernetzt Politik, Wissenschaft sowie Unternehmen aus Tourismus, Hospitality, Foodservice und Freizeitwirtschaft. Der überparteiliche Thinktank beschäftigt sich mit Zukunftsthemen wie Fachkräftesicherung, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Zu den mehr als 200 Mitgliedsunternehmen und Partnern zählen unter anderem Deutsche Bahn, Motel One, Metro, Center Parcs und Booking.com. Gemeinsam repräsentieren sie laut DZG über 740.000 Beschäftigte in Deutschland.