Die Tarifverhandlungen im hessischen Gastgewerbe stocken. Nun droht die Branchengewerkschaft NGG mit Warnstreiks in hessischen Städten. Wie der Dehoga reagiert.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten droht angesichts stockender Tarifverhandlungen mit Warnstreiks in Hotels, Restaurants und Cateringfirmen. Erste Arbeitsniederlegungen könne es schon bald geben, besonders in Frankfurt, Wiesbaden, aber auch in anderen hessischen Städten und Gemeinden, sagte NGG-Verhandlungsführer Hendrik Hallier. Er kündigte an: „Vorabankündigungen wie bei der Bahn wird es nicht geben. Gleichzeitig werden dies die größten Streiks, die diese Branche in der Bundesrepublik jemals erlebt hat.“
Was fordert die NGG?
Die Beschäftigten der Branche hätten genug, sagte Hallier. In vielen Betrieben arbeite heute rund ein Drittel weniger Personal, doch die Arbeit habe nicht abgenommen. „Die Beschäftigten der Branche arbeiten zu jeder Tages- und Nachtzeit, an Feiertagen, Sonntagen und unter stetig steigenden Arbeitsbelastungen.“
Die NGG fordert eine Erhöhung der Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 7,5 Prozent sowie einen jährlichen Gesundheitszuschuss von 300 EUR. Die Arbeitgeber bieten nach Darstellung der Gewerkschaft eine Gehaltserhöhung von einem Prozent über 30 Monate. Besonders brisant sei, dass die Arbeitgeber die Gehälter ungelernter Arbeitskräfte gar nicht erhöhen wollten, kritisiert die NGG, zu deren Tarifgebiet mehrere namhafte Hotels zählen.
„Seit unserer ersten Tarifverhandlung im Januar bewegte sich der Hotel- und Gastronomieverband Dehoga Hessen keinen Millimeter“, monierte NGG-Landeschef Hakan Ulucay. Während die Preise stiegen, wollten die Gastronomen trotz der Mehrwertsteuersenkung auf Speisen von 19 Prozent auf sieben Prozent beim Personal den Rotstift ansetzen. Es sei unverständlich, dass von der Entlastung nichts bei den Beschäftigten ankomme.
Dehoga verweist auf wirtschaftlichen Druck
Im Gespräch mit der Tophotel-Redaktion hat der Hauptgeschäftsführer des Dehoga Hessen, Gisbert J. Kern, die Sicht der Arbeitgeberseite dargelegt. Er bestätigte, dass der Verband eine Gehaltserhöhung von einem Prozent ab Juli mit einer Laufzeit von 24 Monaten angeboten habe. Gleichzeitig verwies Kern darauf, dass die NGG ausschließlich ihre Mitglieder vertrete, während der Landesverband die Branche flächendeckend, insbesondere auch die mittelständischen Betriebe in den ländlichen Räumen, repräsentiere – ein Punkt, der in den Verhandlungen berücksichtigt werden müsse.
Vor diesem Hintergrund bewertet der Dehoga die Forderungen der Gewerkschaft als zu hoch: Diese lägen weit über der Inflationsrate, während viele Betriebe weiterhin unter wirtschaftlichem Druck stünden. Das Gastgewerbe verzeichnete bundesweit in den ersten beiden Monaten des Jahres einen realen Umsatzrückgang von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr (-20,1 % gegenüber dem Vorkrisenjahr 2020). Entsprechend kritisch äußerte sich Kern auch zum Ton der Gewerkschaft: Es sei „erschreckend, dass die NGG jetzt einen so scharfen Ton anschlägt und mit Streik droht“. Dies auch vor dem Hintergrund der hohen Tarifabschlüsse seit der Coronapandemie, die in konstruktiven Verhandlungen abgeschlossen wurden.
Gleichzeitig signalisiert der Verband Dialogbereitschaft. Es seien bereits Vorschläge für neue Gesprächstermine unterbreitet worden. Es gebe Signale, dass beide Seiten zeitnah die Gespräche wieder aufnehmen. dpa/sar