Am Wiener Westbahnhof setzt The Companion Vienna auf Offenheit und gestalterische Kraft. In nur 15 Monaten schuf das Gründer-Quartett einen Ort für Hotel, Gastronomie und Stadtleben.
Die Mariahilfer Straße ist die größte Einkaufsstraße von Wien. Der Gürtel ist der dritte um den Stadtkern von Wien führende Ring und die am stärksten befahrene Landesstraße Österreichs. An diesem Schnittpunkt in unmittelbarer Nähe zum Wiener Westbahnhof liegt in der Mariahilfer Straße 127a das neue Hotel The Companion Vienna.
Das Viertel ist geprägt von Gastronomie, Kultur und einem sehr lebendigen Stadtleben. Das Gebäude – ein typisches Wiener Zinshaus aus der Kaiserzeit – lag lange in einer Art Dornröschenschlaf. In der Zeit nach der Errichtung des Mehrfamilienmiethauses Ende des 19. Jahrhunderts befand sich in dem Gebäude das Café Prohaska, das von einer parkähnlichen Anlage mit weißem Kies umgeben war.
4 Freunde, ein Projekt
Ursprünglich sollte in dem Haus das Konzept eines Budget-Hotels umgesetzt werden. Doch im Zuge der Coronapandemie kam es zu einem Bruch zwischen Betreibern und Investoren, sodass das Projekt im Sande verlief. Im Zuge einer Neuausrichtung stießen Kai Hollmann, Florian Kollenz, Christian Lainer und Michael Todt auf die Immobilie. Die vier Freunde hatten in der Konstellation bereits 2019 in Wien ein gemeinsames Projekt umgesetzt: eine Superbude sowie drei Lokale im selben Gebäude – das Café Brenner, die Bar Cannaregio und das Neni am Prater. Eine Fortsetzung des Budget-Konzepts verwarfen die neuen Betreiber: „Die Immobilie ist dafür zu wertig“, so Hollmann.
Der Hotelier, der in Hamburg unter dem Namen Fortune Hotels Häuser wie das Gastwerk, The George und drei Hostels der Marke Superbude betreibt, hatte das Hostel-Konzept mit nach Wien gebracht. Die drei Freunde Florian Kollenz, Christian Lainer und Michael Todt kennt er aus der gemeinsamen Zusammenarbeit im Rahmen der 25hours Hotels. Hollmann hatte 2005 das erste 25hours Hotel in Hamburg gegründet und von 2016 an seine Anteile an Accor verkauft.
Um Ideen für das The Companion Vienna zu sammeln, waren die Freunde für drei Tage nach London gereist und hatten sich dort von dem Hotel The Standard inspirieren lassen. An dem Londoner Vorbild gefielen den Hoteliers nicht nur der respektvolle Umgang mit dem Bestandsgebäude und die geschickte Ausnutzung von zum Teil kleinen Grundrissen, sondern vor allem die Öffnung des Hotels nach außen. „Wir hoffen, dass auch viele Wiener unser Hotel nutzen“, sagt Hollmann.
Eigentümer des Hotels ist ein österreichischer Immobilienbesitzer, der nicht genannt werden will. Die Investitionskosten betragen 34 Millionen Euro. Eine Besonderheit ist, dass die 2023 gegründete Companion Hospitality Group die Kosten für Möbel, Einrichtung und Ausstattung in Höhe von 3,5 Millionen Euro selbst übernommen hat. „Dadurch konnten wir das Budget selbst verwalten“, sagt Hollmann. Die Immobilie sei langfristig für 20 Jahre mit der Option auf Verlängerung angemietet worden.
Fernwärme und -kälte kommen von der Stadt Wien
Die Bauzeit betrug 15 Monate. Für den Umbau des Gebäudes waren die Architekten Fleissner und Partner aus Graz zuständig, für die Innenarchitektur We Studio aus Berlin. Zu Baubeginn waren bereits Teilabbrüche an nicht benötigten Gebäudestrukturen erfolgt. Eine besondere Herausforderung war eine Baustelleneinrichtung am stark befahrenen Gürtel. Vor allem die Anlieferung stellte sich als äußerst anspruchsvoll dar.
Die Baumaßnahmen umfassten die komplette Sanierung des Bestandsgebäudes sowie einen zweigeschossigen Dachaufbau. Dadurch konnte die Zahl der Zimmer von ursprünglich 100 auf heute 138 erhöht werden. Eine weitere wesentliche Baumaßnahme war der Abbruch eines Lichthofs, um den Einbau von Aufzügen zu ermöglichen.
Die Gebäudetechnik wurde im Zuge des Umbaus vollständig erneuert. Dabei spielten Nachhaltigkeit und Energiemanagement bei der Entwicklung des Projekts eine wesentliche Rolle. So wird bei der Energieversorgung des Gebäudes auf eine nachhaltige Lösung gesetzt, indem das Hotel sowohl Fernwärme als auch Fernkälte von der Stadt Wien bezieht. Die Verteilung innerhalb des Gebäudes erfolgt über Fan Coils, die eine Klimatisierung der einzelnen Bereiche ermöglichen. Die für das Hotel geschaffene Infrastruktur soll nicht nur dem The Companion Vienna zugutekommen, sondern auch der Versorgung des umgebenden Quartiers.
Altes wurde bewahrt
Besonders gut gelungen findet Hollmann den sensiblen Umgang mit dem Bestandsgebäude. So wurden das alte Treppenhaus und alte Säulen in der Lobby komplett erhalten. Auch die historischen Stuckdecken des Cafés Prohaska wurden bewusst nicht renoviert, sondern in ihrem vorgefundenen Zustand belassen.
Das als Vollhotel auf Viersterne-Niveau konzipierte The Companion Vienna hat keinen Wellnessbereich und kaum Veranstaltungsflächen. Es gibt nur einen Tagungsraum für bis zu sechs Personen. Anstatt zwei weitere Meetingräume im Erdgeschoss einzurichten, wurden die vorhandenen Flächen der Bar „Calypso“ zugeschlagen. Das Ambiente der Bar wird beeinflusst durch roten Marmor, Samt und gedimmtes Licht. Den Barbereich rahmt ein 30 Meter langes Edelstahlfries ein, das Szenen des Wiener Lebens darstellt. Die Getränkekarte orientiert sich an der mythologischen Figur Calypso. Die Bar verfügt über einen eigenen Eingang zum Wiener Gürtel. Nach Angaben von Hotelier Hollmann finden bis zu 60 Gäste in der Bar Calypso Platz: „Der Raum wurde aber so konzipiert, dass auch schon mit 20 Gästen eine tolle Stimmung entstehen kann.“
Steckbrief
- Eröffnung: März 2026
- General Manager: Michael Todt
- Bauzeit: 15 Monate
- Baumaßnahmen: Umfassende Sanierung und Innenausbau sowie Dachaufbau und Integration der Aufzüge
- Innenarchitektur: We Studio Berlin
- Architekten: Fleissner und Partner Graz
- Zimmerausbau: Piltex
- Lichtkonzept: Piltex, Kandela
- Zimmer: 138 Zimmer und Suiten
- BGF: 6.322 Quadratmeter
- F&B-Angebot: Restaurant Boca, Bar Calypso
- Mitarbeitende: 65
- Investition: 34 Millionen Euro
- Preise: ab 80 Euro
- Average Rate: 120 Euro (geplant)
- Hersteller: Cassina, De Sede, Thonet, Kvadrat, Trone, Laufen, Grohe, Berker, Santa & Cole u.a.
Wiener Hotelmarkt mit Hamburg vergleichbar
Das Restaurant „Boca“ soll einen lebendigen sozialen Mittelpunkt des Hauses bilden. Hier sorgen Küchenchefin Lauryn Therin und ihr Team in ihrer offenen Küche für eine moderne Interpretation mediterraner Kulinarik. Architektonisch trifft im Restaurant historischer Bestand auf modernes Design. Ein Raster aus 180 kugelförmigen Pendelleuchten schwebt über einer Abfolge von Sitznischen mit cognacfarbenen Lederbänken. Obwohl die Räumlichkeiten auch für das Frühstück genutzt werden, hat das Restaurant nur 70 Sitzplätze. „Bei größeren Räumen mit mehr Plätzen bekommt man sonst keine Atmosphäre hinein“, meint Hollmann. Außerdem wisse er aus der Erfahrung mit seinen Hamburger Hotels, dass nur etwa zwei Drittel der Hotelgäste zum Frühstück kämen. Und in der Gästestruktur sei der Wiener Hotelmarkt dem der Hansestadt sehr ähnlich.
Das Hotel verfügt über einen großen Innenhof mit einem alten Baum in der Mitte. Die Fenster des Restaurants lassen sich zum Innenhof öffnen. Dadurch soll eine offene, lebendige Atmosphäre wie im Londoner Hotel The Standard entstehen und auch einheimische Gäste anlocken. Hollmann: „Viele Wiener haben sich das neue Hotel in den ersten Wochen schon angeschaut.“
Das Konzept Kompaktheit neu interpretiert
Zum einnehmenden Charakter soll auch die Lobby des Hotels beitragen. Dort laden vier ikonische „De Sede Terrazza“-Sofas und schwarze Lounge-Sessel, die um Tische aus italienischem Marmor und Edelstahl gruppiert sind, zum Verweilen ein. Abseits der Hauptlobby soll ein Kamin als Zentrum eines Rückzugsortes dienen. Ein Bücherregal aus Bubinga-Furnier rahmt den Kaminbereich und dient zugleich als Raumteiler für eine Bibliothek, die von den Gästen als ruhige Erholungszone genutzt werden kann.
Eine Herausforderung für die Architekten war der Umgang mit kleinteiligen Zimmerstrukturen, die trotz ihrer kompakten Größe in einer sehr hochwertigen Qualität umgesetzt werden sollten. Die insgesamt 138 Hotelzimmer und Suiten gibt es in sieben Kategorien. Sie reichen von einem zwölf Quadratmeter großen „Solo“ bis zur 45 Quadratmeter großen „Velvet-Suite“, die sich auf zwei Ebenen erstreckt. Während Fans von Dachschrägen in der Kategorie „Nest“ fündig werden, vermittelt „The Balcony“ mit eigenem Balkon Wiener Altbaucharme.
Die Zimmerkategorien „Muse“ und „Poet“ gibt es in den Varianten S mit 16 Quadratmetern und M ab 18 Quadratmetern. Eine Besonderheit stellt die Kategorie „Roomies“ dar, die mit zwei Doppelstockbetten auf 25 Quadratmetern Platz für bis zu vier Personen bietet. „Die Neuinterpretation von Kompaktheit war eine unserer zentralen Leitideen“, sagt Piotr Wisniewski, Leiter des Berliner Innenarchitekturbüros We Studio. Der Designer hat bereits das ambitionierte Designhotel The Cōmodo in Bad Gastein gestaltet.
Eine dunkle Deckenfarbe diene dazu, den Raum optisch abzusenken und ein Gefühl von Geborgenheit zu erzeugen. Horizontale Wandgliederungen mildern die Proportionen der Räume, während eine Palette komplementärer Farbtöne jeder der sieben Zimmerkategorien eine eigene Atmosphäre verleihen soll. Wisniewski: „Wir behandeln Farbe so, wie andere mit Stein oder Holz arbeiten.“ Während in vielen anderen Hotels die Minibar vom Aussterben bedroht ist, wurde im The Companion Vienna der Kühlschrank im Hotelzimmer „reloaded“. Vom morgendlichen Drink über die Flasche Sekt bis zum Proteinriegel – „alles ist darauf ausgerichtet, den Gästen genau das zu bieten, was sie in diesem Moment brauchen.“ Dabei erfolge die Abrechnung automatisch über die Kreditkarte.
Geometrische Motive, Raster & kräftige Farben
Eine besondere Rolle spielt das Lichtkonzept des Hotels: „Wir haben eine Kollektion von Lampen und Kronleuchtern speziell für diesen Ort entworfen“, sagt der Designer. Dabei erfüllten die Lampen nicht nur ihre praktische Funktion, sondern seien selbst dekorative Elemente. Ergänzt werde das Lichtkonzept durch die Anbindung der meisten Lampen an Dimmer, wodurch sich die Beleuchtung flexibel anpassen lasse. Nach Angaben des Chefdesigners hat sich We Studio bei der Gestaltung des The Companion Vienna von der Wiener Werkstätte inspirieren lassen – einer Bewegung von Künstlern Anfang des 20. Jahrhunderts in Wien, die Architektur, Design und Handwerkskunst kombinierte und im Alltag etablieren wollte. Geometrische Motive, Rasterstrukturen und kräftige Farbkombinationen finden sich in Beleuchtung, Textilien und Oberflächen wieder.
Außerdem wurde so viel wie möglich vom alten Gebäude bewahrt, damit die Geschichte des Ortes sichtbar bleibt. Bewehrungsstahl, Decken, Kabel und Installationen wurden nicht versteckt, sondern als Gestaltungselemente sowie als Inspiration für maßgefertigte Möbel genutzt. Wisniewski: „Diese Integration historischer Designphilosophie sorgt dafür, dass sich das Hotel eindeutig in Wien verortet, gleichzeitig jedoch kompromisslos zeitgenössisch bleibt.“
>> Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 5/2026 erschienen.
