Lärm kostet Schlaf – und Gäste, die nicht wiederkommen. Wer Ruhe als Qualitätsversprechen ernst nimmt, muss Schallschutz ganzheitlich planen, von der Akustik bis zur Tür.
Es ist ein Problem, das viele Gäste kennen: Sie schlummern tief und fest im Hotel, bis ab 6 Uhr morgens im Minutentakt Türen mit Karacho ins Schloss fallen. Dazu rattern Rollkoffer, Stimmen hallen durch den Gang. Wie relevant das Thema ist, zeigt eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP in Stuttgart. Bei dem Forschungsprojekt „Unerhörte Hotels“ analysierten die Wissenschaftler systematisch den Schallschutz in der Hotellerie.
Das Ergebnis: Gespräche und Türenschließen in Fluren zählen zu den häufigsten akustischen Störquellen – direkt hinter Verkehrslärm, der durch geschlossene Fenster dringt. „Der Schallschutz von Türen erwies sich häufig als unzureichend“, stellte Philip Leistner, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP, nach umfassenden Schallmessungen und Gästebefragungen fest. Im Bericht der Studie ist von einem „erheblichen Nachholbedarf“ die Rede.
Ruhe als zentraler Qualitätsfaktor für die Gästezufriedenheit
Für Hoteliers ist das mehr als eine bauphysikalische Randnotiz. Einer, der daraus konkrete Konsequenzen gezogen hat, ist Marius Tröndle. „Als ich 2008 meine Lehre zum Hotelfachmann im Hotel Auerhahn am Schluchsee absolvierte, war Lärm bei Gästen, die Ruhe suchten, immer wieder ein großes Thema“, erinnert sich der Hotelier aus dem Schwarzwald. Eine Erkenntnis, die ihn prägte. Heute ist Tröndle Inhaber und Betreiber seines früheren Ausbildungsbetriebs. Das Hotel mit 350-jähriger Tradition wurde nach seiner Übernahme zunächst vier Jahre grundsaniert, bevor es 2025 wiedereröffnete.
Ein wesentliches Ziel: „Wir wollten die Ruhe in den Zimmern auf ein sehr hohes Niveau bringen. Gerade in einem Wellnesshotel ist ein ruhiges Zimmer ein zentraler Qualitätsfaktor“, zeigt sich der Hotelier überzeugt. Und nicht nur er: Das Team von Raumakustik-Spezialist Akustikwerke hat Gästebewertungen auf Hotelbewertungsportalen analysiert. Mit dem Ergebnis: „70 Prozent der negativen Bewertungen erwähnen Lärm“, heißt es auf der Website des Unternehmens. Gründer und Geschäftsführer Björn Federspiel verweist darauf, dass eine signifikante Korrelation zwischen Akustik- und Gesamtzufriedenheit sowie Wiederbuchungsabsicht statistisch nachgewiesen sei.
Im Hotel Auerhahn fiel die Wahl der Zimmertür deswegen auf das Modell „SST 3-150“ des Herstellers Herholz. Optik und Schallschutz waren die beiden Hauptfaktoren bei der Entscheidung. „Die natürliche Holzoptik passt zu unserem modernen Schwarzwaldstil ‚Black Forest Contemporary‘, der sich durch die gesamte Inneneinrichtung zieht“, sagt Tröndle. Und: „Ja, die Türen sind aufgrund des Schallschutzes schwer. Dank hochwertiger Beschläge und sauber eingestellter Türschließer sind sie aber dennoch sehr komfortabel und überdies selbstschließend ausgeführt, denn das war unter dem Aspekt Brandschutz relevant.“ Für ihn zählt das Ganze: „Wir haben den Schallschutz nicht nur bei der Tür selbst betrachtet, sondern im System mit Türblatt, Zarge, umlaufender Dichtung inklusive Bodenaufbau, verwendeten Schäumen sowie fachgerechter Montage.“
Höhere Standards für exklusive Bereiche oder Suiten
Für Hotelzimmertüren gelten klare Anforderungen. Maßgeblich ist die DIN 4109, Bestandteil der Landesbauordnungen. Demnach müssen Türen zwischen Flur und Übernachtungsräumen im betriebsfertigen Zustand 32 dB Schalldämmung erreichen (Schallschutzklasse 2). Das ist eine Mindestanforderung.
„Wir haben den Schallschutz nicht nur bei der Tür selbst betrachtet, sondern im gesamten System.“
Marius Tröndle, Auerhahn Hotel, Schluchsee
Doch selbst diese wird laut der Studie „Unerhörte Hotels“ nicht immer erfüllt. „Vom Hersteller muss eine Tür geliefert werden, die bei der Prüfung im Labor einen Schalldämmwert von ‚Rw = 37 Dezibel‘ erreicht“, erläutert Matthias Richter-Weinhardt, Produktmanager bei Neuformtür. Er empfiehlt höhere Standards: „In Schallschutzklasse 3 ist die Schalldämmung bereits spürbar besser ausgeprägt, konkret jeweils fünf Dezibel höher. Die höchste prüfbare Schalldämmung im Labor liegt bei 52 Dezibel. Dies würde sich zum Beispiel für exklusive Bereiche oder Suiten eignen.“ Auch Richter-Weinhardt betont den Systemgedanken: „Schallschutztüren sollten, insbesondere in den höheren Klassen, ausschließlich als komplette Türelemente verbaut werden, die im System geprüft wurden.“
Denn: „Es muss nicht nur die Tür den Schalldämmwert erreichen, sondern auch das Dichtungssystem der Zarge.“ Schließlich hätten auch die Zargendichtungen einen entscheidenden Einfluss darauf, wie gut die Schalldämmung am Ende wirklich ist.
Präzision vom Türblatt bis zur Bodenschiene
Der Türexperte nennt weitere Punkte: „Beim Einbau ist es wichtig, dass die Zarge lotrecht und ohne Verwindung montiert wird. Die Montagefuge zwischen Wand und Zarge ist nach den Vorgaben der Hersteller zu hinterfüllen.“ Ergänzend dazu sei es wichtig, dass der Übergang zwischen den sogenannten Zargenspiegeln und der Wand dauerelastisch abgefugt wird. Das Türblatt sei dann so einzustellen, dass es ausreichend an den umlaufenden Zargendichtungen anliegt. Das gelte auch für die Unterkante: „Hier muss die Bodendichtung glatt und eben anliegen, was sich beispielsweise durch eine durchgehende Bodenschiene realisieren lässt“, sagt Richter-Weinhardt.
Wenn Türen laut zuschlagen, liege das häufig an falsch eingestellten oder falsch dimensionierten Türschließern. Auch hier seien Qualität, Konfiguration und Montage entscheidende Faktoren. „Neuformtür bietet ein umfangreiches Produktportfolio aus Zargen, Türen und Beschlägen“, so der Produktmanager. „Angepasst an die Architektur und das Design des Hauses kann individuell die passende Kombination aus Technik und Optik geschnürt werden.“
Selbst die beste Tür bleibt aber nur gut, wenn sie gewartet wird. Die Fraunhofer-Studie bescheinigt der Branche bei Türsystemen „zu seltene Pflege und Wartung“. Matthias Richter-Weinhardt rät: „Bei sichtbaren Beschädigungen sollten Dichtungen erneuert werden. Zudem können sich an der Bodendichtung im Nutzungsverlauf Rückstände ansammeln. Durch Entnahme und Reinigung der Bodendichtung lassen sich diese entfernen.“
Wichtig: Wartung nicht vernachlässigen
Geräusche übertragen sich jedoch nicht nur über Türen. Die Studie empfiehlt deshalb, „durch Raumdämpfung (Nachhallzeit) und geeignete Bodenbeläge“ zu optimieren. Auch das setzte Marius Tröndle um: „Da Schall auch über Nebenwege übertragen wird, selbst wenn die Tür ausgezeichnete Werte hat, war uns die Schallentkopplung im Raum wichtig. Wir haben außerdem die Flure mit Teppich und Schallschluckelementen schalltechnisch optimiert.“ Das Ziel war klar: „Damit Koffergeräusche, Gespräche oder die Aktivitäten des Housekeepings morgens möglichst nicht in die Zimmer übertragen werden.“ Schallschutz ist damit keine Frage einzelner Bauteile. Er ist eine Systementscheidung – von der Planung über die Montage bis zur Wartung.
Schnelltest: Schließen die Türen schalldicht?
Dichtungen haben großen Einfluss darauf, wie gut die Schalldämmung einer Tür ist. Um herauszufinden, ob der Anpressdruck ausreichend ist, empfiehlt das Team von Neuformtür folgenden Schnelltest: Ein Blatt Papier zwischen Türblatt und Zargen- beziehungsweise Bodendichtung einklemmen und versuchen, es wegzuziehen. Dabei müsse ein gewisser Widerstand spürbar sein. Anderenfalls gäbe es sogenannte Leckagen für den Schall.
>> Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 3-4/2026 erschienen.
