Das Viersterne-Superior-Hotel unterzieht sich einer Komplettsanierung. Trotz des enormen Aufwands soll sich für die Gäste am Grundcharakter des Hauses nichts ändern.
Der Bodenmaiser Hof im Kurort Bodenmais am Fuß des Großen Arber bleibt bis zum 30. Juni 2026 geschlossen. Unter dem Namen „Projekt Herzstück“ lässt die Inhaberfamilie das seit über einem Jahrhundert gewachsene Hotel mit seinen 120 Betten grundlegend umbauen. „Man muss schon ein bisschen wahnsinnig sein, in Zeiten wie diesen so umfangreich zu investieren“, sagt Sandra Geiger-Pauli, die das Haus in vierter Generation führt. Der Aufwand sei mit einem Neubau vergleichbar: „Wir brauchen mehr Geschirr, mehr Mitarbeiter, mehr Bettwäsche … Alles muss quasi von Null an durchdacht und geplant werden.“
Den Namen des Projekts erklärt die Hotelchefin so: „Das ganze Hotel mit seinen Gästen und MitarbeiterInnen ist mein Leben, mein Inhalt, mein Wohnzimmer – darin steckt mein Herz.“
Mehr Raum für unterschiedliche Gästegruppen
Im Kern zielt der Umbau darauf ab, den verschiedenen Zielgruppen des Hotels mehr und gleichwertigere Flächen zu bieten. „Die Maßnahmen sind deshalb so umfangreich, weil wir mehr Raum für alle schaffen möchten: für Familien mit kleinen Kindern genauso wie für Ruhesuchende. Bei den Pools und im Restaurant soll es künftig gleichwertigere und schönere Bereiche für die unterschiedlichen Zielgruppen geben“, so Geiger-Pauli. Neue Familienzimmer, die die Hotelchefin als „Hofnester“ bezeichnet, sollen die Bedürfnisse von Eltern und Kindern „viel besser“ abdecken als bisher.
Darüber hinaus entstehen drei High-End-Suiten, eine große Aufguss-Sauna mit geplantem Programm aus Saunatagen und Retreats sowie ein Heilpraktiker-Raum. „Wir möchten das Thema Longevity noch mehr in den Fokus stellen“, erläutert die Inhaberin. Der Fitnessbereich werde komplett neugestaltet. Die hauseigene Rundai-Brennerei soll ab Sommer 2026 prominent in der neuen Lounge-Lobby inszeniert werden. Hinzu kommt ein Concept-Store, in dem Gins, Dekoartikel, Schmuck und Trachten angeboten werden sollen. „Darauf freue ich mich persönlich besonders“, sagt Geiger-Pauli.
Bezahlbar und „wohlig“
Viele Stammgäste hätten Sorge, der Bodenmaiser Hof könnte nach dem Umbau nicht mehr zu ihnen passen, berichtet die Inhaberin. Dem widerspricht sie deutlich: „Mir ist es wichtig, dass er bezahlbar bleibt und dass es unter der Vielzahl an Zimmern das passende für jeden Gast gibt.“ Auch das „Wohlige“ bleibe erhalten – das Hotel solle weiterhin „ein Haus für alle“ sein. „Ich wünsche mir, dass die Schlagworte Herzlichkeit, Genuss und Wohlfühlen unseren Familienbetrieb künftig noch stärker widerspiegeln“, so Geiger-Pauli.
Den Mut zu einer derart umfangreichen Investition sieht sie in der Familientradition verwurzelt: „Auch die Generationen vor uns waren so mutig, sich für große Veränderungen zu entscheiden. Dieser Mut gehört für mich zum Unternehmergeist dazu.“ Die Idee für den Umbau sei vor einiger Zeit entstanden: Gemeinsam mit ihrem Mann habe sie die Pläne Schritt für Schritt konkretisiert. „Qualität ist für mich auf High-End-Level, und wenn ich etwas angehe, möchte ich es hundertprozentig machen“, sagt sie. Den größten Respekt habe sie vor dem Zeitplan – „und der Wettergott muss uns gnädig sein“.
Fünfte Generation bereits in Sichtweite
Auch die Nachfolge scheint sich abzuzeichnen. Der älteste Sohn Leopold macht laut Geiger-Pauli derzeit eine Ausbildung bei einem renommierten Koch. „Für unsere 14-jährige Tochter Mathilda steht schon fest, dass sie ins Hotelfach einsteigen möchte“, berichtet die Hotelchefin. Auch beim zwölfjährigen Johann könne sie sich eine Zukunft als Koch vorstellen. „Erzwingen kann ich natürlich nichts, sondern nur fördern und unterstützen“, sagt sie. red/sar