Green Hospitality Conference Nachhaltigkeit im Hotel: Warum Warten keine Option mehr ist

Wissenschaftler Daniel Scherz eröffnete die Green Hospitality Conference mit einem klaren Appell: Nachhaltiges Bauen jetzt umsetzen – „wir haben alles, was wir brauchen“.
Wissenschaftler Daniel Scherz eröffnete die Green Hospitality Conference mit einem klaren Appell: Nachhaltiges Bauen jetzt umsetzen – „wir haben alles, was wir brauchen“. © Brit Glocke

Premiere auf der Internorga: Rund 170 Branchenvertreter diskutierten bei der Green Hospitality Conference in Hamburg, wie sich nachhaltige Konzepte in Planung, Betrieb und Design von Hotels konkret umsetzen lassen – und warum sie zunehmend zum wirtschaftlichen Erfolgsfaktor werden.

Mit der Green Hospitality Conference hat die Internorga am 14. März 2026 erstmals eine eigene Plattform für nachhaltige Hotelkonzepte geschaffen. Die von ID-Developers gemeinsam mit der Hamburg Messe initiierte Veranstaltung positioniert sich als Fachformat rund um nachhaltige Planung, Bau und Betrieb von Hotels. Rund 170 Teilnehmende aus Hotellerie, Planung, Beratung und Industrie nutzten die Premiere, um sich über Best Practices, Technologien und Strategien auszutauschen. Im Fokus standen dabei alle Phasen des Hotellebenszyklus – von Bau und Design über Betrieb bis hin zu Kreislaufwirtschaft und Recycling.

Vom Appell zur Umsetzung

Gleich zum Auftakt machte Daniel Scherz, Planer und Wissenschaftler mit Expertise für nachhaltiges Bauen und lebenswerte Städte, deutlich, wie groß der Handlungsdruck ist. „Wir dürfen nicht auf die Politik warten“, so sein Appell. Gerade der Gebäudesektor sei einer der größten Hebel für mehr Nachhaltigkeit – auch in der Hotellerie. Entscheidend seien klimaneutrale Energieversorgung, höhere Effizienz und ein intelligenterer Umgang mit Materialien. „Wir haben alles, um etwas zu tun – wir brauchen nur umsetzen.“ Gleichzeitig zeigte Scherz, dass nachhaltiges Bauen längst auch wirtschaftliche Chancen eröffnet – etwa durch neue Geschäftsmodelle in der Kreislaufwirtschaft. Gebäude müssen künftig so geplant werden, dass Materialien wiederverwendet, recycelt oder flexibel umgenutzt werden können – ein Ansatz, der gerade für Hotels mit sich wandelnden Nutzungskonzepten relevant sei, so Scherz weiter.

ID-Developers

ID-Developers ist ein Projektentwickler und Konzeptanbieter mit Fokus auf Hotel- und Hospitality-Immobilien. Das Unternehmen aus Weinheim wurde von Peter Joehnk (JOI-Design) und Dominik Tanner gegründet und entwickelt ganzheitliche Hotelprojekte – von der Idee über Design und Planung bis hin zur Positionierung am Markt.

Im Kontext der Green Hospitality Conference tritt ID-Developers als Initiator und Veranstalter auf, mit dem Anspruch, nachhaltige Ansätze in der Hotellerie stärker zu vernetzen und praxisnah sichtbar zu machen.

Diesen Gedanken griff Steffen Erath, Head of Innovation der Hansgrohe Group, auf und rückte Nachhaltigkeit konsequent in den Kontext von Innovation. Unternehmen seien „Problemlösungsmaschinen“, und die ökologischen Herausforderungen unserer Zeit lieferten die passenden Aufgaben. Für ihn ist klar: „Nachhaltigkeit ist der größte Innovationstreiber und Wachstumstreiber unserer Zeit.“ Statt regulatorischer Pflichtübungen brauche es einen Perspektivwechsel hin zur „planet centered innovation“. Lösungen müssten von Umweltproblemen ausgehen, gleichzeitig Nutzer begeistern und wirtschaftlich tragfähig sein. Gerade im Hotelkontext sieht Erath große Potenziale – etwa bei Wasser- und Energieeinsparung durch neue Technologien oder intelligente Nutzungskonzepte. Entscheidend sei dabei auch die Kommunikation: „Wir verkaufen Duschvergnügen“, so Erath – und nicht Verzicht.

Design als Schlüssel zur Nachhaltigkeit

Wie sich Nachhaltigkeit gestalterisch übersetzen lässt, zeigte Innenarchitektin Corinna Kretschmar-Joehnk, Mitgründerin des Hamburger Interior-Design-Büros JOI-Design. Anhand internationaler Beispiele und eigener Projekte machte sie deutlich, dass nachhaltiges Design weit über Materialfragen hinausgeht. „Wir müssen Lebensräume schaffen, die lebenswert sind, die inspirieren.“ Ein zentraler Ansatz ist dabei der Umgang mit dem Bestand: „Die Zukunft wird nicht mehr um Baukultur gehen, es wird mehr um Umbaukultur gehen.“ Projekte wie das Hotel „The Usual“ in Rotterdam zeigen, wie sich zirkuläre Materialien, Upcycling und Community-orientierte Raumkonzepte zu einem ganzheitlichen Gästeerlebnis verbinden lassen.

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    Im Panel „Nachhaltigkeit als Betriebssystem“ diskutierten (von links) Tina Froböse (Select Hotel Consulting), Peter Lagies (Novum Hospitality), Alexander Schöneich (Deutsche Pfandbriefbank) und Moderator Rolf Westermann, warum ESG-Kriterien zunehmend über Betrieb, Finanzierung und Wert von Hotelimmobilien entscheiden.
    © Isabella Kormann
    Im Panel „Nachhaltigkeit als Betriebssystem“ diskutierten (von links) Tina Froböse (Select Hotel Consulting), Peter Lagies (Novum Hospitality), Alexander Schöneich (Deutsche Pfandbriefbank) und Moderator Rolf Westermann (Hotel Inside), warum ESG-Kriterien zunehmend über Betrieb, Finanzierung und Wert von Hotelimmobilien entscheiden.
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    Keynote-Speaker Stephan Jung appellierte an die Branche: mehr Mut zu Veränderung und ein stärkerer Blick auf innovative Beispiele weltweit.
    © Isabella Kormann
    Keynote-Speaker Stephan Jung appellierte an die Branche: mehr Mut zu Veränderung und ein stärkerer Blick auf innovative Beispiele weltweit.
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    Nachhaltigkeitsplaner Daniel Scherz betonte die Schlüsselrolle des Gebäudesektors für den Klimaschutz – und rief die Branche dazu auf, endlich vom Reden ins Handeln zu kommen.
    © Brit Glocke
    Nachhaltigkeitsplaner Daniel Scherz betonte die Schlüsselrolle des Gebäudesektors für den Klimaschutz – und rief die Branche dazu auf, endlich vom Reden ins Handeln zu kommen.
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    Innenarchitektin Corinna Kretschmar-Joehnk zeigte, wie nachhaltiges Hoteldesign durch Materialwahl, Bestandsnutzung und inspirierende Räume erlebbar wird.
    © Brit Glocke
    Innenarchitektin Corinna Kretschmar-Joehnk zeigte, wie nachhaltiges Hoteldesign durch Materialwahl, Bestandsnutzung und inspirierende Räume erlebbar wird.
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    Gastro-Berater Björn Grimm machte deutlich: Nachhaltigkeit beginnt im Betrieb – vom Einkauf bis zum Umgang mit Food Waste – und ist vor allem eine Frage der Haltung.
    © Isabella Kormann
    Gastro-Berater Björn Grimm machte deutlich: Nachhaltigkeit beginnt im Betrieb – vom Einkauf bis zum Umgang mit Food Waste – und ist vor allem eine Frage der Haltung.

Am Nachmittag verlagerte sich der Fokus stärker auf den operativen Betrieb. Gastronomieberater Björn Grimm von Grimm Consulting stellte klar, dass Nachhaltigkeit kein Marketingthema ist, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit: „Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern eine betriebswirtschaftliche Realität.“ Besonders im Einkauf und beim Thema Food Waste sieht er große Hebel. Hotels und Restaurants hätten es selbst in der Hand, regionale Strukturen zu stärken und gleichzeitig Kosten zu senken. „Es geht nicht um Weltrettung, sondern um Verantwortung in unserem eigenen Wirkungsbereich.“ Entscheidend sei dabei die Haltung – vom Wareneingang bis zur Speisekarte.

Einen Blick in die Zukunft der Branche warf Stephan Jung, Vice President International Relations Europa und CEO von InoventiQ Asset Management. Seine Keynote zeigte, wie stark sich die Erwartungen von Gästen verändern und welche Rolle Nachhaltigkeit dabei spielt. Hotels würden zunehmend zu Orten, an denen ökologische Verantwortung erlebbar wird. Idealerweise, so Jung, „geht der Gast als ein anderer Mensch aus dem Hotel heraus, als er hineingekommen ist“. Beispiele aus aller Welt – von energieautarken Hotels bis hin zu partizipativen Konzepten – zeigen, dass viele Lösungen bereits existieren. Wichtig sei, Gäste aktiv einzubinden: „Man muss Gäste zu Beteiligten machen – und nicht zu Betroffenen.“

Gebäude und Betrieb neu gedacht: Nachhaltigkeit in der Praxis

Wie diese Transformation technisch umgesetzt werden kann, diskutierten Experten im Panel zur Gebäudetechnologie. Im Zentrum standen vernetzte Systeme, Grauwasserrecycling und datenbasierte Steuerung. Der digitale Zwilling könne dabei helfen, Energieflüsse und Prozesse im Hotel ganzheitlich zu optimieren. Entscheidend sei jedoch, dass der Gast davon nichts als Einschränkung oder „Handicap“ wahrnehme, betonte Thomas Bleistein, Head of Data Science & Digital Twin(s) Cluster am August-Wilhelm Scheer Institut. Gleichzeitig wurde deutlich, dass viele Herausforderungen im Bestand liegen, wo Systeme oft nicht miteinander kommunizieren. Die Zukunft liegt daher im intelligenten Zusammenspiel vorhandener Technologien.

Dass Nachhaltigkeit längst zum wirtschaftlichen Faktor geworden ist, zeigte das abschließende Panel „Nachhaltigkeit als Betriebssystem“. Betreiber, Berater und Finanzierer waren sich einig: Nachhaltige Hotels sind nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern zunehmend Voraussetzung für Finanzierung und Vermarktbarkeit. Hotelimmobilienexpertin Tina Froböse von Select Hotel Consulting betonte, dass Nachhaltigkeit eng mit der langfristigen Betriebsfähigkeit von Hotels verknüpft sei – Häuser müssten sich kontinuierlich an veränderte Rahmenbedingungen anpassen. Peter Lagies, Corporate Director of Asset Management and Facility bei Novum Hospitality, unterstrich die Bedeutung des Zusammenspiels von Betreiber und Eigentümer und machte deutlich, dass nicht nachhaltige Immobilien künftig „nicht mehr vermarktbar sein“ könnten. „Nachhaltigkeit ist unausweichlich“, konstatierte Alexander Schöneich, Hotelexperte bei der Deutschen Pfandbriefbank. ESG-Kriterien beeinflussen bereits heute Kreditkonditionen und Immobilienwerte – und werden künftig weiter an Bedeutung gewinnen.

Fazit: Viele Lösungen sind da – jetzt zählt die Umsetzung

Die Premiere der Green Hospitality Conference machte damit vor allem eines deutlich: Nachhaltigkeit ist in der Hotellerie kein Nischenthema mehr, sondern entwickelt sich zum integralen Bestandteil von Planung, Betrieb und Markenstrategie. Viele Lösungen sind vorhanden – jetzt geht es darum, sie konsequent umzusetzen. Oder, wie es mehrere Speaker übereinstimmend formulierten: einfach anfangen.