Industrietalk „Klare Preise, einfache Abrechnung“

Frank Leyser (links) und Bernd Eberlein sind Geschäftsführer des Fega & Schmitt Elektrogroßhandels.
Frank Leyser (links) und Bernd Eberlein sind Geschäftsführer des Fega & Schmitt Elektrogroßhandels. © Fega & Schmitt

Eine Ladeinfrastruktur wird für Hotels zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Bernd Eberlein und Frank Leyser von Fega & Schmitt erläutern, wie sich E-Ladelösungen wirtschaftlich planen und transparent abrechnen lassen.

HOTEL+TECHNIK: Wie stark beeinflusst eine Ladeinfrastruktur die Wettbewerbsfähigkeit?

Frank Leyser und Bernd Eberlein: Eine zeitgemäße Ladeinfrastruktur ist längst kein Zusatzangebot mehr, sondern ein relevanter Wettbewerbsfaktor. Immer mehr Gäste reisen elektrisch an und wünschen sich eine komfortable und zuverlässige Lademöglichkeit am Hotel. Besonders wirtschaftlich ist die Einbindung in ein integriertes Energiekonzept mit Photovoltaik und Stromspeicher, um den Eigenverbrauch zu erhöhen, den Netzbezug zu reduzieren und die Energiekosten langfristig zu stabilisieren.

Wie wichtig ist eine transparente Abrechnung für E-Ladeangebote?

Die Akzeptanz eines Ladeangebots hängt maßgeblich von der Abrechnung ab. Gäste erwarten einfache, transparente Prozesse mit klaren Preisen und ohne versteckte Kosten. Ein individuell programmiertes Abrechnungssystem reduziert den Erklärungsaufwand an der Rezeption, minimiert Rückfragen und erhöht die Nutzung der Ladepunkte. Eine nachvollziehbare und faire Abrechnung schafft Vertrauen und macht das Laden am Hotel zur Selbstverständlichkeit.

Wie lassen sich Ladeinfrastruktur und Abrechnung wirtschaftlich sinnvoll in Neubau- und Umbauprojekte integrieren?

Das größte wirtschaftliche Potenzial liegt in der frühzeitigen, ganzheitlichen Planung. Werden Ladeinfrastruktur, intelligentes Lastmanagement, PV-Anlage und Stromspeicher von Beginn an gemeinsam gedacht, lassen sich Investitions- und Betriebskosten erheblich optimieren.

Hotelinhaber können dann von geringeren Netzanschlusskosten profitieren, Lastspitzen vermeiden und den selbst erzeugten Strom nutzen. Skalierbare Systeme ermöglichen es zudem, die Anzahl der Ladepunkte schrittweise an die Nachfrage seitens der Gäste anzupassen und teure Nachrüstungen zu vermeiden. Über Anbieter von flexiblen Plug-and-Play-Systemen, wie beispielsweise „Pro.mobility“, läuft die eichrechtskonforme Abrechnung automatisiert und wächst anforderungs­spezifisch mit.

Zu den Personen

Frank Leyser und Bernd Eberlein sind Geschäftsführer des Fega & Schmitt Elektrogroßhandels. Das Unternehmen begleitet Handwerk, Industrie und Facility Management unter anderem bei Projekten in den Bereichen Gebäudetechnik, erneuerbare Energien und E-Mobilität.

Was bietet ein Payment-Terminal im Hotel?

Ein Payment-Terminal ermöglicht Hotelgästen, den Ladevorgang per EC- oder Kreditkarte zu starten und zu bezahlen, ohne App, Registrierung oder Ladevertrag. Die einfache, spontane Nutzung entlastet das Hotelpersonal und erhöht den Gästekomfort, insbesondere bei Kurzaufenthalten und Geschäftsreisen. Digitale Ladequittungen per QR-Code und der bewusste Verzicht auf eine Blockiergebühr können zusätzliche Servicevorteile schaffen.

Warum ist die Möglichkeit einer eigenständigen Preisgestaltung ein entscheidender Faktor bei der Wahl des Ladesystems?

Kein Hotel gleicht dem anderen. Eine flexible Preisgestaltung ermöglicht es Hotelinhabern, Ladepreise individuell an den eigenen Strommix anzupassen, etwa günstiger bei hohem PV-Ertrag oder gezielt als inkludierte Serviceleistung für bestimmte Gästegruppen. Diese Freiheit schafft wirtschaftlichen Spielraum. Ladeinfrastruktur wird nicht zur starren Kostenstelle, sondern zu einem steuerbaren Instrument, das Erträge generieren oder bewusst als Mehrwert eingesetzt werden kann.

Welche Rolle spielt eine flexible Blockiergebühr für die Auslastung von Ladepunkten?

Eine Blockiergebühr fällt an, wenn ein Fahrzeug nach Ablauf der festgelegten Höchstparkdauer von meist bis zu vier Stunden weiterhin den Ladepunkt belegt. Für Hoteliers kann eine Blockiergebühr jedoch unter Umständen von Nachteil sein, da jeder Hotelgast eine individuelle Aufenthaltsdauer hat und eine pauschale Überziehungsgebühr sich nachteilig auf die Kostenstruktur des Gastes auswirken kann. Daher sollten Hotelinhaber situativ entscheiden können, ob eine Blockiergebühr an den Ladepunkten ihrer Häuser greift. Insbesondere im Rahmen des praktischen Einsatzes eines Payment-Terminals entscheiden sich ­viele Betreiber bewusst dafür, auf eine Blockiergebühr zu verzichten, um sowohl dem Servicegedanken als auch dem Gästekomfort absoluten Vorrang zu geben.

Wie entlasten integrierte Payment- und ­Abrechnungslösungen den Betrieb?

Integrierte Systeme automatisieren den gesamten Prozess vom Ladevorgang bis zur eichrechtskonformen Abrechnung. Manuelle Nacharbeit und Insellösungen entfallen, Fehlerquellen werden reduziert. Alle Ladevorgänge werden zentral und revisionssicher erfasst, unabhängig von Tarifmodell, Energiequelle oder Zahlungsart.

Wie notwendig ist eine Anbindung von Lade- und Payment-Systemen an die Hotel-IT wie das PMS?

Generell ist eine direkte Anbindung an die jeweilige Hotel-IT nicht erforderlich und oft auch nicht sinnvoll. Der Abrechnungsprozess kann vollständig über den Anbieter laufen, sodass Hoteliers die vereinbarte monatliche Vergütung automatisiert und ohne eigenen Aufwand erhalten. Dadurch entfallen IT-Integrationskosten, die Bindung zusätzlicher Personalressourcen sowie die Erstellung eigener Rechnungen. Über ein zentrales Dashboard behält das Management dennoch den Status der Ladestationen und die wirtschaftliche Performance im Blick, während Monitoring und Fehlerbehebung ausgelagert sind.