Künstliche Intelligenz Wenn KI schneller wächst als die IT‑Sicherheit

Mehr KI, mehr Risiko: Unternehmen unterschätzen ihre Sicherheitslücken.
Mehr KI, mehr Risiko: Unternehmen unterschätzen ihre Sicherheitslücken. © AdobeStock.com/Hongwei

Unternehmen in der DACH‑Region treiben den Einsatz von Künstlicher Intelligenz voran – modernisieren ihre Sicherheitsarchitektur aber oft nicht im gleichen Tempo.

Viele Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz integrieren KI schneller in ihre IT‑Infrastruktur, als sie ihre Sicherheitsarchitektur anpassen. Das zeigt der „Global Security Research Report“ des IT‑Sicherheitsanbieters Fastly.

Besonders betroffen seien dabei sogenannte AI‑First‑Unternehmen – also Betriebe, die KI von Beginn an in zentrale Geschäftsprozesse und Angebote einbauen. Bei ihnen dauert die Wiederherstellung nach einem Cyber‑Security‑Vorfall laut Studie im Schnitt 123 Tage länger als bei Unternehmen ohne diesen Ansatz.

Auch finanziell seien die Folgen größer. Die Kosten eines Sicherheitsvorfalls liegen bei AI‑First‑Organisationen 140,5 Prozent höher als bei Unternehmen, die KI nur ergänzend einsetzen. Ursache sind laut Fastly sowohl längere Ausfallzeiten als auch eine höhere Zahl KI‑spezifischer Angriffe.

Neue Sicherheitslücken

Fast die Hälfte der befragten AI‑First‑Organisationen in der DACH‑Region (49 Prozent) berichtet, dass KI beim jüngsten Sicherheitsvorfall direkt ausgenutzt wurde. Bei Unternehmen ohne AI‑First‑Strategie lag dieser Anteil bei null Prozent. KI‑native Systeme erweitern damit die potenzielle Angriffsfläche deutlich.

Hinzu kämen neue Sicherheitslücken. 27 Prozent der AI‑First‑Unternehmen geben an, dass der Einsatz von KI zu übersehenen Schwachstellen beigetragen hat, die einen Sicherheitsvorfall begünstigten. Bei Unternehmen ohne AI‑First‑Ansatz liegt dieser Wert bei 21 Prozent. Je stärker KI in operative Abläufe eingebunden wird, desto schwieriger werde die Nachvollziehbarkeit für IT‑Teams.

„Die Geschwindigkeit, mit der KI eingeführt wird, verändert Sicherheitsinfrastrukturen nahezu über Nacht“, sagt Marshall Erwin, Chief Information Security Officer (CISO) bei Fastly. Unternehmen müssten Innovation und Sicherheit deshalb parallel vorantreiben, insbesondere beim Schutz von KI‑ und Inferenz‑Infrastrukturen.

Infrastrukturkosten steigen durch KI-Aktivitäten

Auch wirtschaftlich zeige sich der Effekt: KI‑Scraping, also das automatisierte Auslesen und Sammeln von Daten durch KI‑Systeme aus Websites, Datenbanken oder Online‑Diensten, entwickelt sich laut der Studie für viele Unternehmen zu einem Kostenfaktor. Mehr als die Hälfte der Organisationen (57 Prozent) berichtet von entsprechenden Belastungen. Die durchschnittlichen jährlichen Infrastrukturkosten liegen dabei bei mehr als 372.000 Euro. Zudem geben 37 Prozent der Befragten an, dass ihre Infrastrukturkosten durch KI‑Aktivitäten insgesamt steigen würden. red/nz