Analyse Reisetrends: So machen die Deutschen 2026 Urlaub

Das Nummer 1 Ziel der deutschen ist im Sommer 2026 die Türkei.
Das Nummer 1 Ziel der deutschen ist im Sommer 2026 die Türkei. © saiko3p - stock.adobe.com

Die Deutschen bleiben auch in diesem Jahr reisefreudig. Welche Ziele hoch im Kurs stehen – und bei welchen die Nachfrage sinkt.

Die Bundesbürger haben sich für ihren Sommerurlaub 2026 offenbar noch früher entschieden als in den vergangenen Jahren. Laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) wurde ein Großteil der Reisen bereits im zurückliegenden Halbjahr gebucht. Die Auswertungen basieren auf Buchungsdaten von Reisebüros und Online-Reiseportalen zum Stand Ende Januar, erhoben von Travel Data + Analytics (TDA) im Auftrag des DRV.

Das Ergebnis: Die Sommersaison 2026 weist gegenüber dem Vorjahr sieben Prozent höhere Umsätze und vier Prozent mehr Reisende auf. Dass die Buchungseingänge im Januar selbst etwas unter dem Vorjahreswert lagen, erklärt der Verband mit dem Vorzieheffekt der Frühbucher.

Mittelmeer dominiert – Türkei ist beliebtestes Sommerziel

An der Spitze der beliebtesten Flugreiseziele für den Sommer steht laut den TDA-Daten die Türkei – sowohl gemessen am Umsatz als auch an der Zahl der gebuchten Reisen. Dicht dahinter folgen Spanien und Griechenland. Die weiteren Plätze im Top-10-Ranking belegen Ägypten, Italien, Portugal, Tunesien, die Malediven, Bulgarien und Mauritius.

Die Mittelmeer-Destinationen verzeichnen dabei durchweg Umsatzzuwächse: Für die Türkei liegen diese bei zwölf Prozent, für Griechenland bei acht Prozent und für Spanien bei fünf Prozent. Besonders stark legen laut DRV Ägypten mit einem Plus von 18 Prozent und Italien mit 17 Prozent zu. Auch Bulgarien halte sein starkes Vorjahreswachstum.

Pauschalreise und Kreuzfahrt legen kräftig zu

DRV-Präsident Albin Loidl sieht in den Zahlen einen klaren Trend: „Gerade in unsicheren Zeiten setzen die Deutschen bei ihrer Urlaubsplanung auf Verlässlichkeit und Sicherheit.“ Die Flugpauschalreise verzeichne mit einem Umsatzplus von 14 Prozent und zwöf Prozent mehr Gästen eine besonders starke Nachfrage.

Auch der Urlaub auf dem Wasser bleibe gefragt: Kreuzfahrten legten beim Umsatz um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahressommer zu und trügen damit laut dem DRV-Präsidenten „maßgeblich zum Wachstum bei“.

USA stürzen im Ranking ab

Bei den Fernreisen, die insgesamt neun Prozent des Sommer-Gesamtumsatzes ausmachen, zeigt sich ein gespaltenes Bild. In östlicher Richtung wächst die Nachfrage deutlich: Die Malediven und Mauritius legen jeweils um 27 Prozent beim Umsatz zu, Thailand um drei Prozent. In westlicher Richtung hingegen gehen Buchungen und Umsätze zurück – das betrifft die Karibik ebenso wie Ziele in Mittel- und Südamerika.

Besonders auffällig ist laut DRV die Entwicklung bei den USA. Die Momentaufnahme zum Buchungsstand Ende Januar zeigt für den Sommer: Sowohl die Vorausbuchungsumsätze als auch die Zahl der gebuchten Personen liegen prozentual zweistellig unter dem Vorjahr. Im Gesamtranking aller Reiseziele rutschten die USA von Platz acht auf Platz 14 ab.

Dabei seien Flugpauschalreisen weniger stark vom Rückgang betroffen als individuell zusammengestellte Reisebausteine. „Trotz der aktuellen Buchungszurückhaltung bleiben die USA gemessen an der absoluten Urlauberzahl weiterhin das meistgebuchte Fernreiseziel für den Sommer“, betont Loidl. Kein anderes Fernreiseziel erreiche ein vergleichbares Buchungsvolumen.

Die Gründe für die Buchungszurückhaltung sind vielschichtig: Eine exklusiv für den DRV Anfang Februar repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren durchgeführte Umfrage des Marktforschungsunternehmens YouGov zeigt, dass sowohl wirtschaftliche als auch politische Faktoren und organisatorische Hürden die Reiseentscheidung maßgeblich beeinflussen. Rund die Hälfte aller Befragten nannten politische und gesellschaftliche Entwicklungen als Grund für die derzeitige Buchungszurückhaltung. 37 Prozent der mehr als 2.000 Befragten gaben an, sich eine USA-Reise derzeit nicht leisten zu können. Für 31 Prozent stellen zudem die Einreisebestimmungen und der organisatorische Aufwand – etwa rund um ESTA – ein Hemmnis dar. 15 Prozent gaben an, dass die USA sie als Reiseziel nicht interessieren oder andere Reisepläne Vorrang haben.

Trotz der guten Zuwächse in Richtung Asien schmälert die Buchungszurückhaltung gegenüber den USA das Gesamtergebnis der Fernreisen: Für den Sommer stehen diese laut TDA-Daten bei einem leichten Umsatzminus von einem Prozent und einem Rückgang der Urlauberzahl um vier Prozent.

Laufende Wintersaison auf positivem Kurs

Auch die aktuelle Wintersaison, die von Anfang November 2025 bis Ende April 2026 läuft, entwickelt sich laut DRV positiv. Zur Halbzeit liegt der Umsatzzuwachs gegenüber dem Vorjahreswinter bei vier Prozent, die Zahl der Winterurlauber stieg um zwei Prozent. Der Verband rechnet mit einem positiven Saisonabschluss. red/sar