Messe ITB Berlin 2026: KI, Krisen und 47 Milliarden Euro

Die ITB Berlin zog dieses Jahr rund 97.000 Besucher an.
Die ITB Berlin zog dieses Jahr rund 97.000 Besucher an. © Messe Berlin GmbH

Die internationale Tourismusmesse feierte dieses Jahr ihr 60-jähriges Jubiläum. Im Fokus standen gegenseitiger Austausch, technische Innovationen und die Frage, wie man sich gegen multiple Krisen wappnet.

Zum 60. Geburtstag der ITB Berlin zählte der Veranstalter rund 97.000 Fachbesucher – nahezu so viele wie im Vorjahr, trotz eingeschränkter Flugverbindungen infolge des Nahost-Konflikts. 5.601 Aussteller aus 166 Ländern waren an den drei Messetagen vertreten. Laut Messe Berlin wurden Geschäftsabschlüsse und Einkaufsentscheidungen im Umfang von 47 Milliarden Euro getätigt, die unmittelbar mit der Messeteilnahme zusammenhingen.

Geopolitische Spannungen als Hintergrund

Die diesjährige Ausgabe fand vor dem Hintergrund anhaltender geopolitischer Unsicherheiten statt. Insbesondere die Lage im Nahen Osten wirkte sich auf die Reiseinfrastruktur aus und schränkte Flugverbindungen teilweise ein.

Dass die Besucherzahlen dennoch kaum zurückgingen, wertet der Veranstalter als Zeichen für die Relevanz persönlicher Begegnungen in der Branche. Mario Tobias, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin, betonte: „Auch in ihrem Jubiläumsjahr brachte die ITB Berlin Märkte zusammen, ermöglichte Gespräche über gemeinsame Perspektiven und zeigte gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen ihre Bedeutung für internationalen Austausch und Zusammenarbeit.“ Die Messe habe einen Rahmen geboten, in dem Kontakte geknüpft, Ideen ausgetauscht und Geschäfte angestoßen werden konnten, so Tobias.

Kongress widmete sich der „Polykrise“

Der ITB Berlin Kongress zog mehr als 24.000 Besucher an. Unter dem Motto „Leading Tourism into Balance“ sprachen mehr als 400 Referenten in 200 Sessions und 17 Thementracks. Im Mittelpunkt standen dabei die Herausforderungen einer zunehmend fragmentierten Welt: Geopolitische Spannungen, Klimarisiken und wirtschaftliche Unsicherheiten wurden unter dem Schlagwort „Polykrise“ diskutiert. Auch Themen wie Künstliche Intelligenz, nachhaltiges Wachstum, Resilienz und Krisenvorsorge standen im Fokus.

Zudem wurden strukturelle Verschiebungen analysiert: Dazu gehörten die wachsende Kluft zwischen Premium- und Massenmarkt, der Umgang mit Overtourism durch neue Formen des Destinationsmanagements sowie die zunehmende Rolle von Vertrauen in der Kommunikation mit Reisenden. Am Beispiel der Ukraine wurde zudem erörtert, welche Rolle der Tourismus als Faktor für Stabilisierung und Wiederaufbau in Krisenregionen spielen kann.

Tourismusminister berieten über nachhaltige Entwicklung

Ein weiterer Programmpunkt war der UN Ministers' Summit am 2. März im City Cube Berlin. Dabei kamen rund 20 Tourismusministerinnen und -minister in einem geschlossenen Format zusammen, um gemeinsam mit weiteren Entscheidungsträgern über nachhaltiges Wachstum, Governance, Fachkräfteentwicklung und soziale Verantwortung zu beraten. Diese Themen gelten als zentrale Faktoren für einen widerstandsfähigen und zukunftsfähigen Tourismussektor. Die Veranstaltung sollte verdeutlichen, dass Tourismus über wirtschaftliche Aspekte hinauswirkt – als Brücke zwischen Kulturen und als Beitrag zu Stabilität in schwierigen Zeiten.

Strategische Weichen für die nächsten 20 Jahre

Beim Leadership Exchange von Phocuswright und ITB Berlin diskutierten internationale Branchenführer zentrale Zukunftsfragen der globalen Reiseindustrie. In einem geschlossenen, interaktiven Format standen nicht kurzfristige Trends, sondern langfristige strategische Weichenstellungen im Fokus: Wer besitzt Vertrauen in 2046? Wo entsteht Wert in einer KI-geprägten Branche? Ist Reisen ein Recht oder ein Privileg? Konsolidiert oder fragmentiert sich die Branche? In Arbeitsgruppen beleuchteten die Teilnehmenden Chancen, Risiken und Prioritäten für die kommenden drei Jahre.

Das Event knüpfte an den Global Travel Tech Thinktank in Singapur an und bot einen geschützten Raum für strategisches Denken, um eine innovative, resiliente und verantwortungsvolle Reiseindustrie für die nächsten zwei Jahrzehnte zu gestalten. Eine kuratierte Ergebniszusammenfassung soll Ende März erscheinen.

ITB Berlin 2027 mit neuem Termin

Für die kommende Ausgabe hat die Messe Berlin eine einmalige Terminverschiebung angekündigt: Die ITB Berlin 2027 soll vom 16. bis 18. März 2027 stattfinden. Damit will der Veranstalter muslimischen Ausstellern und Besuchern ermöglichen, zunächst das Zuckerfest zum Ende des Ramadans zu feiern und anschließend ohne Einschränkungen an der Messe teilzunehmen. Das neue Gastland steht mit den Malediven ebenfalls bereits fest. red/sar