Gartengestaltung „Wichtig ist eine kontinuierliche Blüte“

Marlene Schmid leitet das Unternehmen Gartensilber zusammen mit Nicolai Ehrhart.
Marlene Schmid leitet das Unternehmen Gartensilber zusammen mit Nicolai Ehrhart. © Gartensilber

Marlene Schmid bringt mit ihrer Firma Gartensilber Hotelterrassen zum Blühen. Im Interview spricht die Expertin über Biodiversität, Bodenbeläge und Möbeltrends.

Hotel+Technik: Frau Schmid, Sie planen seit mehr als 20 Jahren Hotelgärten und -terrassen. Welche Entwicklungen prägen den Outdoor-Bereich?

Marlene Schmid: Für Hotels ist die spannendste Entwicklung die Kombination aus Pflanzen, Sicht- und Windschutz sowie Sitzgelegenheiten. Solche grünen Inseln gliedern Terrassen besser und machen selbst kleine Flächen nutzbar. Nur Tische und Stühle auf gepflastertem Boden wirken heute eintönig. Diffuser Schatten unter Bäumen ist ideal, aber auch abgestufte Kombinationen von Pflanzungen und Schirmen funktionieren hervorragend. Wasserspiele sorgen zusätzlich für Atmosphäre, wenn sie geschickt platziert werden.

Welche Möbel und Materialien fragen Hoteliers derzeit besonders häufig nach?

Die Farbpalette wird wieder heller und lebendiger. Anthrazit und dunkles Polyrattan verlieren an Bedeutung. Stattdessen setzen Designer auf Outdoorpolster in warmen Tönen, wasserfeste Stoffe, Gestelle in Sand-, Gold- oder Kupfertönen. Rundere Formen ersetzen die strenge Geometrie: Möbel und Gefäße sollen heimelig wirken. Auch organisch geformte Pflanzgefäße – etwa eiförmig – liegen im Trend. Ein stimmiger Außenbereich verlängert die Aufenthaltsdauer der Gäste und steigert damit den Umsatz. Selbst Budgethotels investieren in hochwertige, nachhaltige Möbel.

Möbel sind wichtig, aber genauso entscheidend sind die passenden Pflanzen. Welche setzen Sie in der Hotellerie am liebsten ein?

Stauden sind meine erste Wahl: Sie blühen üppig, fördern Biodiversität, sind pflegeleicht und brauchen wenig Wasser. Grundsätzlich bevorzuge ich heimische Pflanzen, da sie weniger anfällig für Schädlinge sind. Wichtig ist ein kontinuierlicher Blühaspekt: Es bringt nichts, wenn im Frühjahr alles blüht und im Sommer nur noch Stängel übrig bleiben.

Welche strategischen Überlegungen stehen am Anfang eines Projekts?

Der erste Vor-Ort-Termin ist entscheidend: Wünsche des Auftraggebers, Lage, Umgebung und Gästestruktur fließen ein. Bei Restaurants schaue ich gern zuerst auf die Speisekarte, sie verrät viel über Stil und Zielgruppe. Danach lasse ich die Eindrücke ein paar Tage wirken, bevor die Ideen konkret werden.

Kleine Oase: Auch Stadthotels wie das Andaz München bieten ihren Gästen üppig bepflanzte Außenbereiche.
Kleine Oase: Auch Stadthotels wie das Andaz München bieten ihren Gästen üppig bepflanzte Außenbereiche. - © Gartensilber

Wie beeinflussen Wetterextreme Ihre Arbeit?

Hitze bewältigen wir mit Bewässerungssystemen; viel Grün nimmt spürbar Wärme von der Terrasse. Wasserspiele wirken psychologisch kühlend, natürliche Schatten sind unverzichtbar. Auch Starkregen ist beherrschbar, solange Töpfe entwässern und keine Staunässe entsteht. Schlimmer sind Stürme: Schirme müssen schnell geschlossen werden, Dachterrassen brauchen extra Standfestigkeit. Ein leichtes Gefälle auf Terrassen hilft, dass Wasser abfließt. Möbel und Gefäße stellen wir auf kleine Füße – fünf Millimeter reichen, damit alles trocken bleibt.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Stadthotels und Resorts?

Stadthotels nutzen Terrassen meist zum Frühstück und abends für den Barbetrieb. Die Ausrichtung ist entscheidend: Südost-Terrassen sind morgens optimal. Die Möblierung muss freie Wege lassen. Gäste sollen nicht um Pflanztöpfe herumlaufen. Resorts brauchen ganztägig nutzbare Außenbereiche, hier sind kleine Nischen, dezente Abtrennungen, viel Blüte und Wasserspiele empfehlenswert.

Ein Trend ist ja, dass Innen- und Außenbereiche fließend ineinander übergehen ...

Genau, innen und außen bilden zunehmend eine Einheit. Das Farb- und Formkonzept in den öffentlichen Innenbereichen sollte draußen wieder aufgenommen werden. Natürlich darf man auf der Terrasse etwas freier interpretieren, aber es muss harmonisch wirken und zum Gesamtbild passen. Gradlinige Aluminiumgefäße passen sich zum Beispiel leicht an bestimmte Farben und Formen an.

Bei der Terrassengestaltung geht es ja nicht nur um Ästhetik. Was sollten Hoteliers bei der Wahl des richtigen Bodenbelags beachten?

Naturstein oder Betonplatten sind im Hotelbetrieb am zuverlässigsten. Holzterrassen werden bei Regen rutschig, WPC ist im Alltag zu empfindlich. Steinoptiken sind langlebiger und leichter zu pflegen. Tipp: Eine fachgerechte Versiegelung schützt den Stein, und selbst Blattflecken lassen sich mit Zitronensäure entfernen, ohne Schaden zu hinterlassen.

Lieber groß- oder kleinformatige Fliesen?

Das hängt vom Gebäude und Gesamtkonzept ab. Große Formate wirken ruhiger und sind angenehmer zu begehen – auch für Mitarbeitende. Kies dagegen ist unbequem und nicht so nutzerfreundlich.

Welche Rolle spielt moderne Technik bei der Nutzung von Außenbereichen?

Eine große, wenn sie unsichtbar bleibt. Moderne Bewässerungssysteme arbeiten effizient ohne sichtbare Leitungen und dosieren Wasser und Dünger je nach Pflanze. Die Beleuchtung wiederum ist entscheidend für die Atmosphäre: LEDs zwischen den Pflanzen erzeugen stimmungsvolle Schatten, während integrierte Leuchten in Schirmen oder Markisen den Raum sanft ausleuchten. Auch tragbare Akku-Leuchten sorgen für ein gemütliches Ambiente.

Zur Person

Marlene Schmid gründete im Jahr 2005 zusammen mit Egon Schmid die Firma Gartensilber. Seit 2025 führt sie das Unternehmen zusammen mit Nachfolger Nicolai Ehrharts.