Beim VSR-Wettbewerb „Table Art – Tables of Tomorrow“ wurde die Tischkultur zur Bühne für Nachhaltigkeit, Storytelling und Design. Vom 7. bis 11. Februar 2026 präsentierten acht Teams auf der Intergastra in Stuttgart ihre Visionen vom gedeckten Tisch der Zukunft – mit einem Siegertrio aus Calw an der Spitze und einem Publikumsliebling vom Burghotel Staufeneck.
Wenn in der Gastronomie von Wettbewerben die Rede ist, stehen häufig die Küchenleistungen im Mittelpunkt. Dass exzellenter Service und kreative Tischkultur ebenso preiswürdig sind, zeigte einmal mehr der Wettbewerb „Table Art – Tables of Tomorrow“ des Verbands der Servicefachkräfte, Restaurant- und Hotelmeister (VSR). Im Rahmen der Intergastra 2026 verwandelte er die Messe vom 7. bis 11. Februar in ein Schaufenster zukunftsweisender Tischinszenierungen.
Bühne für die Tischkultur von morgen
Unter dem Motto „Zukunft serviert – wo visionäres Design auf die Kunst der Tischinszenierung trifft“ waren Gastronomen, Hoteliers, Auszubildende und Fachschulen aufgerufen, ihre Ideen zu nachhaltigem Dining Design, Markenerlebnis, digitaler Innovation und emotionaler Inszenierung zu präsentieren.
Insgesamt acht Wettbewerbs-Teams gestalteten auf einer Fläche von maximal zwei mal zwei Metern einen runden Tisch für sechs Personen – inklusive verpflichtendem Storytelling. Die jeweilige Geschichte musste per QR-Code für Besucher zugänglich sein und Inspiration, Botschaft und konzeptionellen Hintergrund der Inszenierung erläutern.
Der Wettbewerb startete am Samstagmorgen mit dem Eindecken unter den Augen von Jury und Messepublikum. Innerhalb von 90 Minuten entstanden acht individuelle „Tische der Zukunft“, die anschließend in einer zweiminütigen Präsentation vor der VSR-Jury verteidigt werden mussten. Bewertet wurde nach klar definierten Kriterien: Nachhaltigkeit und Verantwortung, gestalterische Qualität, Konzept & Storytelling, Innovationsgrad sowie Erlebnisfaktor.
Die Jury bildeten Reinhold Böhme (1. Vizepräsident VSR), Heidi Löhner (VSR Region Lindau-Allgäu) und Martin Helmrich-Knabe. Nach der Bewertung blieben die Tische über die gesamte Messelaufzeit ausgestellt. Besucher konnten zudem per QR-Code für ihren Favoriten abstimmen.
1. Platz: Planet Zukunft aus Calw
Den ersten Platz sicherte sich die Johann-Georg-Doertenbach-Schule in Calw mit den Teilnehmern Edriss Baragaoui (Atlantic Hotel Heidelberg), Birgül Kececi (NaturKulturHotel Strumpf Neunkirchen) und Leon Stix (Cocktailcafé Regie Heidelberg).
Ihr Konzept „One Planet, one Table“ dachte Nachhaltigkeit konsequent weiter. Im gastronomischen Kontext werde diese häufig auf Materialfragen reduziert, so Leon Stix bei der Jurypräsentation, – doch echte Nachhaltigkeit entstehe im Miteinander.
Der runde Tisch stand daher symbolisch für den Planeten: begrenzt, geteilt, gemeinsam genutzt. Sechs Gäste, sieben Bereiche, sechs Perspektiven – und ein gemeinsamer Mittelpunkt. Jeder Platz repräsentierte ein grundlegendes Prinzip im Umgang mit Ressourcen, etwa Bewahren, Transformieren, Wachsen oder Koexistenz.
Zentrales Element war der Perspektivwechsel: Nach jedem Gang wechseln hier die Gäste im Uhrzeigersinn den Platz. Nachhaltigkeit soll damit nicht nur erklärt, sondern körperlich erfahrbar gemacht werden. Erst nachdem alle Positionen durchlaufen waren, öffnet sich symbolisch die Tischmitte – das finale Gericht wird geteilt.
Das konsequent durchdachte Storytelling überzeugte die Jury, so Marion Wenzel, Vize-Präsidentin des VSR, das erzählerische Konzept des Siegertisches sei „klasse“ gewesen.
Als Hauptpreis durfte sich das Gewinnerteam über einen Tisch im Festzelt der Fischer-Vroni auf dem Münchner Oktoberfest freuen.
2. Platz: „Eine Welt an einem Tisch“
Der zweite Platz ging an die Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe in Villingen-Schwenningen mit Cara Felizitas Krumpolt und Zoe Dana Hense.
Unter dem Titel „Eine Welt an einem Tisch“ entwickelten sie ein Konzept, das weit über eine rein ästhetische Gestaltung hinausging. „Wir wollen nicht einfach nur einen schönen Tisch decken, sondern eine Geschichte erzählen – eine Geschichte darüber, wie unterschiedlich Menschen sind und wie einfach man sie trotzdem zusammenbringen kann“, so der Ansatz.
Jeder der sechs Plätze stand symbolisch für einen eigenen Kontinent und war bewusst unterschiedlich gestaltet – mit variierenden Farben, Materialien und Formen. Die Individualität jedes Gedecks spiegelte die kulturelle Vielfalt der Welt wider. Im Zentrum des Tisches standen Gewürze als verbindendes Element: In allen Kulturen unverzichtbar, jedoch überall auf eigene Weise interpretiert und eingesetzt.
Mit dieser klaren Botschaft von Diversität, Gemeinschaft und kulinarischer Identität überzeugte das Team die Jury und sicherte sich Rang zwei.
3. Platz: Zukunft unter dem Zelt
Den dritten Platz belegte die Paul-Kerschensteiner-Schule,Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe in Bad Überkingen mit Tihana Kralj, Lucy Schuh und Duy Quang Nguyen.
Ihr „Tisch der Zukunft“ griff ökologische Herausforderungen drastisch auf: Ein Zelt überspannte die Tafel – Symbol für eine Zukunft mit schlechterer Luftqualität. Das Setting stand für Schutzraum und neue Formen des Genusses unter veränderten Umweltbedingungen. Ein mutiges, visuell prägnantes Statement.
Messebesucher küren ihren „Liebling“
Neben der Jury-Entscheidung spielte auch das Messepublikum eine zentrale Rolle. Rund 820 Besucherinnen und Besucher beteiligten sich an der Abstimmung, die während der gesamten Messedauer lief.
Der Publikumspreis ging an Illarion Waint vom Burghotel Staufeneck. Sein russisch akzentuierter Tisch für Familien- und Geburtstagsfeiern überzeugte durch emotionale Ansprache und atmosphärische Gestaltung. Als Auszeichnung erhielt er einen Gutschein für das Stuttgarter Frühlingsfest.
Die Teams des Wettbewerbs:
- Johann-Georg-Doertenbach-Schule, Calw (1. Platz)
Teilnehmer: Edriss Baragaoui (Atlantic Hotel Heidelberg), Birgül Kececi (NaturKulturHotel Strumpf Neunkirchen) und Leon Stix (Cocktailcafé Regie Heidelberg) - City Hotel Fortuna, Reutlingen
Teilnehmer: Reena Giri -Muza, Valeriia Sabadash (seit 2014 bereits die sechste Teilnahme am Wettbewerb) - Burghotel Staufeneck (Publikumspreis)
Teilnehmer: Illarion Waint - Landesberufsschule für Hotel- und Gaststättengewerbe, Tettnang
Teilnehmer: Cornelius Oberle (Berggasthof Höchsten, Illmensee), Valerie Semin (Romantik Hotel Kleber Post Bad Saulgau), Lidiia Gridasova (Fürstliches Golf Resort Bad Waldsee) - Berufliches Schulzentrum Georg Kerschensteiner, BS II, Regensburg
Teilnehmer: Tizian Pirzer (Romantik Hotel Hirschen, Parsberg), Finn Schulz - Paul-Kerschensteiner-Schule, Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe in Bad Überkingen (3. Platz)
Teilnehmer: mit Tihana Kralj, Lucy Schuh und Duy Quang Nguyen - Berufliche Schule B3, Nürnberg
Teilnehmer: Luca Scimia, Landhotel Weisses Ross, Illschwang - Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe, Villingen-Schwenningen (2. Platz)
Teilnehmer: Cara Felizitas Krumpolt und Zoe Dana Hense
Feierlicher Abschluss auf der Dehoga-Bühne
Die Preisverleihung des Wettbewerbs fand am letzten Messetag auf der Dehoga-Bühne in Halle 7 statt. Überreicht wurden die Auszeichnungen von Marion Wenzel, Vize-Präsidentin des VSR, und Hans-Ulrich Kauderer, Dehoga-Landesvorsitzender Baden-Württemberg.
Kauderer betonte die Bedeutung des Wettbewerbs für die Branche: In der Gastronomie stünden häufig Kochwettbewerbe im Fokus, doch es sei ebenso wichtig, die Serviceleistungen zu würdigen. Genau dafür biete „Table Art“ die passende Plattform.
Alle platzierten Teams wurden namentlich vorgestellt und erhielten Urkunden. Zusätzlich gab es für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer zwei Tischlampen von Duni sowie eine Flasche Sekt – eine wertschätzende Geste gegenüber dem Engagement des Branchennachwuchses.
Service als strategischer Erfolgsfaktor
Mit „Table Art – Tables of Tomorrow“ hat der VSR einmal mehr gezeigt, dass Tischkultur weit mehr ist als Dekoration. Sie ist Markenbotschaft, Erlebnisraum und Ausdruck unternehmerischer Haltung.
Die hohe Qualität der Beiträge und die knappen Juryentscheidungen unterstreichen: Die Zukunft der Gastronomie wird nicht nur gekocht – sie wird auch inszeniert. Tisch für Tisch.