Marktdaten Investitionswille hoch, Finanzierung knapp

Der Hotelinvestmentmarkt zeigt erste Erholungstendenzen. Mittelständische Betriebe kämpfen jedoch weiter mit Finanzierungshürden.
Der Hotelinvestmentmarkt zeigt erste Erholungstendenzen. Mittelständische Betriebe kämpfen jedoch weiter mit Finanzierungshürden. © AdobeStock.com/Lalaka

Viele Betriebe planen Modernisierung und Ausbau. Doch Banken und steigende Zinsen bremsen die Umsetzung, wie eine neue Umfrage belegt.

Viele mittelständische Hotelbetriebe wollen modernisieren, scheitern aber an der Finanzierung. Das zeigt eine Online-Umfrage unter rund 30 Entscheidern aus Hotellerie und Freizeitwirtschaft in Deutschland und Österreich. Befragt wurden Betriebe mit einem Jahresumsatz zwischen einer und zehn Millionen Euro. Durchgeführt wurde die Erhebung im November 2025 von der digitalen Finanzierungsplattform Conda, Incert eTourismus und dem Beratungsunternehmen Mrp Hotels.

Demnach hat mehr als jeder zweite Betrieb (53 Prozent) in den vergangenen zwei Jahren geplante Investitionen verschoben, weil keine passende Finanzierung verfügbar war. Als größte Hürden nannten die Befragten strengere Kreditvergaben durch Banken (56 Prozent), steigende Zinsen (46 Prozent) und aufwendige Förderprozesse (40 Prozent). Besonders betroffen seien Investitionen in Erweiterung, Modernisierung, Qualitätssteigerung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit – also in Bereiche, die für die Wettbewerbsfähigkeit von Hotels zunehmend entscheidend sind.

Problem: "Klassische Bankenlogik"

Ein zentrales Ergebnis der Umfrage ist die geringe Zufriedenheit mit klassischen Finanzierungsformen. Auf einer Skala von eins bis fünf liegt sie im Durchschnitt bei 2,6 Punkten. Rund 50 Prozent der Befragten äußerten Unzufriedenheit, lediglich 22 Prozent zeigten sich zufrieden. Genannt wurden vor allem mangelnde Flexibilität und fehlendes Verständnis für tourismusspezifische Geschäftsmodelle. Saisonale Umsätze, hohe Vorinvestitionen und lange Amortisationszeiträume passten oft nicht in standardisierte Bankbewertungen.

„Die klassische Bankenlogik orientiert sich stark an kontinuierlichen Cashflows und Sicherheiten“, erläutert Dirk Littig, Co-CEO der digitalen Finanzierungsplattform Conda. „Touristische Geschäftsmodelle funktionieren jedoch anders. Wenn diese Unterschiede nicht ausreichend berücksichtigt werden, können auch bei wirtschaftlich gesunden Betrieben Finanzierungslücken entstehen.“

Alternative Modelle gewinnen an Bedeutung

Alternative Finanzierungsformen wie Crowdinvesting, digitale Anleihen oder Genussscheine sind vielen Betrieben bekannt, werden laut der Befragung bislang aber nur vereinzelt genutzt. Dennoch rechnen 69 Prozent der Befragten damit, dass diese Modelle künftig an Bedeutung gewinnen. „Anpassungsfähigkeit wird für Hotelbetriebe zunehmend entscheidend“, sagt Martin Schaffer, Geschäftsführer von mrp hotels. „Steigende Finanzierungskosten erhöhen den Druck auf operative Margen – klassische Bankdarlehen werden immer häufiger durch hybride Modelle aus Bankdarlehen, Mezzanine-Kapital, Private Equity und Plattformlösungen ergänzt.“

Dort, wo alternative Finanzierungen bereits eingesetzt wurden, berichteten Betriebe neben dem schnellen Kapitalzugang auch von zusätzlichen Effekten: etwa von neuen Gästen und einer stärkeren Kundenbindung. Finanzierung werde damit nicht nur zur Liquiditätsfrage, sondern auch zu einem strategischen Instrument im Marketing und in der Gästebeziehung.

Gutscheine als unterschätzte Liquiditätsquelle

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage betrifft den Umgang mit hoteleigenen Gutscheinsystemen. Diese bieten zinsfreie Liquidität, da Verkauf und Einlösung zeitlich auseinanderfallen. Doch trotz ihrer weiten Verbreitung würden Gutscheine selten systematisch als Steuerungs- oder Liquiditätsinstrument genutzt. 70 Prozent der Betriebe wünschen sich detaillierte Kennzahlen zu Einlösequoten, Zusatzumsätzen und Breakage – also zum Anteil nicht eingelöster Gutscheine. Das deute auf wirtschaftliche Potenziale hin, die bislang ungenutzt blieben.

„Die Hotelbranche ist investitionsbereit, aber zunehmend finanzierungsgehemmt“, sagt Dirk Littig. „Wer Finanzierung, Investitionsplanung und Liquiditätssteuerung künftig breiter, datenbasierter und flexibler aufstellt, kann sich entscheidende Spielräume sichern.“

Zugleich zeige die Umfrage, dass Finanzierungsmodelle und Bewertungslogiken stärker an die Realität touristischer Geschäftsmodelle angepasst werden müssen. red/nz