Hidden Hospitality Das ist der Erfolgsfaktor der Heimat-Liebe-Hotels

Das Restaurant „Söbentein“ ist kulinarischer Mittelpunkt des Hotels am Schloss Ahrensburg.
Das Restaurant „Söbentein“ ist kulinarischer Mittelpunkt des Hotels am Schloss Ahrensburg. © Heimat-Liebe-Hotels

Unsere Serie „Hidden Hospitality“ stellt erfolgreiche Konzepte in der Privathotellerie vor. Dieses Mal: die Heimat-Liebe-Hotels.

Bisweilen sind es Zufälle, die Unternehmer in die Hotellerie führen und sie für diese Branche begeistern. So auch bei Christopher Kroschke. Der 41-Jährige ist Spross einer erfolgreichen Unternehmerfamilie aus Braunschweig, ausgebildeter Automobilkaufmann und Diplom-Immobilienwirt. Im Jahr 2011 betreute er eine Baumaßnahme in Hamburg, in deren Rahmen eine Lösung für eine kleine Pension gefunden werden musste.

Die Vertragsauflösung war Voraussetzung dafür, die Baufreiheit zu erlangen. „Wir haben den Betrieb dann übernommen und bis zum Baubeginn übergangsweise selbst geführt, was bei mir eine große Faszination ausgelöst hat. Die Hotellerie ist spontan, vielschichtig, kreativ, menschlich und begeisternd. Mir war relativ schnell klar, dass ich mich in diesem Bereich weiterentwickeln möchte“, berichtet Kroschke. Damit war der Grundstein für die Heimat-Liebe-Hotels gelegt. „Heute kann ich meine Immobilienkompetenz mit dem Gastgebertum der Hotellerie ideal verbinden“, freut er sich.

Fokus auf Nord- und Mitteldeutschland

Als privat geführte, mittelständische Hotelgruppe konzentriert sich Heimat-Liebe-Hotels gezielt auf die Übernahme von Betrieben in wirtschaftlichen Schieflagen oder mit fehlender Nachfolgeregelung in B- oder C-Standorten. Die Destinationen weisen ein hohes touristisches Potenzial oder eine stabile regionale Wirtschaft auf; die Häuser sind aber mangels Größe oder Ausrichtung für internationale Ketten von eher geringerem Interesse. Heimat-Liebe-Hotels richtet diese Betriebe neu aus und passt sie an die heutigen Standards von Gästeerwartungen und Digitalisierung an.

Führungsteam: Geschäftsführer Christopher Kroschke (rechts) und COO Tom Rösgen.
Führungsteam: Geschäftsführer Christopher Kroschke (rechts) und COO Tom Rösgen. - © Heimat-Liebe-Hotels

Die derzeit fünf Hotels und ein Apartmenthaus der Heimat-Liebe-Hotels zählen zusammen 560 Zimmer und Suiten und insgesamt deutlich über 1.000 Betten. Bei der Übernahme konzentriert sich die Gruppe auf den nord- und mitteldeutschen Raum. „Unsere Standorte reichen von der Ostsee-Insel Fehmarn über den Hamburger Großraum bis in den Südharz. Mit dieser regionalen Konzentration ist die bestmögliche Bündelung von Synergien und die bewusste Beibehaltung schlanker und effizienter Strukturen im Overhead verbunden“, erläutert Kroschke, der eine spätere Vergrößerung in andere Regionen jedoch nicht ausschließt.

Bisher verfolgt die Gruppe strikt den Owner-Operator-Weg: Alle Hotels befinden sich im Eigentum und werden unter der Eigenmarke geführt. „Dies ermöglicht es uns, selbstbestimmt nachhaltig in die Objekte zu investieren und die Hotels ohne Abhängigkeiten auszurichten. Zudem sind unsere wirtschaftlichen Belastungen in diesem Bereich geringer als bei externen Pachten, was uns wiederum unternehmerische Freiheiten ermöglicht“, so Christopher Kroschke.

Dies habe sich auch in der Coronakrise als Vorteil erwiesen. „Auf der anderen Seite schränkt eigenkapitalintensives Eigentum das Wachstum natürlich auch ein. Perspektivisch werden wir uns daher auch anderen Vertragsformen öffnen.“ Im Zentrum der Expansionsüberlegungen stehe eine organische, nachhaltige Wachstumsstrategie, ökonomisch wie ökologisch. Bei der Wahl der entsprechenden Häuser sei man flexibel, allerdings sollten sie mindestens 50 Zimmer haben.

Viel Förderung, wenig Fluktuation

Zur bewusst schlanken Hauptverwaltung in Braunschweig sagt Kroschke: „Wir haben alle eine Hands-on-Mentalität, die wichtigste Arbeit der Branche ist die am Gast.“ Zentral gesteuert werden Buchhaltung, HR, Revenue-Management, Verkauf, Einkauf, Marketing und Digitalisierung.

Über Heimat-Liebe-Hotels

  • Gründungsjahr: 2014
  • CEO: Christopher Kroschke
  • COO: Tom Rösgen
  • Hotels:
    Hotel am Schloss Ahrensburg (79 Zimmer);
    Harz Hotel & Spa Seela (120 Zimmer);
    Revita – Naturresort & Spa (261 Zimmer);
    Hafen Hotel Schützenhof (30 Zimmer);
    Das Seela Braunschweig (54 Zimmer)
  • Vertragsart: Eigentum
  • Umsatz 2024: 23,5 Millionen Euro
  • Umsatzerwartung 2025: Steigerung um sieben Prozent
  • Durchschnittliche Auslastung 2024: 75 Prozent
  • Durchschnittsrate 2024: 106 Euro
  • Mitarbeitende: 340
  • Gesuchte Objekte: Hotels ab 50 Zimmern in Nord- und Mitteldeutschland

Die operative Leitung der Gruppe verantwortet COO Tom Rösgen, Hotelfachmann, Koch und Betriebswirt mit abgeschlossenem Psychologie-Studium, seine Stärke liegt in der Mitarbeiterentwicklung und -motivation. So wurde in Zusammenarbeit mit der Deutschen Hotelakademie die Heimat-Liebe-Akademie geschaffen. Zudem setzt die Gruppe auf die gezielte Anwerbung ausländischer Fachkräfte und auf Integrationsprogramme. Zur wertebasierten Unternehmenskultur zählen auch zahlreiche Benefits für das Team. Die Fluktuation ist gering. „In unserem Revita – Naturresort & Spa haben wir die beste Restaurantfachfrau Deutschlands ihres Jahrgangs ausgebildet“, berichtet Rösgen nicht ohne Stolz. Auch wurde die Gruppe dieses Jahr mit dem Innovationspreis für „Erfolgreiche Fachkräfte“ durch die Agentur für Arbeit ausgezeichnet.

Auf eine einzige Zielgruppe konzentrieren sich die Heimat-Liebe-Hotels nicht. „Wir möchten, dass Menschen sich bei uns wohlfühlen, egal, ob Geschäftsreisende, Genießer oder Familien“, betont der COO. „Die Heimat-Liebe-Hotels sind mehr als Unterkünfte, sie sind Orte des Ankommens, Begegnens und Bleibens.“ 

Update vom 13. Januar 2026:
Nach Informationen aus Unternehmenskreisen hat Tom Rösgen das Unternehmen zum Jahresende 2025 verlassen. Rösgen wird daher als ehemaliger COO geführt. Eine offizielle Mitteilung des Unternehmens liegt bislang nicht vor; die Vertragsauflösung soll derzeit noch laufen. Ein Nachfolger für die Position des COO wurde nach aktuellem Stand nicht benannt. (Hinweis: Der Artikel erschien ursprünglich am 9. Dezember 2025 in der Printausgabe von Tophotel und wurde am 12. Januar 2026 online veröffentlicht.)