Umfrage Das erwartet die Hospitality-Branche von 2026

Vorsichtig optimistisch blickt das Gastgewerbe auf das kommende Jahr.
Vorsichtig optimistisch blickt das Gastgewerbe auf das kommende Jahr. © Andesgn - stock.adobe.com (KI-generiert)

Zwischen Mehrwertsteuer-Hoffnung, Kostendruck und Digitalisierung: Tophotel hat nachgefragt, wie die Branche auf 2026 blickt. Branchenexperten und Hoteliers geben ihre Prognosen ab.

Die Herausforderungen für die Branche bleiben auch im neuen Jahr vielfältig: steigende Kosten, wirtschaftlicher Stagnation und geopolitische Unsicherheiten. Dennoch zeigen sich viele Betriebe vorsichtig optimistisch – nicht zuletzt wegen der angekündigten Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen. Das zeigen die Antworten der zwölf Branchenvertreter auf die Frage: „Welche Erwartungen haben Sie an das Jahr 2026?"

Erklärtes Ziel von B&B Hotels: Vom Immobilienentwickler zur Hospitality-Marke

Bei B&B Hotels Central & Northern Europe stehen 2026 die Zeichen auf Transformation. „Aus dem Immobilienentwickler wird eine echte Hospitality-Marke, die Erlebnisse schafft – getragen von Menschen, die Gäste begeistern“, kündigt CEO Arno Schwalie an. Die Vision laute: People First, Operational Excellence und ein unverwechselbares Gästeerlebnis, basierend auf nachhaltigem Wachstum.

Im Zentrum der Pläne stehe die Weiterentwicklung des Gästeerlebnisses entlang der gesamten Guest Journey. Dabei helfen sollen Kooperationen mit renommierten Marken, die Weiterentwicklung des Lobbybereichs und einheitliche, verbesserte Standards, so Schwalie. Eine zentrale Rolle komme dabei der neuen B&B Hotels Academy zu, die im Frühjahr 2026 mit der ersten Schulungsreihe an den Start gehe.

Der CEO geht außerdem davon aus, dass Gäste weiterhin Wert auf Übernachtungsangebote mit hoher Preis-Leistung-Balance legen werden – bedingt durch ein mageres Wirtschaftswachstum und die Preissensibilität der Deutschen. „Somit sehen wir gute Chancen, unsere Position als Marktführer im Value-Bereich zu stärken“, schlussfolgert Schwalie.

Bild: Stefan Gröpper

Arno Schwalie, CEO &B Hotels Central & Northern Europe.

Markus Luthe: „Herbst der Reformen hat Luft nach oben gelassen“

Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbands Deutschland (IHA)

Die Erwartungen an das Geschäftsjahr seien „nicht überschäumend", sagt Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbands Deutschland (IHA). „Angesichts der wirtschaftlichen Stagnation und der großen Bedeutung der Geschäftsreisen für den Tourismusstandort Deutschland wäre ein auch nur leichtes Übertreffen der Vorjahresübernachtungszahlen schon ein großer Erfolg für die Hotellerie.“

Die geopolitischen Herausforderungen würden 2026 noch deutlichere Auswirkungen mit sich bringen. Innenpolitisch sei zu hoffen, dass die Bundesregierung lange verschobene Strukturreformen entschlossen angehe. „Der ‚Herbst der Reformen' hat da durchaus noch Luft nach oben gelassen“, so Luthe.

Auch wolle der IHA die Europäische Kommission und die Bundesregierung dazu bringen, die Digitalgesetze gegenüber den marktbeherrschenden Online-Plattformen konsequent umzusetzen. „Zu viel hängt davon für die durch und durch mittelständisch geprägte Hotellerie in Deutschland und Europa ab", betont Luthe. Zudem wolle der Verband im Bereich Payment marktstimulierende Impulse gesetzt sehen.

Bild: HDV

Öschberghof startet erwartungsvoll ins neue Jahr

Michael Artner, General Manager des Luxushotels in Donaueschingen, blickt positiv in die Zukunft: „Getragen von guten Vorbuchungsständen können wir mehr als zuversichtlich sein, vor allem auch, was den Mice-Bereich anbelangt, der immer ein guter Indikator für uns ist.“

Natürlich hätten auch wirtschaftliche und politische Entwicklungen Einfluss auf die Geschäftslage. „Hierbei zeigt sich aus meiner persönlichen Erfahrung heraus jedoch, dass die Luxushotellerie im Vergleich zu anderen Segmenten weniger stark von Schwankungen betroffen ist, da sie nicht von einzelnen Wirtschaftszweigen abhängig ist“, unterstreicht der General Manager. Dennoch sei das Hotel achtsam und habe die Lage im Blick.

„Wir konzentrieren uns voll auf unser Produkt und begeistern unsere Gäste mit unseren vielfältigen Angeboten und unserem persönlichen Service. Dabei ist Exzellenz auf allen Ebenen unser Credo.“

Bild: Marian Burkardt

Michael Artner, General Manager Öschberghof.

HGK prognostiziert Herausforderungen und Chancen

Urban Uttenweiler, Vorstandsvorsitzender der Hotelkooperation HGK.

Urban Uttenweiler, Vorstandsvorsitzender der Hotel- und Gastronomie-Kauf eG HGK, erwartet ein weiteres, herausforderndes Jahr. Für die Branche habe sich 2025 klarer denn je herausgestellt, wie immanent die Nachfrageschwäche sei: „Auch sechs Jahre nach Beginn der Pandemie haben wir noch kein reales Wachstum. Die Umsätze liegen real zweistellig unter den Werten von 2019 und auch zu 2024 verlieren wir Boden.“

Bei den Übernachtungen zeige sich im dritten Quartal 2025 zwar ein leichtes Plus von 0,3 Prozent zu 2019 – aber Stagnation gegenüber dem Vorjahr. „Diese schwache Nachfrage trifft auf massiv steigende Kosten – eine gefährliche Kombination, die Margen und Betriebsergebnisse spürbar belastet", so Uttenweiler. Doch er sieht auch positive Signale: Die Branche zahle besser, investiere in Mitarbeiterentwicklung und setze konsequent auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

Auch die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen werde der Gastronomie guttun – für Vollhotels bleibe die Lage jedoch angespannt. Von wesentlicher Bedeutung sei zudem, wie die Gerichte im kommenden Jahr in Sachen Bestpreisklauseln und „Undercutting“ über die von den Hoteliers bestimmten Logispreise entscheiden.

Für die HGK selbst stehen laut Uttenweiler im kommenden Jahr die Weiterentwicklung digitaler Lösungen, neue Netzwerkformate wie die HGK-Trend-Touren sowie zusätzliche Einkaufsgemeinschaften und Mandate im Fokus. „Die Richtung ist klar: digital, effektiv, nachhaltig und vernetzt“, hebt Uttenweiler hervor.

Bild: HGK Hotel- und Gastronomie-Kauf eG

Margaux Paulin Steiger fordert mehr Optimismus

Die Hotelchefin der Steiger Hotels, sieht in den aktuellen Herausforderungen auch Chancen. Die reduzierte Mehrwertsteuer in der Gastronomie gebe der Branche „spürbar Luft zum Atmen“. Sie eröffne die Möglichkeit, Gastronomie wieder stärker als zukunftsfähigen Wirtschaftszweig zu positionieren – mit fairen, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen und langfristigen Perspektiven für Mitarbeitende.

Innerhalb der Steiger Hotels stünden 2026 mehrere zentrale Projekte an: die Implementierung eines neuen Qualitätsmanagementsystems, der weitere Einsatz von KI und Digitalisierung sowie der Ausbau der Hotelgruppe um ein weiteres Haus. Ein besonderer Fokus liege auf dem Aufbau eines strukturierten Mitarbeiterschulungsprogramms.

„Gesamtgesellschaftlich wünsche ich mir mehr Anerkennung für die Leistung unserer Branche und insgesamt einen positiveren Blick auf unser Land. Dieses ewige negative Lamentieren nervt!“, sagt Steiger. Im internationalen Vergleich gehe es Deutschland nach wie vor sehr gut. „Ich würde mir wünschen, dass wir wieder stärker zu einer Kultur des Optimismus finden, anstatt nur ´die Laus im Kraut zu suchen´.“ Gleichzeitig hoffe sie, dass antidemokratische Entwicklungen und gesellschaftliche Verwerfungen weiter eingedämmt werden könne.

Bild: Steffen Unger

Margaux Paulin Steiger, Hotelchefin Steiger Hotels.

Treugast warnt vor Insolvenzen

Michael Lidl, Geschäftsführender Partner der Treugast Solutions Group.

Michael Lidl, Geschäftsführender Partner der Treugast Solutions Group, gibt sich „vorsichtig optimistisch“. Politisch sei die Mehrwertsteuersenkung die größte Chance auf Steigerung der Profitabilität und Stabilisierung der Vollhotellerie.

„Wirtschaftlich sehe ich das größte Risiko in weiteren Insolvenzen und Firmenaufgaben, auch von größeren Playern, die das Vertrauen in unsere Branche und damit die Risikobewertung bei Banken und Investoren erheblich negativ beeinflussen würde“, warnt Lidl.

Strategisch gewinnen bei der Treugast zunehmend Strategieberatung und Betriebsanalysen an Bedeutung, etwa im Kontext von Franchise-Entscheidungen. „Im Bereich unserer Management Services haben wir in 2025 spannende neue Hotels hinzugewonnen und weitere Hotels für 2026 in der Pipeline, wo wir die Treffsicherheit unserer Wirtschaftlichkeitsprognosen weiter unter Beweis stellen dürfen“, ergänzt Lidl.

Bild: Treugast Solutions Group

Thomas Mack: „Der Tourismus ist robust“

„Sehr optimistisch“ blicke Thomas Mack, geschäftsführender Gesellschafter des Europa-Parks in Rust, auf das neue Jahr. Die Nachfrage nach hochwertigen Familienerlebnissen sei ungebrochen. „Wenn das Umfeld stabil bleibt, wird 2026 ein gutes Jahr – national wie international.“

Unsicherheiten spüre der Europa-Park dennoch, besonders als Unternehmen mit 5.250 Mitarbeitenden aus mehr als 100 Ländern. Energiepreise, Bürokratie und globale Krisen beeinflussten das Umfeld. „Unser Rezept bleibt: höchste Qualität, Verlässlichkeit und konsequentes Weiterarbeiten. Der Tourismus ist robust – Menschen suchen gerade jetzt positive Erlebnisse", bekräftigt Mack.

Für 2026 konzentriere sich der Europa-Park auf drei Punkte: Qualität und Gästeerlebnis weiter steigern, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz ausbauen sowie die internationale Mitarbeiterschaft stärken. Parallel seien neue Attraktionen geplant. „Innovation ist unser Antrieb seit 50 Jahren“, stellt Mack heraus.

Bild: Europa-Park Rust

Thomas Mack, geschäftsführender Gesellschafter des Europa-Parks.

Bei den Heimathafen Hotels stehen die Zeichen auf Digitalisierung

Jens Sroka, Geschäftsführer der Heimathafen Hotels.

Jens Sroka, Geschäftsführer der Heimathafen Hotels, verbindet seine Erwartungen auch an die Senkung der Mehrwertsteuer. Darüber hinaus hoffe er, dass die Gäste wieder optimistischer in die Zukunft blickten. „Erfahrungsgemäß führt ein positives Grundgefühl dazu, dass Menschen sich wieder mehr gönnen – häufiger verreisen und während ihres Aufenthalts auch mehr in Gastronomie und Erlebnisse investieren“, pointiert Sroka.

Wirtschaftliche und politische Unsicherheiten bedeuteten für Heimathafen Hotels vor allem, sehr aufmerksam auf der Kostenseite zu agieren. „Unser Ziel ist es, mögliche Umsatzschwankungen frühzeitig aufzufangen und durch effiziente Strukturen sowie ein aktives Kostenmanagement zu kompensieren“, erläutert der Geschäftsführer.

Ein Fokus liege im neuen Jahr auf der Digitalisierung – insbesondere beim Check-in-Prozess sowie bei digitalen Bestellmöglichkeiten in der Gastronomie. „Zudem werden wir den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Gästekommunikation weiter ausbauen“, so Sroka. Parallel arbeite das Hotel an der Optimierung interner Strukturen. Ein weiterer wichtiger Schritt sei die Weiterentwicklung der POS- und PMS-Systeme, um Prozesse noch effizienter zu gestalten.

Bild: Heimathafen Hotels

Matthias Beinlich sieht Chancen in den Herausforderungen

Mit Zuversicht starte auch die Hotelgruppe B´mine in das neue Jahr, wie CEO Matthais Beinlich mitteilt: „Die Nachfrage im Geschäftsreise- und Mice-Segment zieht spürbar an, getragen von Infrastrukturprojekten und einer stärkeren Eventdynamik.“ Das Unternehmen erwarte eine höhere Auslastung sowie eine leicht gesteigerte Durchschnittsrate.

Politische und wirtschaftliche Volatilität sowie die Folgen von Fachkräftemangel und Remote Work beeinflussten dennoch das Segment der Geschäftsreisen. Beinlich erkennt darin aber auch Chancen: „Wir diversifizieren stärker in Leisure- und Mice-Segmente und investieren in Nachhaltigkeit – etwa durch die Green-Sign-Zertifizierung. Gleichzeitig nutzen wir gesellschaftliche Trends, wie den Wunsch nach authentischen Erlebnissen, und stärken unsere Marke über Design, Technologie und Storytelling.“

Schwerpunkte für 2026 seien demnach die Integration von KI, nachhaltiges Wachstum sowie der Ausbau der Markenbekanntheit von B’mine und der Tochtermarke &Repeat.

Bild: Anastasia Hock

Matthais Beinlich, CEO B´mine.

Romantik startet mit drei Schwerpunkten ins Jahr 2026

Thomas_Edelkamp

Thomas Edelkamp, Vorstandsvorsitzender von Romantik Hotels & Restaurants, geht mit vorsichtigem Optimismus in das neue Jahr. „Die Nachfrage nach hochwertigen, authentischen Reise- und Genusserlebnissen bleibt stabil. Gleichzeitig erwarten wir weiterhin Kostendruck und eine höhere Preissensibilität“, so Edelkamp. Der Fokus der Hotelkooperation liege daher auf konsequenter Qualität und einem weiteren Ausbau der Direktbuchungen.

Wirtschaftliche Unsicherheit und steigende Kosten erhöhten weiterhin den Druck auf Margen und Investitionen. „Chancen sehen wir in der wachsenden Sehnsucht nach echten Orten, regionaler Identität und persönlicher Gastgeberkultur – also genau dort, wo Romantik stark ist", unterstreicht Edelkamp. Risiken blieben vor allem der Fachkräftemangel, volatile Kosten und eine mögliche Konsumzurückhaltung.

Für 2026 setze Romantik auf drei Schwerpunkte: gezielte Weiterentwicklung des Netzwerks mit klaren Qualitätskriterien, Digitalisierung entlang der Guest Journey zur Stärkung von Marke und Direktvertrieb sowie praxisnahe Nachhaltigkeitsinitiativen.

Bild: Romantik Hotels & Resorts

Christian von Rumohr: „Ich glaube an die Menschen“

Optimistisch zeigt sich auch Christian von Rumohr, Hoteldirektor des The Liberty in Bremerhaven und seit September Präsident der Hospitality Sales & Marketing Association (HSMA). „Ich glaube, dass wir das positive Ergebnis aus diesem Jahr wieder erreichen können. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, betont er. Besonders stolz ist er auf die Verbundausbildung „Meerzukunfthochdrei“: „Wir haben im vierten Jahr in Folge wieder richtig gute Azubis, tolle junge Menschen.“

Im Hotel selbst stünden keine großen Projekte an. Stattdessen lege das Hotel den Fokus verstärkt auf die Gastronomie mit mehr Eigen- und Gastveranstaltungen, „um den Einwohnern der Region noch mehr die Scheu davor zu nehmen, in ein Hotelrestaurant zu gehen.“

Gesellschaftlich appelliert von Rumohr: „Gerade wir in der Hotellerie zeigen doch deutlich, wie das vielfältige Arbeits- und Zusammenleben sehr gut funktioniert. Ich glaube an Demokratie und an die Menschen.“

Auch für die HSMA gibt von Rumohr einen Ausblick. „Naturgemäß“ beschäftige sich der Verband mit den Themen, die die Branche umtreiben. Der Terminkalender stehe ebenfalls zum großen Teil. „Ende Januar steht mit der vierten Ausgabe des Global Revenue Forums in Luzern eines unserer Events in der Schweiz an, womit wir weiterhin den Ausbau im DACH-Raum fördern, bevor wir dann im März mit der HSMA Lounge auf der ITB einen Platz fürs Netzwerken bieten“, so von Rumohr.

Als drittes Eventhighlight plant die HSMA im April das HR & People & Culture Camp in Potsdam an, gefolgt vom Sales & Mice Camp im Juli. „Wir denken, dass es auch an der Zeit ist, dem Tech-Bereich noch mehr Aufmerksamkeit zu widmen", kündigt von Rumohr an.

Bild: The Liberty Hotel

Christian von Rumohr, Hoteldirektor The Liberty.