Sanitärtechnik Bitte nicht stören: Ruhe statt Rauschen

Hotelgäste schätzen ruhige Zimmer: Lärmquellen wie Duschen, Toilettenspülung oder Lüfter können den Schlaf stören und den Aufenthalt beeinträchtigen.
Hotelgäste schätzen ruhige Zimmer: Lärmquellen wie Duschen, Toilettenspülung oder Lüfter können den Schlaf stören und den Aufenthalt beeinträchtigen. © Jorge Ferreiro - stock.adobe.com (KI-generiert)

Ausgiebiges Duschen, das Plätschern der Toilettenspülung oder ein Lüfter, der lange nachläuft: Aus Badezimmern können Geräusche kommen, die Ruhe und Schlaf von Hotelgästen empfindlich stören. Hoteliers können bauliche Vorkehrungen treffen.

In ruhiges Zimmer steht weit oben auf der Wunschliste von Hotelgästen, während ein hellhöriges in der Beschwerdeliste ebenfalls ganz oben steht. Unruhige Nächte bleiben im Gedächtnis und können Kundschaft kosten. Die Hotellerie kämpft zudem mit einer besonderen Herausforderung, was ruhige Nächte angeht: In ungewohnter Umgebung bleibt – anders als zu Hause – das Gehör als zentrales „Alarm-Organ“ ständig im Wachmodus und sorgt für sensible Reaktionen auf jedes Geräusch.

Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Stuttgart startete 2015 mit Partnern das Forschungsprojekt „Unerhörte Hotels“ und nahm den Schallschutz in der Branche genauer unter die Lupe. Grundlage waren Gästebefragungen. Das Ergebnis: „Sanitärgeräusche in Nachbarzimmern“ und „Badlüfter“ gehören zu den Top Fünf der nervigsten Störquellen. Grund genug, der Akustik denselben Stellenwert zu geben wie dem Design.

Zuerst ein Soundcheck, dann ein Sachverständiger

„Hinhören“ – so lautet die erste Empfehlung von Philip Leistner, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP. Er rät Hoteliers und Haustechnikern, Aussagen von Gästen ernst zu nehmen und regelmäßig selbst zu überprüfen, welche Geräusche in welchem Zimmer entstehen oder was davon im Nachbarraum ankommt. Ein Soundcheck also.

„Ich empfehle als ersten Schritt die Prüfung, ob und wie sich Geräusche direkt an der Quelle reduzieren lassen. Erst bei dann noch vorhandenem Bedarf gilt es, den Schallausbreitungsweg weiter zu verfolgen“, so Leistner, der auch sagt: „Ist man unsicher, sollte man sich beraten lassen und etwa einen akustischen Sachverständigen hinzuzuziehen.“

Im Neubau seien laut Leistner drei Dinge entscheidend: fundierte Planung, auf Lautstärke geprüfte Produkte und konsequentes Systemdenken. Nach Einschätzung des Experten verfügen heute alle namhaften Hersteller über geräuschgeminderte Sanitärprodukte. Eine Preisfrage sei das nicht: „Die teuersten Produkte sind nicht zwangsläufig die leisesten“, betont er. „Die Hersteller haben die jeweils genauen Werte.“

„Ich empfehle als ersten Schritt die Prüfung, ob und wie sich Geräusche direkt an der Quelle reduzieren lassen.“

Philip Leistner, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP

Kaldewei hat gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik ein Schallschutz-Prognosetool entwickelt – als Planungshilfe und zum Nachweis der Schallschutzqualität. Es berechnet Wasserprallgeräusche, Trittschallpegel und Benutzungsgeräusche in allen relevanten Übertragungsrichtungen, angepasst an die jeweilige Bausituation.

Der Hersteller Geberit unterstützt Planer und Installateure mit einem eigenen Schallschutztool für Entwässerungssysteme. Zu bedenken ist stets auch das Erbringen von Nachweisen: Bei Neu- und Umbauten gilt die DIN 4109 „Schallschutz im Hochbau“. Sie ist Teil der Landesbauordnungen – und legt verbindliche Mindestwerte fest. Von Mindestanforderungen wird dabei nicht mehr gesprochen. Wer seinen Gästen mehr Komfort bieten will, sollte sich an der VDI‑Richtlinie 4100 oder der DEGA‑Empfehlung 103 orientieren.

Philip Leistner von Fraunhofer-Institut rät Hoteliers außerdem, auf gute Handwerksbetriebe zu setzen und sie für die Bedeutung des Schallschutzes zu sensibilisieren. Welche Lösungsansätze es für verschiedene Bereiche gibt, zeigen die folgenden Beispiele.

Gut isolieren und schallentkoppelt installieren

Rohrleitungen und Wasserinstallationen sollten gut schwingungsisoliert sein. Eine einfache Lösung: Gummielemente als Dämmeinlage in Rohrschellen. „Das ist eine wirksame Maßnahme zur Schallentkopplung“, sagt Leistner. Denn dies ist ein grundsätzliches Prinzip: Schall entkoppeln, damit dessen Schwingungen nicht weitergetragen werden. 

Bei Badarmaturen bieten sich laut dem Experten Wasserschalldämpfer an, die in die S-Bögen eingebaut werden. Das sei eine sehr wirkungsvolle und kostengünstige Maßnahme, um entstehenden Schall effizient zu dämmen. Sanitärobjekte – also Waschbecken, Dusch- und Badewannen sowie Toiletten – sollten schallentkoppelt montiert werden. So lässt sich vermeiden, dass Körperschall – etwa durch den Wasseraufprall auf Duschwannen – auf Boden, Wand und Decke übergeht. Bei der Dusche und Badewanne sorgen Schalldämmbänder für eine optimale Anbindung an die Installationswand.

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    Schön leise: Grohe bietet Unterspülkästen mit „Grohe Whisper Technologie“.
    © Grohe
    Schön leise: Grohe bietet Unterspülkästen mit „Grohe Whisper Technologie“.
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    Für den Neubau: Das System „Universal“ von Bette umfasst einen Rahmen mit schallentkoppelten Füßen. Das trennt die Duschfläche akustisch vom Untergrund.
    © Bette
    Für den Neubau: Das System „Universal“ von Bette umfasst einen Rahmen mit schallentkoppelten Füßen. Das trennt die Duschfläche akustisch vom Untergrund.
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    Minimum-Wannenträger von Bette entkoppeln die Duschwanne vom Untergrund.
    © Bette
    Minimum-Wannenträger von Bette entkoppeln die Duschwanne vom Untergrund.

Ergänzend helfen schallgedämmte Wannenanker, Fuß-Entkopplungselemente, Antidröhnplatten zur Beklebung der Unterseiten und elastisch ausgeführte Rand- und Trennfugen. All das wird von Markenherstellern sogar im Set angeboten. Das Unternehmen Bette, spezialisiert auf Sanitärobjekte aus glasiertem Titan-Stahl, empfiehlt bei Renovierungen Duschwannen mit Minimum-Wannenträger. „Der Träger wird auf den Estrich geklebt, ermöglicht nahezu bodenebene Lösungen mit kleinem Absatz und entkoppelt die Duschwanne großflächig vom Untergrund. In der Praxis sinken die Installationsgeräusche auf Werte deutlich unter der VDI-Richtlinie 4100, Schallschutzstufe III“, berichtet Sven Rensinghoff, Marketing und Produktmanagement bei Bette. „Im Neubau empfehlen wir das System ‚Universal‘. Hier trennt der höhenverstellbare Rahmen mit schallentkoppelten Füßen die Duschfläche akustisch vom Rohbau.“

Barrierefreie Duschen liegen im Trend. Fehlt im Bestand jedoch das nötige Ablaufgefälle, kommen Ablaufsysteme mit integrierter Pumpe zum Einsatz. Entscheidend ist, dass die Pumpe möglichst leise arbeitet. Unter dem Namen „Plancofix Connect“ haben der Entwässerungsspezialist Dallmer und Pentair Jung Pumpen ein Gemeinschaftsprodukt entwickelt, das Bodenablauf, integrierte leise Pumpe und Design‑Duschrinne kombiniert.

Mit System: Schallschutz in der Bauphase einplanen

„Grohe Whisper Technologie“ verspricht ebenfalls mehr Ruhe. „Unsere Unterspülkästen mit dieser Technologie bieten besten Schallschutz für benachbarte Räume, bei gleichzeitig maximaler Gestaltungsfreiheit“, heißt es bei dem Unternehmen. Demnach werden durch entkoppelte Rohrhalterungen keine Geräusche in den Baukörper weitergeleitet, wenn Wasser aus dem Spülkasten ins Becken abgelassen wird. Darüber hinaus bietet Grohe ein Schallschutz-Set an, welches vor dem Einbau der Keramik hinter dem WC an der Wand platziert werden kann.

Auch Geberit setzt auf den Systemgedanken: Alle Komponenten – von der Unterputz-Spültechnik hinter der Wand bis zur WC‑Keramik – sind aufeinander abgestimmt. Die „Turboflush“-Spültechnik leitet das Wasser effizient und leise durch das WC.

„In Kombination mit dem Füllventil Typ 383, das die Geräuschentwicklung beim Nachfüllen deutlich reduziert, spült das System bis zu 30 Prozent leiser als bei konventionellen Produkten“, teilt der Hersteller mit. Laut Geberit lässt sich auch im Bestand leicht nachrüsten: Der Austausch von Füll‑ und Spülventil – konkret Füllventil Typ 383 und 212 im Set – reduziert die Geräuschkulisse, noch mehr Effekt hat die Kombination mit Turboflush-WC‑Keramik. Worauf Hoteliers ebenfalls achten sollten: WC-Deckel, die sich leise schließen.

Das stört die Ruhe

  • Verkehrslärm außen (bei geschlossenen Fenstern)
  • Gespräche und lautes Türenschließen im Flur
  • Sanitärgeräusche in Nachbarzimmern
  • Heizungs- und Lüftungsgeräusche, Badlüfter
  • Gehgeräusche und Trittschall in Fluren

Quelle: Fraunhofer-Institut für Bauphysik, IBP „Unerhörte Hotels“

Nur bei Bedarf: Badlüfter, die Feuchtigkeit messen

Was häufig stört, ist gar nicht die Lautstärke der Lüfter, sondern ihr langes Nachlaufen – „selbst dann, wenn man nur kurz etwas aus dem Bad holt und dafür das Licht anschaltet“, bringt Philip Leistner es praxisnah auf den Punkt. „Meist ist bei den Lüftern eine feste Zeit eingestellt. Besser wäre es, die Lüfter mit Feuchtigkeitssensoren zu kombinieren – die übrigens nicht teuer sind. Dann wird nur bei Bedarf gelüftet, was auch Energie spart.“

Das beherrschen zum Beispiel die „ECA Piano“‑ Ventilatoren von Maico: nach Herstellerangaben besonders leise und auf Wunsch mit automatischer Feuchtesteuerung erhältlich. Eine Alternative stellen zentrale Entlüftungssysteme dar. Sie lassen sich realisieren, wenn mehrere Badezimmer an eine senkrecht durch das Gebäude verlaufende Abluftleitung angeschlossen werden können – zum Beispiel das „ER EC‑System“ von Maico.

Um Trittschall zu dämpfen, können schwimmende Estriche verlegt werden. Und statt Fliesen lassen sich schallabsorbierende Wandflächen verwenden – etwa Akustikputz oder Feuchtraum‑Gipsplatten, die auch Nässe standhalten. Grundsätzlich gilt: Wände und Decken sollten konstruktiv getrennt und mit hochwertigen Dämmstoffen versehen sein.

Philip Leistner stellte fest, dass die Trennwände in rund der Hälfte der untersuchten Hotels den Mindestwert von 47 Dezibel nicht oder nur knapp erreichten. Sehr gute 58 Dezibel blieben die Ausnahme. Für die Nachrüstung eignen sich demnach Platten, die in einer Trockenbau‑Vorsatzschale mit Abstand – also entkoppelt – vor die bestehende Wand gesetzt werden. Geschossdecken bescheinigt Leistner bessere Werte, doch der Schallschutz von Türen „erwies sich häufiger als unzureichend“.

Fest steht: Schallschutz ist kein Luxus, sondern Teil der Qualität. Er entsteht durch durchdachte Planung, passende Produkte und eine saubere Ausführung der jeweiligen Gewerke. Wer der Akustik denselben Stellenwert einräumt wie dem Design, schafft nachhaltigen Komfort für die Gäste.

>> Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 12/2025 erschienen.

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