Trends Wellness-Prognose 2026: Von Biohacking bis analoger Auszeit

Thermische Therapien, darunter Wärme-, Kälte- und Kontrastbehandlungen, werden laut Six Senses immer beliebter.
Thermische Therapien, darunter Wärme-, Kälte- und Kontrastbehandlungen, werden laut Six Senses immer beliebter. © Six Senses

Ein Trend-Report von Six Senses zeigt: Ganzheitliche Selbstfürsorge, technologische Unterstützung und eine Rückkehr zu analogen Erfahrungen prägen die Wellbeing-Welt 2026.

Sinnstiftende Reisen und ein bewusster Fokus auf Selbstfürsorge gewinnen weltweit an Bedeutung. Laut Prognosen des Global Wellness Institute könnte der globale Wellness-Tourismus bis 2028 ein Volumen von fast neun Milliarden US-Dollar erreichen. Die Six Senses Wellness-Experten Anna Bjurstam und Mark Sands skizzieren in ihrer Trendanalyse die Entwicklungen, die das Wellnessjahr 2026 prägen werden.

Von Wellness zu Wohlbefinden

Ein zentrales Ergebnis: Wellness wird zunehmend als umfassendes Wohlbefinden verstanden. "Ganzheitlichkeit ist für die Hospitality-Branche das Thema der Zukunft", sagt Bjurstam. Die Suche nach schnellen Lösungen gehöre der Vergangenheit an. Stattdessen werde Wohlbefinden zu einer bewussten Alltagsstrategie. Besonders Millennials und die Generation Z investieren laut der Expertin überproportional viel in Wellness.

Dies deckt sich mit dem allgemeinen Trend: In den USA bezeichnen 84 Prozent der Bevölkerung ihr Wohlbefinden als oberste oder wichtige Priorität, in China sind es sogar 94 Prozent. In Großbritannien liegt der Wert bei 79 Prozent.

"Es hat sich von Wellness zu Wohlbefinden verschoben", erläutert Bjurstam. Menschen suchten sowohl zu Hause als auch auf Reisen nach einem "Wellness-Ökosystem" – einem Ort, an dem ihr Wohlbefinden während des gesamten Aufenthalts berücksichtigt werde.

KI trifft auf traditionelle Heilmethoden

Mark Sands betont die wachsende Rolle von Technologie.„Intuition und Künstliche Intelligenz verschmelzen zunehmend miteinander, da Technologie heute nicht mehr als Ersatz, sondern als wertvolles Zusatzinstrument angesehen wird, um unser Verhalten zu tracken und uns damit zu zeigen, wo wir Unterstützung benötigen“, so der Vice President Wellness von Six Senses. Besonders wirksam werde die Technik, wenn sie mit menschlicher Erfahrung und Empathie kombiniert werde.

Gleichzeitig sollte der Respekt gegenüber bewährten alten Praktiken bestehen bleiben. Durch die Kombination beider Ansätze sei man in der Lage, einen weitaus persönlicheren und effektiveren Weg zum Wohlbefinden zu erschließen. Tools wie Schlafüberwachung, intelligente Wearables und klinische Erkenntnisse, einschließlich Epigenetik und DNA-Tests, könnten dazu beitragen, Erholung, Leistungsfähigkeit und Stressreduktion zu beschleunigen.

Thermische Therapien werden zum Alltag

Die Diskussion habe sich vom "Biohacking als Trend" zum "Biohacking als Lebensstil" verlagert, so die Wellness-Experten. Thermische Therapien, darunter Wärme-, Kälte- und Kontrastbehandlungen, würden zunehmend zu täglichen Ritualen. Immer mehr Menschen ließen sich entsprechende Einrichtungen auch für den privaten Gebrauch installieren. Der Markt für Heimsaunen wurde laut Six Senses 2024 auf 1,2 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2033 voraussichtlich auf 3,5 Milliarden US-Dollar anwachsen.

Kontrasttherapie gelte als eine der zugänglichsten Formen des Biohackings. Thermische Zyklen kombinierten beispielsweise Kryotherapie mit Infrarotsaunen, Dampfbädern oder heißen Bädern, um die Durchblutung und Entgiftung zu fördern.

Atemarbeit auf dem Vormarsch

Atemarbeit rücke zunehmend in den Fokus, so die Analyse. Das Global Wellness Institute vergleiche das Wachstum mit dem von Yoga in den 1990er Jahren. "Das einfachste Wellness-Instrument, über das wir verfügen, ist auch das wirkungsvollste", sagt Sands. Atemarbeit lehre, wie man das Nervensystem allein durch Ein- und Ausatmen regulieren könne.

Atmung könne den körperlichen wie emotionalen Zustand beeinflussen und ein Gefühl hervorrufen, das einem hochintensiven Training gleiche: Menschen fühlten sich gleichzeitig entspannt, konzentriert und euphorisch.

Rückkehr zur analogen Welt

Im Jahr 2026 werde das analoge Leben zum Gegenmittel gegen Hyperkonnektivität, prognostiziert Sands weiter. Damit werde sich Digital-Detox verstärken. Menschen wollten sich nicht nur von der digitalen Welt lösen, sondern sich bewusst wieder mit der realen Welt verbinden. "Auf Reisen werden wir Teil einer Welt jenseits des Alltäglichen und haben die Möglichkeit, das Außergewöhnliche zu erleben", so Sands.

Das Thema Wohlbefinden rücke auch am Arbeitsplatz weiter in den Fokus, da zunehmend klar werde, wie stark moderne Arbeitswelten das Wohlbefinden beeinflussten. Führungskräfte würden zunehmend erkennen, dass langfristige Leistungsfähigkeit mit einem stabilen körperlichen und mentalen Fundament beginnt. Studien zeigen laut Six Senses, dass CEOs, die Wert auf Schlaf, Achtsamkeit und regelmäßige Bewegung legen, durchweg ein schärferes Urteilsvermögen, eine größere emotionale Intelligenz und eine ausgewogenere Entscheidungsfindung an den Tag legen.

Naher Osten als neues Wellness-Zentrum

Der Nahe Osten entwickle sich zu einem globalen Zentrum für Wellness, analysiert Sands. Die MENA-Region (Mittlerer Osten und Nordafrika) nehme mittlerweile weltweit den ersten Platz beim Zuwachs der Spa-Nutzung ein. Die Vereinigten Arabischen Emirate seien der am schnellsten wachsende Wellness-Markt der Region.

In Saudi-Arabien habe die Wellness-Wirtschaft mittlerweile einen Wert von mehreren Milliarden Dollar, wobei allein der Wellness-Tourismus jährlich um etwa 66 Prozent wachse, da Einheimische und Besucher gleichermaßen ganzheitliche Praktiken schnell annähmen. „Diese Betonung von Luxus, Hightech und ganzheitlicher Wellness im Nahen Osten beeinflusst die weltweite Sichtweise auf Wellness und hat einen Dominoeffekt auf Reiseziele wie Europa, Asien und Amerika“, sagt Sands.

Spiritualität als Langlebigkeitsfaktor

"Wir haben die Wissenschaft der Lebensverlängerung gemeistert – von der Zellregeneration bis hin zur KI-gestützten Diagnostik. Doch die wichtigste Variable fehlt uns: die Seele", so Sands. Wahre Langlebigkeit bedeute nicht nur, Lebensjahre zu verlängern, sondern ihnen auch Sinn, Tiefe und spirituelle Verbundenheit zu verleihen.

Neueste Forschungsergebnisse bestätigten: Menschen mit starker spiritueller Verwurzelung und mit Zielen lebten nicht nur länger, sondern auch besser. Studien zeigten laut Six Senses, dass Menschen, die sich regelmäßig spirituell betätigen, eine um bis zu 33 Prozent höhere Lebenserwartung hätten. “Wir beobachten einen grundlegenden Wandel, bei dem Gäste ihre spirituelle Reise nicht mehr von ihren Wellness-Zielen trennen. Sie verstehen, dass die Optimierung von Biomarkern ohne Berücksichtigung der Seele wie das Stimmen eines Instruments ist, ohne jemals Musik zu spielen“, betont Sands abschließend. red/sar