Digitalisierung Zentrale Plattformen: Digitaler Durchblick beim Bau

Zentrale Plattformen bündeln sämtliche Informationen für die Projektbeteiligten.
Zentrale Plattformen bündeln sämtliche Informationen für die Projektbeteiligten. © Chartchai – stock.adobe.com

Digitale Tools verändern Planung und Modernisierung von Hotels. Sie vermeiden Fehler, beschleunigen Entscheidungen und sichern ESG-Standards.

Die Renovierung eines Hotels ist mehr als ein Bauprojekt. Denn es geht auch um die strategische Investition in langfristige Wettbewerbsfähigkeit, Profitabilität und Nachhaltigkeit. Vor allem im europäischen und mediterranen Raum, in dem es gilt, die Reisesaison zu nutzen sowie die hohen Erwartungen der Gäste zu erfüllen, können Investitionen ohne digitale Unterstützung schnell zu teuer, zu langsam und zu riskant werden. Daher sollen digitale Werkzeuge helfen, die Planung, Steuerung und Überwachung von Hotelrenovierungen revolutionieren. Ihr Einsatz kann in den kommenden Jahren entscheidend für den Unternehmenserfolg in einem zunehmend umkämpften Markt sein.

Moderne und attraktive Hotels sind Schlüsselfaktoren für das touristische Wachstum ganzer Regionen. Sie schaffen nicht nur Arbeitsplätze und lokale Wertschöpfung, sondern stärken auch die Standortattraktivität für Events, Geschäftsreisende und internationale Märkte. Studien belegen, dass immer mehr Gäste gezielt nach Unterkünften suchen, die nachhaltige Standards erfüllen, digitale Services bieten und zugleich höchsten Komfort versprechen.

Nach Angaben des World Travel & Tourism Council (WTTC) betrug der direkte Beitrag des europäischen Reise- und Tourismussektors zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2022 rund 1,9 Billionen Euro – nur sieben Prozent weniger als im Vorkrisenjahr 2019. Die Branche beschäftigte etwa 34,7 Millionen Menschen, mit einer prognostizierten vollständigen Erholung der Beschäftigungszahlen bis Ende 2025. Auch die Gästezahlen bestätigen diesen Trend: Laut Eurostat wurden 2023 in der EU 2,92 Milliarden Übernachtungen in touristischen Unterkünften registriert – ein neuer Höchstwert.

„Wer ESG-Vorgaben ernst nimmt, kann auf digitale Unterstützung nicht verzichten.“

Domagoj Dolinsek, Planradar

Länder wie Kroatien, Malta, Zypern, Portugal und Griechenland profitierten besonders stark von diesem Wachstum. So stieg etwa in Kroatien der direkte Beitrag des Tourismus zum BIP auf über zwölf Prozent – ein europäischer Spitzenwert. Parallel dazu wachsen die Ansprüche: Umweltbewusstsein, Digitalisierung und Servicequalität zählen für Gäste längst zu den Buchungskriterien.

Zeitdruck und wachsende Anforderungen

Vor allem in klassischen Ferienregionen ist die Zeit für Modernisierungen knapp. Zwischen Oktober und April müssen sie gelingen – schnell, effizient und ohne Qualitätsverlust. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen: Zu den Zielen gehören etwa der Wechsel in höhere Hotelkategorien, energetische Sanierung nach neuesten ESG-Standards, Integration smarter

Gebäudetechnik, Brandschutzanpassungen und Barrierefreiheit. Allerdings stammen bestehende Hotelimmobilien oftmals aus Jahrzehnten mit lückenhafter oder veralteter Baudokumentation. Das erschwert die präzise Planung. Oft fehlen verlässliche Informationen zu Haustechnik, Leitungsführung oder statischen Strukturen. Die Konsequenz sind Planabweichungen, kurzfristige Umplanungen, Mängel und Nachträge, was massive Auswirkungen auf Budget und Zeitplan hat. Als Folge geraten Projekte unter Druck. Gewerke arbeiten parallel auf engem Raum, Entscheidungen müssen in Stunden statt Tagen fallen. Und häufig sind Konflikte zwischen Bauleitung, Investoren, Planern und Betreiberseite vorprogrammiert, im schlimmsten Fall sogar mit rechtlichen Konsequenzen.

Automatisierte Plattformen: mehr Transparenz und Steuerbarkeit

Hier setzen moderne digitale Werkzeuge an. Sie ermöglichen eine neue Qualität an Transparenz, Kommunikation und Steuerbarkeit. Was früher per E-Mail, persönlich, in Excel-Listen oder auf Papier abgestimmt wurde, kann nun auf zentralen Plattformen digital gebündelt werden. Das macht Entscheidungen für alle Beteiligten zugänglich – nachvollziehbar, stets aktuell und ohne fehleranfällige Kommunikation.

Im Gegensatz zu traditionellen digitalen Hilfsmitteln bieten integrierte Plattformen zahlreiche Vorteile: strukturierte Workflows, automatische Benachrichtigungen, revisionssichere Dokumentation und mobile Einsatzmöglichkeiten direkt auf der Baustelle. Sie ersetzen Insellösungen durch umfassende, vernetzte Prozesse. Die digitale Projektsteuerung eröffnet insbesondere bei komplexen Hotelmodernisierungen zahlreiche Vorzüge, die über reine Effizienzsteigerung hinausgehen. Durch die zentrale und echtzeitbasierte Bündelung sämtlicher Projektdaten – von Plänen über Aufgabenlisten bis hin zu Mängelprotokollen und Fotodokumentationen – arbeiten alle Beteiligten auf einer gemeinsamen, stets aktuellen Informationsgrundlage. Das minimiert Fehler, vermeidet redundante Arbeitsschritte und beschleunigt die Kommunikation spürbar.

Ein weiterer Vorteil zeigt sich bei Abstimmungen und Entscheidungsprozessen vor Ort: Werden Änderungen zum Beispiel durch den Bestand oder durch neue Kundenwünsche erforderlich, lässt sich dies direkt auf der Baustelle erfassen und in Echtzeit an alle relevanten Parteien übermitteln. Was früher aufwändige Rücksprachen am Telefon oder per E-Mail erforderte, wird direkt kommuniziert und lückenlos dokumentiert. Das verkürzt Reaktionszeiten von Tagen auf Minuten. Auch im Hinblick auf Budget- und Kostenkontrolle schafft digitale Projektsteuerung einen echten Mehrwert. Durch die kontinuierliche Erfassung von Soll-Ist-Werten werden Abweichungen frühzeitig sichtbar, und das lange, bevor sie zu teuren Problemen werden. Die Transparenz hilft, Risiken aktiv zu minimieren und Projekte mit Millionenvolumen vorausschauend zu steuern.

Darüber hinaus sorgt die digitale Arbeitsweise für klar definierte Zuständigkeiten und eine rechtssichere Dokumentation. Jede Aufgabe, jeder Mangel und jede Entscheidung sind eindeutig einem Ort, einer Uhrzeit und einer verantwortlichen Person zugeordnet. Das schafft Verbindlichkeit, reduziert Missverständnisse und dient im Ernstfall als belastbare Grundlage bei Auseinandersetzungen.

Weniger bürokratischer Aufwand, mehr Rechtssicherheit

Nicht zuletzt erleichtert digitale Projektsteuerung die Bewältigung unvorhergesehener Ereignisse. Ob Lieferengpässe, Planänderungen oder wetterbedingte Verzögerungen: Dank datenbasierter Planung und flexibler Anpassungsmöglichkeiten bleiben Projekte steuerbar. Konkret verändert die digitale Steuerung also drei entscheidende Aspekte: Fehler werden vermieden, da Änderungen automatisch synchronisiert werden und alle mit aktuellen Plänen arbeiten. Der bürokratische Aufwand wird reduziert, da Protokolle, Nachträge und Mängelberichte automatisch im Prozess entstehen. Und nicht zuletzt wird die Rechtssicherheit gestärkt, denn jeder Schritt ist nachvollziehbar dokumentiert – transparent und revisionssicher.

Digitalisierung als Wegbereiter für nachhaltigeres Bauen

Nachhaltigkeit ist ein weiteres zentrales Argument für die digitale Transformation. Wer ESG-Vorgaben ernst nimmt, kann auf digitale Unterstützung nicht verzichten. Von der Simulation des Energieverbrauchs in der Planungsphase über die Überwachung des Verbrauchs im Betrieb bis hin zur Vorbereitung auf Umweltzertifizierungen: Digitale Tools liefern die Datenbasis für fundierte Entscheidungen.

Ein Praxisbeispiel zeigt, was möglich ist: In einem Hotelprojekt führte der gezielte Einsatz digital unterstützter Bau- und Betriebsprozesse zu einer Reduktion des Gasverbrauchs um 41 Prozent, des Stromverbrauchs um 17 Prozent und des Gesamtenergieeinsatzes um 30 Prozent. Neben der ökologischen Wirkung bringt das auch wirtschaftliche Vorteile durch sinkende Betriebskosten und eine bessere Positionierung am Finanzmarkt.

Fest steht: Hotelmodernisierungen unterliegen heute enormem Druck. Es geht um Schnelligkeit, Nachhaltigkeitsanforderungen, hohe Qualitätsziele und wirtschaftlichen Erfolgsdruck. Ohne digitale Unterstützung ist es kaum möglich, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Die gute Nachricht ist, dass die technologischen Werkzeuge verfügbar sind und mit vergleichsweise geringem Schulungsaufwand genutzt werden können. Wer sie frühzeitig einsetzt, sichert sich nicht nur operative Vorteile, sondern auch eine stabile Position im Wettbewerb um Gäste, Investoren und Marktanteile. Eines ist klar: Digitalisierung ist kein Nice-to-have. Sie ist die Grundlage für zukunftsfähige, nachhaltige und wirtschaftlich erfolgreiche Hotelprojekte.

Domagoj Dolinsek.

Zum Autor

Domagoj Dolinsek hat mehr als zehn Jahre Erfahrung bei der Planung und Bauleitung internationaler Großprojekte. Der Branchenexperte kennt die Herausforderungen der Bau- und Immobilienindustrie. Aus eigener Erfahrung wollte er die Projektdokumentation und Kommunikation der Projektbeteiligten am Bau mit einer cloudbasierten Applikation vereinfachen. Das war der Grundstein für die Entwicklung von Planradar im Jahr 2012. Domagoj Dolinsek arbeitet an Lösungen für Großkunden, um die Effizienz im Bau- und Immobiliengeschäft zu verbessern.    

>> Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 10-11/2025 erschienen.