Umweltbewusstsein wirkt nur, wenn Mitarbeitende die Ziele verstehen und mittragen. Hoteliers und Experten zeigen, wie Teams sensibilisiert und nachhaltige Praktiken in den Alltag integriert werden können.
Sie sind es, auf die es ankommt: „Mitarbeitende spielen eine Schlüsselrolle, wenn es um Nachhaltigkeit im Hotel geht“, sagt Expertin Suzann Heinemann, Gründerin des Greensign Instituts, das Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit zertifiziert und unterstützt. Ihre Begründung: „Mitarbeitende machen Nachhaltigkeit sichtbar und erlebbar – für Gäste genauso wie für die Kollegen.“ Der wichtigste Ansatz sei daher die aktive Teilhabe. „Denn jeder im Team soll nicht nur Vorgaben umsetzen, sondern eigene Ideen einbringen und spüren, dass sein Beitrag einen Unterschied macht“, so Heinemann weiter.
Das bestätigt Lukas Obendorfer, Nachhaltigkeitsmanager im Hotel Der Birkenhof in Neunburg vorm Wald: „Viele Ideen entstehen direkt aus unseren Teams, weil die Mitarbeitenden am besten wissen, wo im Alltag Ressourcen gespart oder Abläufe optimiert werden können. Wir verstehen Nachhaltigkeit als Gemeinschaftsprojekt – und genau diese Beteiligung macht es lebendig.“ Im Birkenhof gibt es daher regelmäßig Team-Workshops und kleinere „Green Challenges“. Das sind Wettbewerbe um die meisten Verbesserungsvorschläge oder das beste Energieverbrauchsverhalten in den Abteilungen.
Auch im Empire Riverside Hotel in Hamburg gelten die Mitarbeitenden als „Herzstück“ der Nachhaltigkeitsstrategie. „Ohne ihr Engagement wären viele Ideen reine Theorie. Die wirkliche Umsetzung erfolgt immer auf der operativen Ebene, also durch das Team vor Ort“, erklärt General Manager Enrico Ungermann. Ebenso wertvoll sei das direkte Feedback aus den Abteilungen: Was funktioniert im Alltag, was nicht? Wo können wir nachjustieren.
Das Empire Riverside Hotel veranstaltet jährlich einen Nachhaltigkeitstag, bei dem Mitarbeitende, Kunden und Lieferanten zusammenkommen, um sich über Nachhaltigkeitsprojekte auszutauschen. „In diversen Workshops setzen wir uns mit aktuellen Themen auseinander, teilen unsere Erfolge ebenso wie unsere Rückschläge – und skizzieren, wohin die Reise gehen soll. Dieser Tag schafft Transparenz, Austausch und Inspiration auf allen Ebenen“, beschreibt Ungermann.
„Wir erleben, dass Nachhaltigkeit längst ein entscheidendes Kriterium ist, um als moderner Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.“
Steffen Seichter, Nachhaltigkeitsbeauftragter Scandic Hotels Deutschland und Polen
Wie wichtig es ist, dass Nachhaltigkeit nicht nur von oben herab verordnet, sondern gemeinsam gestaltet und gelebt wird, unterstreicht Merle Losem, Geschäftsführerin der Deutschen Hotelakademie (DHA), die in Kooperation mit Greensign eine Weiterbildung zum Geprüften Nachhaltigkeitsmanager anbietet. „Trainings mit Praxisbezug, konkret vereinbarte Ziele und kleine Erfolgserlebnisse im Alltag fördern die Motivation und das Engagement in Sachen Nachhaltigkeit“, sagt Losem.
Viele Wege führen zum Ziel: Nachhaltigkeit als Aufgabe für alle
Nachhaltig aufgestellte Hotelgruppen wie Scandic Hotels oder die Adler Spa Resorts & Lodges haben sogar Gruppen wie „Green Committees“ oder „Green Teams“ gegründet. Caroline Pescoll, Sustainability Managerin der Adler Gruppe, erläutert die Idee dahinter: „In jedem unserer Hotels gibt es ein Green Team, das sich aus Vertretern verschiedener Abteilungen zusammensetzt. Diese Gruppe entwickelt neue Maßnahmen und trägt wichtige Informationen zurück in ihre jeweiligen Abteilungen. So schaffen wir eine klare Kommunikationsstruktur und fördern gleichzeitig die aktive Beteiligung aller Mitarbeitenden an unseren Nachhaltigkeitsinitiativen.“
General Manager Steffen Seichter vom Hotel Scandic Hamburg Emporio berichtet, dass die Mitarbeitenden eingeladen werden, aktiv Ideen einzubringen. Das findet im Rahmen des jährlichen „Nordic-Swan-Workshops“ statt – die Hotelgruppe agiert nach den Standards des skandinavischen Umweltzeichen „Nordic Swan Ecolabel“. Dazu sagt Seichter: „Wir halten die Barriere bewusst niedrig und verfolgen jede Idee weiter.“
Darüber hinaus absolvieren alle Teammitglieder einmal jährlich verpflichtend eine Schulung zur Nordic-Swan-Zertifizierung, die die Anforderungen des Nachhaltigkeitssiegels vermittelt. Zusätzlich werden aktuelle Corporate-Social-Responsibility-Themen (CSR) behandelt, sodass Umwelt- und Sozialverantwortung fest im Arbeitsalltag verankert werden. „Bei einem ‚Sustainability Hackathon‘ entstand zudem die Idee, Gäste durch einen einfachen Hinweis auf das Abstellen des Wasserhahns beim Zähneputzen aufmerksam zu machen – eine kleine Maßnahme, die in der Testphase den Wasserverbrauch deutlich senkte“, berichtet Seichter.

Ein Hotel, das bewusst auf derartige Rahmenformate verzichtet, ist das Schwarzwald Panorama in Bad Herrenalb. „Nachhaltigkeit ist ein so fester Bestandteil unserer DNA und unserer täglichen Arbeit, dass es dafür keines weiteren spezifischen Rahmens bedarf“, hebt Nachhaltigkeitsmanagerin Darlene Schwabroch hervor. Stattdessen würden alle Aktivitäten in Morgenmeetings oder Mitarbeiterversammlungen kommuniziert. Darüber hinaus bietet das Hotel in regelmäßigen Abständen interne Schulungen für Nachhaltigkeit an und besucht regionale Partner – vom Biohof über den Baumwipfelpfad bis zur Fairtrade-Messe.
Ähnlich sieht es Jonas Mog, Geschäftsführer des konsequent nachhaltig ausgerichteten Ahead Burghotels in Lenzen sowie Fachvorstand für Sustainability beim Fachverband Hospitality Sales & Marketing Association (HSMA). Er verzichtet in seinem Haus auf spezialisierte Teams, stattdessen wird Nachhaltigkeit als Aufgabe aller verstanden. „Das steigert die Identifikation und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Mog. „Nachhaltigkeit sollte Chefsache sein und auch von der Führungsetage authentisch vorgelebt werden, sonst verliert das Unternehmen an Glaubwürdigkeit und es entsteht schnell der Eindruck von Greenwashing.“
Erfolge sichtbar machen: Motivation durch Transparenz
Damit die Beteiligung der Mitarbeitenden nicht nachlässt, ist es entscheidend, Erfolge sichtbar zu machen. Die transparente Kommunikation von Fortschritten – intern wie extern – schafft Akzeptanz und spornt an. „Regelmäßige Erfolgskommunikation motiviert und zeigt, dass sich Engagement lohnt“, weiß Suzann Heinemann vom Greensign Institut. Sandra Rochnowski, Professorin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin, betont: „Wichtig ist, dass Aufgabenstellungen den Arbeitsalltag von Mitarbeitenden betreffen, optimieren und erleichtern.“
Im Hotel Birkenhof wird über Fortschritte – von reduzierten Abfallmengen bis CO2-Einsparungen – regelmäßig im Team-Meeting berichtet. Dabei hat sich gezeigt, dass viele konkrete Verbesserungen direkt auf Ideen der Mitarbeitenden zurückgehen. Beispielsweise entwickelte das Housekeeping-Team des Birkenhofs eine Möglichkeit, Reinigungsmittel effizienter einzusetzen, was im Ergebnis nicht nur die Umwelt, sondern auch Kosten schont. „Das hat gezeigt, dass Nachhaltigkeit im Alltag der Mitarbeitenden entsteht“, so Lukas Obendorfer, der Nachhaltigkeitsmanager des Hauses.
Im Schwarzwald Panorama hatte das Housekeeping-Team die Idee, Schilder im Müllraum in den Muttersprachen der Belegschaft zu beschriften. Eine einfache, aber wirkungsvolle Maßnahme, um Sprachbarrieren zu überwinden und die korrekte Mülltrennung zu erleichtern. Das Hamburger Empire Riverside wiederum veröffentlicht quartalsweise einen Bericht, der auf der Website für alle zugänglich ist. „Darin zeigen wir auf, welche Projekte realisiert wurden, welche Fortschritte daraus folgten und welche Themen wir in Zukunft angehen wollen“, so General Manager Ungermann. Die Adler Spa Resorts & Lodges teilen Fortschritte im Mitarbeiter-Newsletter und in Schulungen. Für Nachhaltigkeitsmanagerin Caroline Pescoll kommt das an: „Der größte Erfolg ist, dass wir dadurch Abläufe und Prozesse optimieren konnten und unseren ökologischen Fußabdruck sichtbar reduziert haben.“
Know-how für mehr Sustainability
Mit dem staatlich zugelassenen Lehrgang „Geprüfter Nachhaltigkeitsmanager“ vermittelt die Deutsche Hotelakademie (DHA) nicht nur fundiertes Fachwissen, sondern fördert auch die aktive Gestaltung und Umsetzung von Nachhaltigkeitskonzepten in der Hotellerie. „Unsere Absolventen lernen, wie sie Nachhaltigkeit strategisch und operativ in den Hotelalltag integrieren und ihr Team dafür begeistern können“, erläutert DHA-Geschäftsführerin Merle Losem. „Als Geprüfte Nachhaltigkeitsmanager sind diese Mitarbeitenden in ihren Unternehmen auch Nachhaltigkeits-Botschafter, die andere mitnehmen und für dieses so wichtige Thema begeistern und motivieren.“
Die berufsbegleitende, digitale Weiterbildung in Kooperation mit Greensign legt Wert auf Praxisbezug und Projektarbeit. Absolventen können schon während des Lehrgangs konkrete Maßnahmen in ihren Betrieben starten, Prozesse anstoßen und Nachhaltigkeit langfristig im Unternehmen verankern. Der Lehrgang richtet sich an Fach- und Führungskräfte in der Hotellerie und Gastronomie, die Nachhaltigkeit als zukunftsweisenden Erfolgsfaktor verstehen und systematisch im eigenen Betrieb umsetzen möchten.
Herausforderung: Auch im Alltag engagiert bleiben
Aus Gesprächen mit Experten und Hoteliers wird deutlich: Die größte Herausforderung in den Unternehmen ist die Balance zwischen operativem Druck und der langfristigen Nachhaltigkeitsstrategie. „Viele Teams sind personell knapp besetzt und müssen effizient arbeiten – das lässt wenig Raum für Kreativität, Reflexion und Veränderung“, berichtet Weiterbildungsexpertin Merle Losem von der DHA. „Zudem fehlen oft konkrete Handlungsanleitungen und fachlicher Input, der den Mitarbeitenden zeigt, wie sie Nachhaltigkeit wirklich umsetzen können.“
Hotelier Jonas Mog sieht eine weitere Schwierigkeit in der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern, etwa im Housekeeping: „Dort wird Engagement oft durch Druck, Unwissenheit und die Angst, etwas falsch zu machen, zunichte gemacht.“ Die Adler Häuser begegnen Herausforderungen oder Skepsis mit offener Kommunikation und Transparenz. „Mitarbeitende werden frühzeitig eingebunden, können Fragen stellen und eigene Ideen einbringen“, schildert Caroline Pescoll, Sustainability Managerin des Hauses.
Auch im Birkenhof werden Rückmeldungen der Mitarbeitenden ernst genommen: „Offenheit und Dialog sind entscheidend. Wir hören zu, nehmen Anliegen ernst und erklären den Sinn von Maßnahmen“, sagt Nachhaltigkeitsmanager Lukas Obendorfer. Im Empire Riverside Hotel setzt man auf offene, wertschätzende Gespräche, während man im Schwarzwald Panorama Hotel auf Geduld und Einfühlungsvermögen baut. „Manche Menschen erreicht man über Argumente, andere über emotionale Bilder“, so Nachhaltigkeitsmanagerin Darlene Schwabroch. Wichtig sei, an der eigenen Vision festzuhalten und den Dialog zu suchen, der nicht belehrend, sondern inspirierend wirkt.
Ein durchdachtes Onboarding legt zugleich den Grundstein, um neue Teammitglieder bereits vor dem ersten Arbeitstag für das Thema zu gewinnen. Darlene Schwabroch betont, dass die Sensibilisierung bereits im Bewerbungsprozess startet. „Noch vor dem ersten Arbeitstag erhält jeder künftige Mitarbeitende eine Onboarding-Mappe mit praktischen Informationen und nachhaltigen Impulsen – etwa einer visuellen Anleitung zur korrekten Abfalltrennung.“ Am ersten Arbeitstag folgt eine ausgiebige Hausführung, die auch in den Nasch- und Artengarten, das Ecoboard sowie den mehrsprachig beschrifteten Müllraum umfasst.
Event-Tipp: GreenSign Future Lab 2025
Beim ersten Greensign Future Lab wird das JW Marriott Berlin vom 1. bis 3. Dezember 2025 zum Nachhaltigkeits-Hub für die Branche: „Das Greensign Future Lab versteht sich als Plattform, die Inspiration und Wissen direkt in die Betriebe trägt. Teilnehmende können nicht nur von den Inhalten profitieren, sondern auch selbst ihre Ideen und Best Practices einbringen. „Wir wollen Formate schaffen, in denen Mitarbeitende sichtbar werden – ob durch Panels, Workshops oder Netzwerkrunden. Denn letztlich sind sie die besten Botschafter, weil sie den direkten Gästekontakt haben“, erläutert Suzann Heinemann, Gründerin des Greensign Instituts. Ein Highlight ist die sogenannte Stand-up-Night: Hier hat jeder Teilnehmende die Möglichkeit, auf der Bühne in einem Drei-Minuten-Pitch seine Nachhaltigkeits-Vision oder Erfolgsgeschichte zu präsentieren – ein Networking-Format, das Mut machen und neue Perspektiven eröffnen soll.
Im Empire Riverside in Hamburg gibt es beim Onboarding sogar einen eigenen Zeitslot. „Neue Kollegen erleben so von Anfang an, dass Nachhaltigkeit keine Randnotiz, sondern ein integraler Bestandteil unserer Unternehmenskultur ist“, betont Enrico Ungermann. Ähnlich strategisch gehen die Adler Spa Resorts & Lodges vor. Laut Caroline Pescoll werden alle neuen Mitarbeitenden zu Beginn ihrer Tätigkeit umfassend über das Nachhaltigkeitsprogramm „Adler for Planet“ informiert. „Zusätzlich erhalten neue Teammitglieder einen digitalen Welcome-Letter, in dem wir unser Projekt vorstellen und einen Überblick über unsere wichtigsten Nachhaltigkeitsinitiativen geben“, so Pescoll.
Das Scandic Hamburg Emporio kombiniert mehrere Ansätze: „Am ersten Tag schulen wir beim sogenannten ‚Orientation Day‘ das Thema Nachhaltigkeit analog, abgerundet durch eine ausführliche Begehung aller Hotelbereiche“, so General Manager Steffen Seichter. „Ergänzend gibt es verpflichtende Online-Kurse, in denen die 30-jährige Nachhaltigkeitshistorie der Hotelkette sowie ihre Zukunftspläne vermittelt werden.“
Für das Ahead Burghotel, das ein ganzheitlich veganes Konzept verfolgt, ist diese frühe Verankerung unverzichtbar. „Nachhaltigkeit ist – genauso wie Servicequalität oder Hygiene – eine Selbstverständlichkeit und Grundprinzip unseres Handelns“, hebt Hotelchef Jonas Mog hervor. Die Authentizität, mit der das Thema kommuniziert werde, sei der Schlüssel: „Wir erleben, dass neue Teammitglieder teilweise hunderte Kilometer umziehen, um bei uns im Einklang mit ihren moralischen und ethischen Vorstellungen zu arbeiten.“ Diese gelebte Vision schaffe Vertrauen schon lange vor der eigentlichen Bewerbung.
Gemeinsame Werte wirken anziehend auf neue Mitarbeiter
Nachhaltigkeit trägt als entscheidender Faktor auch dazu bei, als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Insbesondere für die jüngere Generation ist dies ein zentrales Motivations- und sogar Ausschlusskriterium. Steffen Seichter vom Scandic Hamburg Emporio sagt: „Wir haben in unzähligen Interviews gehört, dass man sich bewusst für uns entscheidet und persönliche Werte mit Unternehmenswerten abgleicht.“ Die Fluktuation in einigen deutschen Häusern läge deutlich unter fünf Prozent, darin sehe er einen direkten Zusammenhang. Auch das Empire Riverside und das Schwarzwald Panorama erleben, dass ihr nachhaltiges Wirken Fach- und Führungskräfte anzieht, die ähnliche Wertvorstellungen teilen. HSMA-Fachvorstand Jonas Mog sieht darin einen klaren Trend für die kommenden Jahre: „Mitarbeitende suchen immer stärker nach Arbeitgebern, die ihre Werte authentisch vertreten.“
Insgesamt zeigt sich, dass gelebte Nachhaltigkeit im Team keine isolierte Strategie ist, sondern ein ganzheitlicher Prozess, der in allen Bereichen des Hotelbetriebs verankert sein muss. Das beginnt mit der Auswahl und dem Onboarding der Mitarbeitenden, wird durch aktive Partizipation und transparente Kommunikation gefördert und überwindet Herausforderungen durch offenen Dialog. Hoteliers, die diesen Weg gehen, stärken nicht nur ihr ökologisches und soziales Profil, sondern bauen auch eine engagierte, loyale und stolze Belegschaft auf. Sie machen ihre Teams zu Botschaftern und ihre Häuser zu zukunftsgewandten Orten verantwortungsvollen Handelns.
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