Porträt Haubers Naturresort: Eine Familie – ein Team

Sie agieren und gestalten gemeinsam: Klaus Hauber (vorn) und seine Kinder (von links) Eva, Tobias und Tanja.
Sie agieren und gestalten gemeinsam: Klaus Hauber (vorn) und seine Kinder (von links) Eva, Tobias und Tanja. © Michael Colella

Geborgenheit, Gastfreundschaft und ein Gefühl von Glück – dafür ist Haubers Naturresort bekannt. Doch wie bewahrt man diese Werte, wenn ein Schicksalsschlag alles verändert?

Inmitten von Seen, Bergen, eigenen Wiesen und Wäldern: Gäste des Haubers Naturresorts, einem Viersterne-Superior-Hotel in Oberstaufen im Allgäu, finden auf rund 62 Hektar viel Raum zur Entspannung. 71 Zimmer und Themensuiten verteilen sich auf „Landhaus“ und „Gutshof“ – ein Zuhause auf Zeit und ein Ort für Erholung, Gesundheit, Kulinarik, Wellness, Golf und Events. All das entstand aus dem Nichts. „Meine Eltern kauften 1955 einen kleinen Bauernhof – ganz auf Kredit, was damals ungewöhnlich war“, so Klaus Hauber, der das Naturresort gemeinsam mit seinen Kindern als zweite und dritte Generation führt.

Mit viel Eigenleistung entstand Anfang der 1970er-Jahre ein weiteres Haus, in dem Barbara und Xaver Hauber erste Ferienwohnungen und Gästezimmer einrichteten. „Dieses Entwickeln, dieses Innovativsein lag schon immer in unserer Familie“, erzählt Klaus Hauber und nennt ein weiteres wichtiges Fundament: „Bei uns gilt die Leitlinie, dass man zusammenhält, dass die Familie wie eine Burg ist. Wir kommunizieren ehrlich, respektvoll und suchen den Konsens – das gibt enorme Kraft.“

Schon mit 16 Jahren lernte Klaus Hauber seine spätere Frau Sigrid kennen. „Wir haben uns durch die Jugend begleitet, Fachabitur gemacht und Zukunftspläne geschmiedet.“ Klaus absolvierte eine landwirtschaftliche Ausbildung, Sigrid wurde Hotelfachfrau und schloss ein Tourismusbetriebswirtschaftsstudium ab. 1989 pachtete das Paar den elterlichen Betrieb und baute ihn zur Dreisterne-Pension mit 19 Zimmern und Schwerpunkt auf Schrothkuren um. „Das war für uns die effizienteste Lösung: wenig Fläche, aber ganzjährige Auslastung“, betont Klaus Hauber. Seine Philosophie ist geprägt von den Worten seines Vaters: „Mache die Arbeit so, dass sie einen Wert hat – sinnvoll, qualitätsvoll und wirtschaftlich tragfähig.“

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    Das Hotel liegt am Südhang der Alpe Meerau, umgeben von 60 Hektar Natur, Wäldern und Wiesen.
    © Haubers Naturresort
    Das Hotel liegt am Südhang der Alpe Meerau, umgeben von 60 Hektar Natur, Wäldern und Wiesen.
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    Gemütlichkeit im Gutshof auf rund 39 Quadratmetern: Das Zimmer „Jugetbach“ mit großem Wohn- und Schlafbereich.
    © Tobias Burger
    Gemütlichkeit im Gutshof auf rund 39 Quadratmetern: Das Zimmer „Jugetbach“ mit großem Wohn- und Schlafbereich.
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    Im „Schwalbennest“ wird 205 Höhenmeter über dem Hotel bei schönem Wetter das Sonntagsfrühstück serviert.
    © Haubers Naturresort
    Im „Schwalbennest“ wird 205 Höhenmeter über dem Hotel bei schönem Wetter das Sonntagsfrühstück serviert.
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    Wellness-Highlight im Resort: Der Naturbadeteich vor dem „Haus am See“.
    © Haubers Naturresort
    Wellness-Highlight im Resort: Der Naturbadeteich vor dem „Haus am See“.

Die klare Vision: Natur, Gesundheit und Erholung

1991 folgte der erste schwere Schlag: Einen Tag vor der Hochzeit von Sigrid und Klaus Hauber brannte der Bauernhof ab – und war unterversichert. Doch die Seniorchefin richtete den Blick schnell wieder nach vorne und fokussierte sich darauf, dass weder Menschen noch Tiere zu Schaden gekommen waren. Sigrid und Klaus heirateten wie geplant, gut neun Monate später wurde Tochter Tanja geboren, zwei Jahre später folgte Eva. 1996 wurden Sigrid und Klaus Hauber Eigentümer des Betriebs; die Geschwister von Klaus Hauber erhielten Anteile an Grundstücken.

„Schon sechs Wochen später kauften meine Frau und ich das 27 Hektar große Nachbargrundstück. Das war eine mutige Entscheidung, aber wir hatten sie auf Basis einer gründlichen Risikobewertung getroffen. Wir sind unserer Vision gefolgt. Denn uns war klar: Die Menschen suchen Natur, und wir wollten das Thema Gesundheit weiterentwickeln.“

Stetiges Wachstum: vom „Landhaus“ bis zum „Haus am See“

1999 wurde das „Landhaus“ auf 27 Zimmer erweitert und ein Schwimmbad hinzugefügt. 2001 kam Sohn Tobias zur Welt. 2003 legte man einen 2,5 Kilometer langen Klimapfad an, der sich heute idyllisch über das Grundstück schlängelt. 2005 wurden weitere 30 Hektar Land in direkter Nachbarschaft erworben, auf denen der „Gutshof“ und schließlich das „Schwalbennest“ entstanden, ein Aussichtsplateau oberhalb des Hotels mit offener Küche, Terrasse und Hängeschaukeln. „Die Finanzkrise 2009 war für uns keine leichte Zeit“, berichtet Klaus Hauber.

Wichtig wurde eine strategische Beratung, die Hauber für bedeutsam hält: „Ein Berater begleitet mit Weitblick. Wir erstellen nicht nur regelmäßige Innovations-, sondern auch Betriebsentwicklungspläne für 15 bis 20 Jahre – inklusive Budgetierung.“ Christoph Nussbaumer ist einer dieser wichtigen Partner. Mutig ging es weiter: 2015 entstanden der Naturbadesee mit Quellwasser, der in der Diagonale 29 Meter Schwimmfläche bietet, sowie das „Haus am See“ – ein Kraftplatz mit Aroma-Saunen und Ruhe-Wasserbetten.

„Wir kommunizieren offen und ehrlich, begegnen uns mit Respekt – und finden gemeinsam Lösungen.“

Klaus Hauber, Bergbauer und Gastgeber im Haubers Naturresort

2019 dann die Tragödie: Bei einer morgendlichen Bergwanderung im Allgäu verunglückte Sigrid Hauber durch einen unachtsamen Moment und kam ums Leben. Zum Glück gab es klare, notariell abgesicherte Vereinbarungen. „Die Last einer Kontosperrung blieb uns erspart, wir waren durchgehend handlungsfähig“, sagt Klaus Hauber. Doch Schock und Trauer waren groß – gleichzeitig war das Hotel mit 130 Gästen gut besucht. Noch heute schätzt Klaus Hauber vor allem den Zusammenhalt und die Loyalität im Team: „Unsere Mitarbeiter waren vom Feinsten. Ebenso fantastisch reagierte Bianca Keybach, unsere Kommunikationsberaterin.“

Sie informierte das Team und sorgte noch am selben Abend dafür, dass die Gäste schriftlich benachrichtigt wurden – mit der Information, was geschehen war, der Bitte, nicht zu viele Fragen zu stellen, da auch die Mitarbeitenden betroffen seien, und dem Hinweis, dass der Betrieb weitergehen werde. „Enorm hilfreich waren die vermittelnden Zusammenkünfte, die Bianca Keybach mit uns durchführte. Sie haben uns sehr gestützt und neu ausgerichtet“, resümiert die Familie.

Hotellerie und Landwirtschaft in enger Kooperation

Tanja und Eva Hauber hatten nach ihrem BWL-Masterstudium zunächst den Plan, weitere Erfahrungen zu sammeln und im Schloss Elmau zu arbeiten. Doch alles kam anders: „Dietmar Mueller-Elmau veranlasste sofort Aufhebungsverträge, damit wir umgehend in unserem Familienbetrieb die Führung übernehmen konnten“, erinnern sich die Schwestern dankbar. Gemeinsam erledigten sie erstmals die Lohnfortzahlungen. „Das hatte sonst Mama gemacht, und bis auf die Steuerberatungsangestellte kannte sich niemand damit aus. Da mussten wir uns schnell einarbeiten. Wir haben eher funktioniert als realisiert.“ Ein halbes Jahr später kam dann noch Corona.

Rückblickend empfinden die beiden die Corona-Zeit sogar als hilfreich: „Wir konnten uns sortieren, mit dem Team viel kommunizieren und den Verlust gemeinsam verarbeiten“, sagt Eva Hauber und Tanja Hauber ergänzt: „Mama war im Hotel die zentrale Person, viele hatten eine enge Bindung zu ihr. Auch die Gäste haben Anteil genommen. Die meisten schafften es, unseren Ort weiterhin positiv zu sehen und blieben Stammgäste. Für einige wenige war das emotional nicht möglich.“

Tanja und Eva Hauber haben die anfallenden Aufgabengebiete im Hotel schnell nach ihren jeweiligen Talenten aufgeteilt. Tobias Hauber, der gerade sein Masterstudium in Tourismus und Freizeitwirtschaft abgeschlossen hat, kümmert sich gemeinsam mit seinem Vater um die land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeiten. Direkt im Anschluss an das Tophotel-Interview beispielsweise holten sie das Heu ein, das auch im Hotel eine zentrale Rolle spielt. Das Angebot reicht von Heu-Sirup bis Heu-Bett. Nur ein Beispiel, wie die Bereiche Hotellerie und Landwirtschaft ineinandergreifen.

Der nächste Schritt: Die Familie investiert weiter

Das erste Corona-Jahr nutzte Familie Hauber, um den Betrieb zu modernisieren und Zimmer zu renovieren. „Das hat auch unseren Mitarbeitenden Sicherheit gegeben.“ 2021 installierten sie weitere Pools, darunter einen Sportpool mit vier Bahnen und 25 Metern Länge. 22 Quadratmeter Wasserfläche stehen seitdem je Gast zur Verfügung. 2022 wurde ein Hackschnitzelwerk in Betrieb genommen. Die Anlage versorgt das Naturresort mit Wärme aus CO2-neutralem Holz, das zu 40 Prozent dem eigenen Wald entstammt. 2023 wurde E-Mobilität eingeführt. „Und jetzt stehen wir wieder an einem großen Investitionspunkt“, kündigt Klaus Hauber an.

Tobias Hauber ergänzt: „Wir reißen den ursprünglichen, noch von den Großeltern errichteten Gebäudeteil ab, bauen neu und größer – mit 33 zusätzlichen Gästezimmern. Dann verfügen wir über gut 200 Betten. Im vierten Stock entsteht ein Panoramarestaurant für alle Gäste, sodass es künftig keinen separaten Service mehr für Landhaus und Gutshof geben wird.“ Beide Gebäude werden über einen Gang verbunden, sodass niemand mehr mit Regenschirm zwischen den Häusern laufen muss. Außerdem wird es eine zentrale Rezeption geben. „Das Naturresort wächst zusammen – inklusive Eingangshalle und Lounge, wo man gemütlich ein Buch lesen oder sich am Abend mit Freunden auf einen Digestif treffen kann“, freut sich Tobias Hauber. Weitere Neuerungen sind ein lichtdurchfluteter Yogaraum mit Gartenzugang sowie ein großzügiger Fitnessbereich. Die Fertigstellung ist für August 2026 geplant. Familie Hauber macht im Sinne von Sigrid Hauber weiter – als ein Team mit Vision.