Hotelreportage Grand Hotel Les Trois Rois: Mutige Metamorphose

An der Decke über der Bar des Grand Hotels Les Trois Rois hängt eine Kunstinstallation von Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger, die an einen surrealen Garten erinnert.
An der Decke über der Bar des Grand Hotels Les Trois Rois hängt eine Kunstinstallation von Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger, die an einen surrealen Garten erinnert. © Grand Hotel Les Trois Rois

Die Basler Institution hat ihren Kopfbau an der Schifflände neu gestaltet. Für das Design zeichnet das renommierte Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron verantwortlich.

Einst waren sie glanzvolle Bühnen großer Geschichten: Grandhotels. Doch in einer Zeit, in der Reisende nach neuen Erfahrungen und einer modernen Form von Luxus suchen, reicht die Erinnerung an die goldenen Zeiten nicht mehr aus.  Diesen Wandel hat auch das Les Trois Rois in Basel erkannt – und in großem Stil in den Umbau seines Nebengebäudes investiert.

Voller Geschichte, im Herzen jung

Das bis 2006 „Hotel Drei Könige“ genannte Haus zählt zu den ältesten durchgehend betriebenen Hotels der Schweiz. Das Hauptgebäude wurde 1844 von Amadeus Merian entworfen und in den folgenden 160 Jahren immer wieder umgebaut. 1902 wurde der Kopfbau an der Schifflände als Basler Kantonalbank errichtet, diente im Laufe der Zeit aber unterschiedlichen Zwecken: In den 1930er-Jahren als Schalterhalle der SBB und in den 1980er-Jahren als Tourismusbüro.

2004 übernahm der Dentaltechnik-Unternehmer Thomas Straumann das „Drei Könige“ und den südlichen Teil am Blumenrain 2. In enger Zusammenarbeit mit dem Basler Architekten Christian Lang wurde das Haus aufwendig und nach denkmalpflegerischen Vorgaben restauriert. Einzelne Bereiche wurden dabei anhand der Originalpläne rückgebaut und originalgetreu rekonstruiert. Straumann band das Nebengebäude in das Ensemble ein und eröffnete 2006 das Hotel unter dem Namen Les Trois Rois neu.

Rund 20 Jahre später stand jetzt erneut eine Veränderung an. Die Eigentümerfamilie Straumann wollte dem Nebengebäude eine eigenständige Identität geben – losgelöst vom Haupthaus, aber im Geist der gemeinsamen Geschichte. Modern, urban und mit Charakter. Ausdruck findet das auch in der Philosophie des Hauses: „Rich in History, Young at Heart“. „Gleich beim Eintreten soll der Gast spüren, dass er eine andere Welt betritt“, sagt Eigentümer Thomas Straumann. „Wir wollten zeigen, dass sich das Les Trois Rois auch zeitgenössisch denken lässt.“

Französische Klassik revisited

Für die Umsetzung holte der Hotelier das renommierte Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron an Bord. Jacques Herzog, selbst langjähriger Stammgast, kennt das Haus – und die Herausforderungen. Gemeinsam mit Pierre de Meuron hat er rund
600 Projekte in 40 Ländern realisiert, darunter auch Hotels wie das Volkshaus in Kleinbasel oder das Stadthotel Kleiner Löwe in Bregenz. In enger Absprache mit der Eigentümerfamilie banden sie gestalterisch das Nachbargebäude in das Ensemble ein, wobei sie die Formensprache und Farbgebung des historischen Hauptgebäudes respektvoll weiterführten. Die Neugestaltung des Kopfbaus umfasste gleich mehrere Bereiche: das Restaurant „Banks“, den Bankettsaal, sieben Suiten und Zimmer, den Wellnessbereich „Seijaku“ und „The Council“, eine Zigarrenlounge.

„Das Les Trois Rois ist geprägt von einer eleganten, klassizistischen Architektur und französischem Flair. Der neu konzipierte Kopfbau ist inspiriert von eben dieser französischen Klassik, fügt aber auch neue Elemente in zeitgenössischer Sprache hinzu“, so die Architekten.

Innen und Außen verschmelzen

Ungewöhnliche Materialkombinationen, überraschendes Licht, kräftige Farben: Jedes Stockwerk ist eine eigene Erlebniswelt. So befindet sich im Zentrum des Restaurants namens „Banks“ eine Bar mit einem darüber schwebenden Baldachin: eine schillernde Installation des Künstlerduos Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger (Steiner & Lenzlinger, Basel), die wie ein surrealer Garten im Innenraum konzipiert ist. Um die Bar gruppierten die Architekten gemütliche Sitznischen, die sowohl als Lounge als auch mit Tischen und Sesseln zum Essen einladen. Entlang der Fenster wurde das Niveau des Bodens um drei Stufen angehoben, um so eine direktere Verbindung zwischen Innenraum, Rhein und Stadt zu schaffen. Diese Erhöhung des U-förmigen Fensterbereichs war entscheidend, um dem Restaurant einen eigenen und intimen Charakter zu verleihen.

Steckbrief Grand Hotel Les Trois Rois

  • Bauzeit: Juli 2023 bis Juni 2025
  • Eigentümer: Thomas Straumann
  • General Manager: Mark Jacob
  • Klassifizierung: 5 Sterne superior
  • Zimmer & Suiten: 82 (insgesamt), 7 (im neuen Kopfbau)
  • Kooperation: The Leading Hotels of the World, Swiss Deluxe Hotels
  • Entwurfsarchitekt: Herzog & de Meuron, Basel
  • Investition: keine Angaben
  • Generalplaner: Bernstein Batir AG, Basel
  • Elektroingenieur: Etavis Kriegel + Schaffner AG
  • Tragwerksplaner: Schnetzer Puskas Ingenieure
  • HLK-Ingenieur: Gisiger Madörin AG
  • Lichtplaner: Kardoff Ingenieure Lichtplanung
  • Grundstücksfläche: 612 Quadratmeter
  • BGF: 2.846 Quadratmeter
  • BGF oberirdisch: 2.646 Quadratmeter
  • BGF unterirdisch: 200 Quadratmeter
  • Anzahl Stockwerke: 6
  • Grundfläche: 612 m2
  • Länge/Breite/Höhe: 34 m/20 m/26 m

Konstrastierende Oberflächen

Auf den ersten Blick fallen die mächtigen Säulen ins Auge, ebenso wie die filigranen Stuckaturen und kunstvollen Lampen. Spiegel an der Decke und reflektierende Metallflächen an den Wänden lassen den Raum größer wirken als er ist, sie vervielfältigen das Lichtspiel der Kristalllüster fast ins Unendliche.

Tische, Sessel, Hocker, Sofas und Wandverkleidungen stammen teilweise aus der Feder von Herzog & de Meuron. Nebenan befindet sich „The Council“, eine mondäne Zigarrenlounge, die sich in Form, Proportion und Ausstattung deutlich von den üblichen Räumen im Les Trois Rois abhebt. Die Architekten entfernten zunächst eine Geschossdecke, um mehr Raumhöhe zu schaffen. Auf diese Weise entstand ein vertikaler, kapellenartiger Raum, der mit kontrastierenden Materialien und Oberflächen spielt. Mit seinen zwei Cheminées und dem ringsum laufenden Sofa mutet er an wie ein intimer Raum. „Alle Elemente – von den keramischen Wänden über Möbel, Sofas, Hocker bis zu den Lampen – haben wir eigens für diesen Ort entworfen. Prototypen fertigten wir von Hand in unseren eigenen Werkstätten an“, erläutern die Architekten.

Enfilade von Räumen

Im darüberliegenden Geschoss wurden zunächst die inneren Wände und die abgehängte Decke entfernt. Auf diese Weise entstand ein großzügiger und multifunktionaler Tagungsraum mit großen verschiebbaren Wandelementen. Anhand von historischen Mustern am Bestandsbau skizzierten die Architekten neue Motive aus Messing und Samt für die Wände. Die Großzügigkeit des Raums wurde verstärkt, indem die Architekten die Decke und das auf verspiegelten Stützen ruhende Gebälk mit einem hochspiegelnden weißen Glanzlack überzogen.

Die 240 Quadratmeter große „Suite des Rois“, die einstige Präsidentensuite, wurde vom verwinkelten Dachgeschoss in die Beletage im ersten Obergeschoss verlegt. Sie ist jetzt als großzügiges „Raum-Kontinuum“ konzipiert, mit einer Enfilade von Räumen entlang der Fassade. Eine Enfilade bezeichnet eine Aneinanderreihung von Räumen, wie man sie aus Schlössern oder großen Wohnhäusern kennt, bei der die Türen auf einer Achse liegen und so eine durchgehende Sichtlinie ermöglichen. So kann man von einem Raum aus durch alle weiteren hindurchsehen.

Spiel mit Gegensätzen

Auch die vier Junior Suiten im dritten Obergeschoss sind als offene Wohnräume konzipiert. Rote Velournischen, mahagonifarbene Möbel und glänzend weiße Decken schaffen im Raum eine spielerische Leichtigkeit, die mit der eher klassischen Einrichtung im Hauptbau bricht. Im Dachgeschoss befindet sich der neue Wellnessbereich „Seijaku“ im Japan-Style – laut der Architekten ist hier eine beinahe „archaische Welt“ entstanden, in bewusstem Kontrast zur spiegelnden Eleganz der Suiten und des Ballsaals. Es gibt drei Behandlungsräume, eine Sauna, ein Dampfbad und verschiedene Ruhezonen mit einem Kamin und großen Fenstern zur Schifflände. Gebucht werden kann der Wellnessbereich auf Anfrage und nur von Hausgästen.

Japan-Flair unterm Dach

Die dunkle, wuchtige Balkenstruktur des Dachs erinnert dabei in Kombination mit den zahlreichen Trennwänden, Schiebeelementen und Einbauten aus Nussbaumholz, die mit Papier bespannt wurden, an die traditionelle japanische Onsen-Architektur. Die Böden sind mit Tatami-Matten, Holzbohlen oder rohen Steinplatten ausgelegt. Das Dampfbad ist als eigenständiger Baukörper konzipiert und schwebt quasi über dem zentralen Yogabereich.

Jacques Herzog betonte in einer „bz“-Sonderbeilage über das Les Trois Rois (4. Juni 2025), dass es ihm nicht um Design im herkömmlichen Sinn gehe. Den Architekten sei es wichtig gewesen, die Neugestaltung des Kopfbaus bis ins kleinste Detail umzusetzen. Die Ideen sollten bis hin zur Lampe oder dem Griff einer Tür sichtbar werden. Das sei Sorgfalt, die in der Architektur essenziell ist.

Über Herzog & de Meuron

Herzog & de Meuron, 1978 in Basel von Jacques Herzog (r.) und Pierre de Meuron gegründet, zählt zu den einflussreichsten Architekturbüros der Gegenwart. Mit ihren internationalen Projekten sind sie bekannt für ihre sorgfältige Materialwahl und den sensiblen Umgang mit dem Kontext. Zu ihren bekanntesten Werken zählen Tate Modern in London, Elbphilharmonie Hamburg und National Stadium Peking. Ihr Ansatz verbindet Funktionalität mit einer klaren, oft reduzierten Formensprache. Auch Hotels wie das Volkshaus Basel, das Hotel Kleiner Löwe in Bregenz und das Mandarin Oriental Lago di Como (Outdoor Pool & Spa) tragen ihre Handschrift.

Bild: Diana Pfammatter

>> Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 9/2025 erschienen.