Planung Spa-Konzepte für Erfolg und Gästezufriedenheit

Der Pool im Hotel Amrai Suites nimmt mit Kupferelementen Bezug auf das Montafon. Die Spa-­Atmosphäre, hier ein Entspannungsbereich, soll den Gast beruhigen und entschleunigen.
Der Pool im Hotel Amrai Suites nimmt mit Kupferelementen Bezug auf das Montafon. Die Spa-­Atmosphäre, hier ein Entspannungsbereich, soll den Gast beruhigen und entschleunigen. © Alpstein Architekten

Authentizität, Energieeffizienz und Design – das sollten Hoteliers bei der Spa-Planung kombinieren. Wir haben mit Experten gesprochen und zeigen aktuelle Projekte aus der Branche.

Gesine Ponto von Ciere - Spa Management hat eine feste Überzeugung: „Ein gut geplanter Spa-Bereich ist ein starker Umsatzmotor, denn er bringt drei wichtige wirtschaftliche Vorteile mit sich“, sagt die Spa-Beraterin und zählt auf: „Erstens: eine deutliche Ratensteigerung. Zimmer mit Zugang zu hochwertigen Spa-Angeboten lassen sich zu deutlich höheren Preisen verkaufen. In vielen Hotels liegen die Mehrerlöse durch die höhere Average Daily Rate ADR bei 15 bis 30 Prozent. Zweitens: Ein Spa sorgt für eine stärkere Ganzjahresauslastung. Es verlängert buchstäblich die Saison, was sich in Regionen mit schwacher Nebensaison positiv bemerkbar macht. Und drittens verstärkt sich die Kundenbindung, denn Wellnessgäste sind häufig besonders loyal.“

Armin Tittel, Architekt und Co-Geschäftsführer bei Alpstein Architektur, ergänzt: „Isoliert betrachtet könnte man annehmen, dass Spa-Bereiche aufgrund ihrer großen Flächen, aufwendigen Einrichtungen und energieintensiven Anlagen nicht profitabel sind.“ Umso wichtiger daher, perfekt zu planen.

Steht ein Umbau an, solle man zunächst „bisherige Erfahrungen und Kennzahlen auswerten“, rät Dagmar Rizzato, Geschäftsführerin von Rizzato Spa Consulting. Auch Armin Tittel empfiehlt, „alle bestehenden Defizite zu analysieren und dann die Ziele zu definieren“. Die Zieldefinition sei der Kompass für den Erfolg, ein klarer Fokus essenziell, betont Gesine Ponto: „Sollen durch den Umbau die Umsätze gesteigert, ein Alleinstellungsmerkmal etabliert oder vor allem Energie gespart werden? Das Ziel bestimmt den Planungsprozess.“

„Bei der Mindestgröße für ein Spa rechne ich die Anzahl der Zimmer mal 15 bis 30 Quadratmeter.“

Gesine Ponto, Inhaberin von Ciere - Spa Management

Was sind und was sollen künftig die Kernkompetenzen sein? So lautet Dagmar Rizzato zufolge die nächste Frage. Gerade eine klare Konzeption und die eindeutige Entscheidung für eine spezielle Kompetenz vermisse sie bei vielen Hotels. Bei der Findung des tragfähigen Unique Selling Points (USP) helfen unter anderem die Analyse von Lage, Standort und Mitbewerbern. „Noch nie gab es zu Spas so viele Studien, zielgruppenspezifische Daten und Informationen über Gäste. Dies sollte man nutzen, gleichzeitig über den Tellerrand schauen und Visionen entwickeln“, so Rizzato. Das gelte ebenso für Neubauprojekte: Auch hier sind Positionierung und Zielgruppen zu klären, bevor es ans Konzept geht. Erst dann sollten die Berechnung des Flächenbedarfs und die gestalterische Planung folgen.

Privatsphäre für die Gäste

Aus Sicht von Armin Tittel ist bei der Planung das ausgewogene Verhältnis von Wasserflächen zu Ruhezonen und individuellen Liegeflächen wesentlich. Gesine Ponto hat festgestellt, dass der Trend von einem großen Ruheraum hin zu kleineren separierten Bereichen gehe, die Gästen mehr Privatsphäre bieten.

Apropos Trends – was ist derzeit angesagt? Laut Architekt Armin Tittel sind es Rooftop-Spas, Panorama- und Themen-Saunen, Infinity- und Onsen-Pools, Schneeräume und Kältekammern sowie diverse Angebote, die sich um Longevity drehen. „Nicht eine maximale Anzahl von Saunen und Pools ist heute bedeutend, sondern das stimmige Gesamtkonzept mit einem Höchstmaß an Einzigartigkeit“, sagt Tittel. Gesine Ponto rät außerdem, an den Zugang für externe Gäste zu denken. „Diese können zusätzliche Umsätze bringen und dazu beitragen, die Investition in großzügige Flächenplanung monetär mit aufzufangen.“ Generell sollte die Lage des Spas auch mit Blick auf künftige Umbauten und Technikbedürfnisse gewählt werden. Laute Technik sollte räumlich getrennt werden können.

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    Ein Pool mit Panoramablick verbindet Wasser und Natur. Hier im A-Rosa Ifen Hotel im Kleinwalsertal, geplant von Alpstein Architektur.
    © A-ROSA Ifen Hotel
    Ein Pool mit Panoramablick verbindet Wasser und Natur. Hier im A-Rosa Ifen Hotel im Kleinwalsertal, geplant von Alpstein Architektur.
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    Visualisierung des neuen Outdoor-Whirlpools im Hotel Bergkristall in Oberstaufen mit Panoramablick.
    © Alpstein Architekten
    Visualisierung des neuen Outdoor-Whirlpools im Hotel Bergkristall in Oberstaufen mit Panoramablick.
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    Das neue Hotel Huus Quell im Schweizer Gonten, hier ein Rendering, setzt auf einen naturnahen Wellnessgarten.
    © Appenzeller Huus
    Das neue Hotel Huus Quell im Schweizer Gonten, hier ein Rendering, setzt auf einen naturnahen Wellnessgarten.
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    Mitten im Ruheraum: Die 360-Grad-Feuerstelle zählt zu den Highlights des erweiterten Spas der Schlossanger Alp im Allgäu.
    © Jenny Haimerl
    Mitten im Ruheraum: Die 360-Grad-Feuerstelle zählt zu den Highlights des erweiterten Spas der Schlossanger Alp im Allgäu.
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    Die Spa-Atmosphäre im Hotel Amrai Suites, hier ein Entspannungsbereich, soll den Gast beruhigen und entschleunigen.
    © Michael Huber
    Die Spa-Atmosphäre im Hotel Amrai Suites, hier ein Entspannungsbereich, soll den Gast beruhigen und entschleunigen.

„Grundsätzlich halte ich eine gewisse Flexibilität in den Raumkonzepten für wichtig“, unterstreicht Gesine Ponto und plädiert zudem für ausreichend Wirtschaftsfläche. Armin Tittel bringt eine „ausbaufähige Anzahl von Behandlungsräumen“ ins Spiel. Denn: „Behandlungsräume sind die Profitcenter im Spa-Bereich.“ Wann immer realisierbar, so der Architekt, sollten die Behandlungsräume mit Tageslicht ausgestattet sein. „Das erhöht die Aufenthaltsqualität für die Gäste, aber vor allem auch für die Therapeuten.“

Gäste herzlich empfangen

Die Mindestgröße eines Spas, das machen die Experten deutlich, sei – ebenso wie die Ausstattung – sehr individuell und immer „abhängig von der Hotelpositionierung, den Zielgruppen, dem Aufenthaltsmotiv, dem Budget und dem Mut des Investors“, so Dagmar Rizzato. Armin Tittel nennt als Richtwert mindestens 300 bis 10.000 Quadratmeter in Abhängigkeit zu Bettenanzahl und Ausrichtung, Gesine Ponto eine Faustformel: Zimmer-Anzahl mal 15 bis 30 Quadratmeter. Was den Grundriss angeht, „so sollte die Spa-Rezeption der Dreh- und Angelpunkt sein und so positioniert, dass sie als Anlaufstelle alle Gäste, die zur Sauna, zum Schwimmen, zur Behandlung oder ins Fitnessstudio wollen, direkt empfängt“, erläutert Armin Tittel. Gesine Ponto spricht von einer „idealerweise sternförmigen Struktur“ und verweist zugleich auf die Bedeutung möglichst kurzer Laufwege für die Mitarbeitenden. Letztlich sollte alles im Flow sein, rät Dagmar Rizzato und zählt auf: „Gäste, Logistik, Workflow und idealerweise noch der Sales Flow.“

Und wie sollte ein Spa gestaltet sein? „Die Region stiftet die Identität“, findet Architekt Tittel. Außerdem spiele in diesen hektischen Zeiten die mentale Gesundheit eine wichtige Rolle. Bedeutet: „Die Gestaltung sollte den Gast beruhigen, durch Reduktion, klare Linien, natürliche Oberflächen, ein stimmiges Farbkonzept und den nicht sichtbaren Einsatz schallabsorbierender Materialien.“ Ponto spricht gar von „wohlig-beschützenden Rückzugsorten“. Aber auch Instagram-taugliche Bereiche dürften nicht fehlen.

Attraktionen für Instagram

Was den Befragten zufolge ebenfalls an Bedeutung gewinnt, sind die Themen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. „Der Gast wird In Bezug auf den Verbrauch von Trinkwasser und Energie immer sensibler“, bemerkt Armin Tittel. Lösungen könnten sein: Schneeräume, deren Energie aus der Photovoltaik kommt, von Quellwasser gespeiste Kaltwasserbecken oder Naturpools. Letztere empfiehlt auch Gesine Ponto allen, die jetzt planen: „Sie sind perfekt im Hinblick auf Nachhaltigkeit, Kosteneffizienz und PR. Zwar sind die Investitionskosten leicht höher, die Betriebskosten aber dafür sehr überschaubar. Die Akzeptanz für niedrigere Wassertemperaturen ist in einem Naturpool deutlich höher.“ Und: Als Ergänzung für den Instagram-Faktor böten sich zum Beispiel ein Hot Hub oder ein Onsen-Liegepool mit Steg als Zugang an.

„Behandlungsräume sind die Profitcenter im Spa-Bereich.“

Armin Tittel, Alpstein Architektur

Was derzeit in Sachen Spa angesagt ist, zeigen drei aktuelle Beispiele. Das Fünfsterne-Superior-Hotel Huus Quell im Schweizer Gonten ging mit einem Holistic Spa an den Start. Auf mehr als 2.200 Quadratmetern setzen die Betreiber auf die heilende Kraft von Wärme und Wasser in einer Landschaft aus Tauch- und Floating-Becken, Saunen und Ruhebereichen, integriert in einen naturnahen Wellnessgarten. Das Spa wurde mit Mondholz aus umliegenden Wäldern gebaut, das während des Wachstums mehr als 3.000 Tonnen CO2 speichert. Zum gesunden Raumklima trägt zudem Lehm als Baumaterial bei.

Das Hotel Bergkristall im Allgäu, das sowohl Armin Tittel als auch Dagmar Rizzato betreuen, erweiterte seinen Spa-Bereich gerade von 2.700 auf 3.700 Quadratmeter. Entstanden sind unter anderem ein 14 Meter langer Indoor-Sportpool sowie ein Infinity-Whirlpool im Außenbereich mit Panoramablick in die Allgäuer Bergwelt. Die größere Fläche erlaubte außerdem weitere Ruheliegen und gemütliche Nischen. Ebenfalls neu sind ein großzügiger Spa-Concept-Store statt Rezeption, der neue Bereich Head Spa, renovierte Anwendungsräume sowie eine Pre- und After-Lounge zum Ankommen und Entspannen.

Die Natur zum Vorbild nehmen

Auch in der Schlossanger Alp in Pfronten wurde investiert. „Die Vision war, die sechs Hektar Natur, die uns umgeben, in das Alp Spa zu holen“, berichten die Gastgeber Beatrice und Bernhard Ebert, die mit dem Architekten Axel Stein aus Südfrankreich zusammengearbeitet haben. Zu den neuen Highlights zählen ein 16 mal elf Meter großer Außenpool in ovaler Form, eine Erdsauna, die über einen Miniteich erreichbar ist, und Naturgumpen zum Abkühlen. Ein Naturteich ist mit einem Bachlauf in unmittelbarer Nähe verbunden. Innen und außen gehen transparent ineinander über, außer im Cardio-Raum, „Die Innenausstattung soll das verlängerte Wohnzimmer unserer beliebten Kaminstube sein, entsprechend sind Farben, Stoffe und Ausstattung gewählt“, erläutern die Eberts. Instagrammable ist zudem der neue Ruhebereich mit 360-Grad-Feuerstelle.

>> Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 9/2025 erschienen.