Steigende Energiekosten treiben die Branche um. Smarte Gebäudeautomation bringt Entlastung – Neubauten werden direkt optimiert, ältere Häuser nachgerüstet. Drei Beispiele zeigen, wie Hoteliers und Technik-Profis das Thema angehen.
Mit Spannung blicken Fachleute auf diesen Termin: die Wiedereröffnung der Hotel-Ikone Brenners Park-Hotel & Spa in Baden-Baden, das seit Oktober 2021 umfassend renoviert wird. Zu Beginn wurde das Hauptgebäude vollständig entkernt und mit neuen Rohrleitungen, Elektrotechnik und Dämmung ausgestattet. Zugleich erfolgte die Modernisierung vorhandener Gebäudeleittechnik, des sogenannten Building Management System (BMS).
Es steuert das 104 Zimmer und Suiten umfassende Hotel mit drei Restaurants sowie den großzügigen Spa-Bereich in der angrenzenden Villa Stéphanie. „Das Brenners ist mehr als ein Hotel, es ist ein kleiner Stadtteil“, erläutert General Manager Stephan Bösch. Die Vernetzung und Verknüpfung der verschiedenen Liegenschaften – insgesamt gibt es rund um das Haupthaus elf Gebäude, zum Hotel allein zählen fünf – sei eine hochkomplexe Angelegenheit.
Lichtsteuerung: „eine Doktorarbeit“
Das neue BMS läuft im Datacenter des Hotels in einer virtuellen Serverumgebung und unterstützt dabei alle notwendigen Schnittstellen. Zudem ist es so gestaltet, dass es um zukünftige interoperable Automationslösungen erweitert werden kann, und es integriert bestehende heterogene Systeme verschiedener Hersteller und Schnittstellen. Heute laufen im Brenners unterschiedliche Generationen und Systeme von Automationsstationen mit den Regelungen und Steuerungen in 15 Informationsschwerpunkten sowie diversen Elektroverteilern.
„Bei unseren individuellen Zimmern und Suiten ist Kollege KI noch überfordert.“
Stephan Bösch, Brenners Park-Hotel & Spa
In den Subnetzen kommunizieren diese Komponenten mit verschiedenen Produkten wie BACnet oder DALI, mit einer neuen KNX-Anlage und weiteren Systemen (siehe Kasten auf Seite 75). 16 vorhandene C-Bus-Controller mussten dabei in das neue BMS eingebunden werden. „Die Hauptkomponenten werden über BACnet gesteuert“, erläutert dazu Siegbert Kühn, Technischer Leiter des Brenners. Mit der Integration des BMS im Brenners ist die PGA Gesellschaft für Prozess- und Gebäudeautomatisierungstechnik beauftragt.
In der Praxis hat die Automation Auswirkungen auf alle Bereiche des Hotels. Etwa auf die Zimmerausstattung. Um die Technologie zu testen, wurde zunächst ein Musterzimmer realisiert. „Als besonders wichtig hat sich dabei die Lichtsteuerung erwiesen“, sagt Bösch. „Über Lichtsteuerungen kann man bekanntlich Doktorarbeiten schreiben. Es ist gar nicht so einfach, einerseits eine intuitive Bedienung für Gäste zu gewährleisten und andererseits alle benötigten Komfortfunktionen zu realisieren. Wir haben uns sehr bemüht, die unvermeidliche Komplexität vom Gast fernzuhalten. Beispielsweise gibt es versteckte Schaltfunktionen, die nur für unsere Mitarbeiter nutzbar sind, die aber unsere Gäste nicht verwirren.“
Die Software ermöglicht es dem Hotel zudem, Einstellungen zu speichern, die der Gast während seines Aufenthalts gewählt hat – sei es beim Licht oder bei der Zimmertemperatur. Dann kann das Haus ihn beim nächsten Besuch mit genau diesen Einstellungen empfangen. „Wir überlegen noch, wie wir mit diesen Daten umgehen“, so Bösch. Schließlich beeinflussten auch weitere Faktoren das Wärme-Kälteempfinden eines Menschen, beispielsweise die Außentemperatur. Dass Gäste mit den neuen Schaltern im Zimmer nicht zurechtkommen, fürchtet der Bösch nicht. „Die Steuerung ist minimalistisch gestaltet“, erklärt er.
200 Bewegungsmelder im Einsatz
Bevor der Gast im Brenners nach seiner Ankunft ins Zimmer begleitet wird, aktiviert die Rezeption bereits die dortige Ankunftsbeleuchtung. Im Zimmer selbst kann der Gast seine individuellen Licht- und Temperatureinstellungen vornehmen. Begrenzungen nach oben oder unten gibt es nicht. „Lediglich die Gebäudesubstanz sollte nicht unter der Temperatur leiden“ sagt Bösch schmunzelnd. In den öffentlichen Bereichen ist unter anderem das Licht automatisch gesteuert. Zudem sind in allen Gebäuden die Bewegungsmelder „Komplex 200“ im Einsatz. Auf den von Gästen genutzten Hotelfluren herrscht jedoch niemals vollkommene Dunkelheit.
Die Markisen vor den Fenstern werden je nach Lichteinfall automatisch ausgefahren: Der Gast kann manuell eingreifen, wenn er mehr Sonne haben oder abdunkeln möchte. Auch die Badezimmer wurde renoviert – ohne berührungslose Armaturen. Stattdessen entschied man sich – wenn möglich – für die historischen Dornbracht-Armaturen. Diese wurden im Rahmen des Dornbracht-Programms „Recrafted“ wieder aufgearbeitet. „Glück hatten wir auch beim Austausch der Schließanlagen in der gesamten Liegenschaft“, so Bösch. „Da das aktuelle Produkt vom gleichen Hersteller stammt wie das bisherige, fand kein harter Übergang statt. Wir konnten die Schlösser nach und nach austauschen. Sie passen zum Bestand und wir besitzen im Haus das Know-how dafür.“
Auch der Spa-Bereich wurde automatisiert. Hier kann die Haustechnik beispielsweise die Wasseraufbereitung für das Schwimmbad per App steuern. „Die Wasserqualität muss der DIN-Norm entsprechen, das ist nicht immer einfach, da unser Wasser von verschiedenen Stellen kommt. Die Wassergewinnung für das Trinkwasser erfolgt aus Quellen aus dem Schwarzwald sowie aus zwei Grundwasserwerken in der Rheinebene. Die unterschiedlichen Härtegrade müssen dann im Haus angepasst werden“, erklärt Kühn.
Wenig Potenzial sieht man im Brenners in Bezug auf eine automatische Zimmervergabe. Diese kann in standardisierten Hotels so erfolgen, dass Etagen bei geringerer Auslastung nicht belegt werden, um Energie zu sparen. „Bei unseren individuellen Zimmern und Suiten sowie vielen Stammgästen mit speziellen Wünschen ist Kollege KI noch überfordert“, so Bösch.
Im Laufe der Sanierungsarbeiten wurden im Brenners auch zahlreiche energetische Maßnahmen umgesetzt. So erhielt das Hotel eine Wärmerückgewinnungsanlage, zudem wurde das Schieferdach des Haupthauses neu gedeckt und konnte an den flacheren Stellen in Absprache mit dem Denkmalschutz mit Solarpaneelen versehen werden.
Hightech in Konstanz
Ebenfalls im Süden der Republik, in Konstanz am Bodensee, eröffnete die aus dem Schweizer Engadin stammende Hoteliersfamilie Buff Mitte April das Buff Medical Resort. „Meine Familie besaß das Grundstück seit vielen Jahren. 2019 entwickelten mein Vater und ich gemeinsam ein innovatives Gesundheitskonzept für die Bebauung“, berichtet Jean Jacques Buff beim Rundgang durch das Gebäude. Vater und Sohn legten als begeisterte Sportler bei der medizinischen Ausstattung einen besonderen Schwerpunkt auf Präventionsmedizin und Regeneration. Ein weiterer wichtiger Aspekt war das Thema Nachhaltigkeit. Das sich auf mehr als 20.000 Quadratmeter erstreckende Smart Building wurde ab dem ersten Stockwerk in Holzbauweise errichtet. Die Beheizung erfolgt über ein Blockheizkraftwerk und auf dem Dach ist eine Solaranlage installiert.
Das Luxus-Resort bietet einen Außenpool, verschiedene Innenpools, Saunen, Gym, weitläufige öffentliche Bereiche sowie eine 5.000 Quadratmeter große medizinische Abteilung mit High-Tech-Ausstattung, darunter eines der wenigen Cardio-MRT-Geräte in Deutschland. In allen 118 Zimmern und Suiten können die Gäste zudem ein simuliertes Höhenklima erleben, das sich vor allem im Schlaf positiv auf das Immunsystem auswirken soll. Ein im Raum verborgener Sensor misst dabei kontinuierlich die Sauerstoffsättigung.
Die komplette Gebäudeautomation (GA) inklusive Heizung, Lüftung, Klima, Beleuchtung und Verschattung wurde im Buff Medical Resort in ein smartes Gesamtsystem integriert. Die technische Infrastruktur basiert auf einer modularen KNX-Architektur, die in sieben autarke Teilanlagen untergliedert ist. Jede Anlage wird durch einen eigenen „Gira Home Server“ gesteuert. Die Kommunikation zwischen den Teilanlagen erfolgt über „Gira F1“ – jedoch nur mit selektiv gefilterten Informationen, etwa zur synchronisierten Fassadenbeleuchtung. Das System wurde ausfallsicher und flexibel gestaltet. Sollte ein Bereich von einem Fehler betroffen sein, bleibt die Funktionalität der übrigen Bereiche erhalten.
Wartung aus der Ferne
Statt auf einen Generalunternehmer zu setzen, vertrauten die Bauherren auf ein Netzwerk regionaler Partner im Bereich Elektroplanung und Elektrotechnik. Wichtig war Familie Buff bei der Auswahl der Zulieferfirmen eine möglichst einfache Bedienbarkeit der ausgewählten Produkte. Über die Visualisierungsoberfläche „Gira Quad Client“ können nicht nur die Techniker, sondern auch die medizinischen Teams des Resorts direkt auf relevante Parameter zugreifen. Die Wartung lässt sich von den Technikpartnern auch aus der Ferne betreuen.
„Jede Etage hat einen eigenen Server. Das war aufgrund der Datenmengen die einzige Möglichkeit.“
Fabian Stein, Fuchs Elektro
Weiterer Vorteil: Die Resortsoftware kommuniziert direkt mit dem Home-Server – und aktiviert Funktionen wie Beleuchtung, Heizung oder Höhenklima nur in belegten Zimmern. Fensterkontakte sorgen dafür, dass bei geöffnetem Fenster automatisch die Klimatisierung aussetzt. Und ein zentraler Eco-Schalter an der Tür versetzt das Zimmer beim Verlassen in einen Energiesparmodus. Ziel war es zudem, dass Gäste die Raumfunktionen in ihren Zimmern über ein Multitouch-Display selbst steuern können: von der Beleuchtung über die Vorhänge bis hin zum Insektenschutzrollo. Auch der Höhenklima-Wert ist hier einsehbar. Dafür bietet das Display Tastsensoren mit selbsterklärenden Symbolen.
In den öffentlichen Bereichen analysieren Präsenzmelder die Anwesenheit von Gästen oder von Personal, Zeitschaltuhren passen die Helligkeit tageszeitabhängig an. Gemeinsam mit erneuerbaren Energien und baulichen Maßnahmen erfüllt das Resort eigenen Angaben zufolge den KfW-Standard „Effizienzhaus 55“.
Passend zum Design des Hauses wählten die Architekten für die technische Steuerung das puristische Schalterprogramm „Gira E2“ in Schwarz matt. „Die Produkte von Gira passen optimal zum exklusiven Buff Medical Resort“, sagt Karlheinz Mundinger, Geschäftsführer des EPM Planungsbüros aus Bad Dürrheim, zuständig für die Elektrotechnik im Buff Medical Resort. Fuchs Elektro aus Konstanz übernahm die Elektroinstallation vor Ort. Fuchs-Geschäftsführer Fabian Stein lobt die Zusammenarbeit mit Gira, insbesondere den jederzeit ansprechbaren Außendienst. „Ich arbeite mit Gira seit rund 20 Jahren zusammen und habe schon zahlreiche Projekte umgesetzt. Beim Buff Medical Resort ging Gira bereits vorab in die Produktion, bevor ein Auftrag vergeben war. Das hatte den Vorteil, dass die Zeitpläne eingehalten wurden“, so Stein.
Problematisch bei der Ausstattung des Hauses war, dass jedes einzelne Stockwerk ein KNX-Projekt werden musste. „Jede Etage hat einen eigenen Server. Aufgrund der Datenmengen und Gruppenadressen war nur das möglich“, erläutert Fabian Stein. „Die Kommunikation zwischen den Stockwerken stellt programmiertechnisch eine riesige Herausforderung dar. Alle KNX-Projekte im Gebäude beinhalten 2.386 Bus-Geräte. Ein Projekt in dieser Größenordnung gibt es in Deutschland nicht oft.“ Dass Kinderkrankheiten dabei nicht ausblieben, liegt auf der Hand. Beim Redaktionsbesuch in Konstanz waren die meisten jedoch bereits behoben.
Orientierung an der Sonne
Smarte Gebäudeautomation wird heute in allen Segmenten der Hotellerie umgesetzt. Im Maseven Frankfurt Messe, das im Februar 2025 mit 252 Einheiten in Betrieb ging, steuert beispielsweise ein Computerinformationssysteme (CIS) Wasser, Lüftung und Klima. Es misst Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit und regelt entsprechend die Innentemperaturen. Im Zimmer kann der Gast die Temperaturen selbst um fünf Grad nach oben oder unten justieren. Auch hier existiert ein Hauptschalter, mit dem beim Verlassen des Zimmers die komplette Technik ausgeschaltet werden kann. Auch die Beleuchtung der Außenreklame ist automatisiert. „Hierfür haben wir eine Astro-Steuerung, die sich am Auf- und Untergang der Sonne orientiert“, berichtet Maseven-CEO Bernd Mensing. „In unserem Haus in Stuttgart ist die Automation noch weiter fortgeschritten. Dort schaltet sich die Heizung im Zimmer erst dann ein, wenn der Gast eingecheckt hat.“
Glossar
- BACnet (Building Automation and Control Networks) ist ein Netzwerkprotokoll für die Gebäudeautomation.
- C-Bus ist ein Kommunikationsprotokoll, das für die Gebäudesteuerung, primär die Beleuchtung, verwendet wird.
- DALI (Digital Addressable Lighting Interface) ist herstellerübergreifender, international einheitlicher Kommunikationsstandard für Lichtsteuerung.
- KNX ist ein weltweit anerkannter Standard für die Gebäudeautomation, der die Vernetzung und zentrale Steuerung verschiedener Geräte und Systeme in einem Bauwerk ermöglicht, zum Beispiel Beleuchtung, Heizung und Beschattung.
- Modbus ist ein offenes Kommunikationsprotokoll, das Datenaustausch zwischen verschiedenen Komponenten ermöglicht und sich in nahezu jedes Gerät integrieren lässt.
- OPC DA steht für OPC Data Access und ist ein Standard für den Austausch von Echtzeitdaten zwischen Datenquellen und -speichern.
- OPC UA ist (Unified Architecture) ist eine plattformunabhängige serviceorientierte Architektur, die die Funktionen der früheren OPC Classic-Spezifikation bündelt; das Sicherheitsmodell ist integriert.
>> Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 9/2025 erschienen.
