Millionen zieht es jedes Jahr an die See – doch wo kostet die Übernachtung mehr? Eine Studie deckt die Unterschiede der beiden Küstenregionen auf.
Zwischen Wattenmeer und Steilküste: Deutschlands maritime Ferienziele locken Jahr für Jahr Millionen Urlauber. Doch wie haben sich die Hotelpreise an den beiden Top-Destinationen entwickelt? Eine Preisstudie des international tätigen Beratungsunternehmens Kohl & Partner zeigt: Die Nordsee bleibt in den untersuchten Kategorien klarer Preisführer unter Deutschlands Küsten – besonders während der Sommersaison. Gleichzeitig liegt das Preisniveau in der Vier-Sterne-Superior- und Wellnesshotellerie beider Destinationen nah beieinander.
Küsten-Duell im Sommer und Winter
In allen drei untersuchten Hotelkategorien weist die Nordsee während der Hauptsaison durchgehend höhere Durchschnittspreise als die Ostsee auf. Insbesondere im August erreichen die Preise ihren Höhepunkt. Sylt führt das Ranking mit einem durchschnittlichen Übernachtungspreis von 302 Euro an, gefolgt von den Ostfriesischen Inseln mit 233 Euro. Erst dann folgt die Ostsee-Region Warnemünde mit 232 Euro.
Lesetipp: Zu viele Urlauber? Wie die Nordseeküste die Balance sucht
Im Vier-Sterne-Superior/Wellness-Segment liefern sich Nord- und Ostsee ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Die nahezu identischen Preise in der Sommersaison zeigen, dass anspruchsvolle Gäste in beiden Regionen bereit sind, für Premiumqualität und Wellnessangebote gleichermaßen zu zahlen. Die stärksten Preisunterschiede zur Ostsee zeigen sich im Vier-Sterne-Bereich (+13,5 Prozent) und in der Drei-Sterne-Kategorie (+10,1 Prozent). Selbst in der Nebensaison bleibt die Nordsee in der Superior-Kategorie mit bis zu 15 Prozent höheren Preisen vorn.

Im November zeigt sich die Küste von ihrer preisgünstigen Seite: An der Nordsee kostet eine Übernachtung im Schnitt 166 Euro, an der Ostsee sogar nur 148 Euro. Damit sparen Reisende in der Nebensaison fast ein Drittel im Vergleich zur Hochsaison im August – das sind rund 92 Euro weniger pro Nacht. Besonders interessant: Die Preisunterschiede zwischen den Hotelkategorien schrumpfen im November deutlich. An der Nordsee trennen ein Drei-Sterne-Hotel und ein Vier-Sterne-Superior-Hotel im Schnitt nur 38 Euro, an der Ostsee rund 44 Euro.
Ostsee zieht Premiumgäste an
Bemerkenswert zur Feiertagssaison: In der Vier-Sterne- sowie in der Vier-Sterne-Superior/Wellness-Kategorie verzeichnet die Ostsee höhere Durchschnittspreise als die Nordsee. In der Premiumklasse liegen diese mit 250,80 Euro sogar rund 2,6 Prozent darüber – ein deutlicher Hinweis auf die wachsende Beliebtheit der Region für qualitätsorientierte Wintergäste.

Vom Einstiegssegment zum Wachstumstreiber
Auffällig ist die dynamische Entwicklung im Drei-Sterne-Segment der Nordsee. In einzelnen Regionen übersteigen die Durchschnittspreise sogar Jene höherer Kategorien an der Ostsee – ein klarer Hinweis, dass die Gäste offenbar bereit sind auch im mittleren Preissegment mehr zu zahlen – sofern das Angebot überzeugt. Damit avanciert die Drei-Sterne-Hotellerie an der Nordsee vom klassischen Einstiegssegment zum Wachstumstreiber mit attraktiven Produkten und hoher Zahlungsbereitschaft.
Klare Empfehlungen für Hoteliers
Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Bedeutung eines strategischen Revenue Managements für Hotelbetriebe. Regelmäßige Marktbeobachtung, flexible Preisgestaltung und eine zielgruppenorientierte Angebotsentwicklung sind heute entscheidend für eine erfolgreiche Positionierung – nicht nur saisonal, sondern auch kanal- und segmentbezogen. Besonders für Drei- und Vier-Sterne-Hotels an der Ostsee im Sommer sowie für das Premiumsegment rund um Weihnachten zeigen sich klare Potenziale für Preissteigerungen. „Unsere Studie zeigt deutlich: Wer seine Preise strategisch steuert und sein Angebot zielgruppengerecht entwickelt, kann auch in etablierten Destinationen noch erhebliches Potenzial ausschöpfen – sowohl in der Hochsaison als auch in ruhigeren Reisezeiten“, erklärt Gabriele Maessen, Senior Beraterin bei Kohl & Partner.
Für Destinationen zeigt die Analyse: Geringe Preisschwankungen – besonders im Wellness-Segment – deuten auf stabile Nachfrage und bieten Chancen für eine ganzjährige Tourismusentwicklung. Entscheidend sind der Aufbau einer starken Destinationsmarke, emotionales Storytelling und die Inszenierung von Natur- und Kulturerlebnissen auch jenseits der Hauptsaison. Durch die Sensibilisierung der Betriebe kann zudem die Preisbereitschaft gesteigert und die regionale Wertschöpfung erhöht werden. red/ik
Über die Studie
Die Preisstudie wurde von April bis Juli 2025 von Kohl & Partner durchgeführt. Analysiert wurden Hotelpreise an fünf repräsentativen Destinationen der Nord- und Ostsee in den Kategorien Drei-Sterne, Vier-Sterne sowie Vier-Sterne-Superior/Wellness. Die Erhebung basiert auf öffentlich zugänglichen Preisen (Websites/Buchungsstrecken) und umfasst die Zeiträume Sommer (Mai–September), Herbst (Oktober–November) und Weihnachten (21.–27. Dezember). Untersucht wurden je Kategorie bis zu zehn Hotels pro Region. Grundlage der Auswertung war der Durchschnittspreis eines Doppelzimmers inklusive Frühstück, basierend auf mehreren Stichtagen pro Saison. Alle Preise verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer, exklusive Ortstaxe.