Nach 30 Jahren im Ausland hat Charlotte Holtmann den Chefposten im Steigenberger Grandhotel Leipzig übernommen – ihre ersten 100 Tage zeigen Weitblick und ein offenes Ohr.
Ein traditionsreiches Haus, eine neue Direktorin und ein frischer Blick auf Bewährtes: Die ersten 100 Tage im Amt sind für Führungskräfte oft eine Bewährungsprobe – geprägt von Beobachtung, Analyse und dem Wunsch, Akzente zu setzen. Für Charlotte Holtmann, die neue Hoteldirektorin des Steigenberger Icon Grandhotel Handelshof Leipzig, bedeuteten diese ersten Wochen jedoch weit mehr: einen persönlichen Neuanfang nach 30 Jahren internationaler Karriere.
Im Gespräch mit Tophotel berichtet sie von inspirierenden Begegnungen, dem kulturellen Wiederankommen nach drei Jahrzehnten im Ausland – mit Stationen in Asien, Afrika und Nordamerika – sowie von ersten Projekten, die mit ihrem international geschärften Blick den Weg zu einer zukunftsorientierten Hotelführung in Deutschland weisen.
Tophotel: Frau Holtmann, wie haben Sie Ihre ersten 100 Tage im Haus erlebt?
Charlotte Holtmann: Es war eine sehr intensive Zeit – und das meine ich in jeder Hinsicht positiv. Diese Phase ist immer besonders aufgeladen, weil man mit so viel Energie startet. Die vielen Eindrücke, Gespräche, Ideen – das alles bündelt sich in einem sehr dichten Zeitraum. Man sieht unglaublich viel, stellt sich vieles vor, möchte sofort Dinge verändern, Prozesse hinterfragen und neue Impulse setzen. Ich musste mich da manchmal selbst bremsen, um nicht zu viel auf einmal zu wollen. Gleichzeitig war es auch eine persönlich bewegende Zeit, denn ich bin nach drei Jahrzehnten im Ausland zurück nach Deutschland gekommen. Das ist keine Rückkehr im klassischen Sinn – es ist eher ein neues Ankommen.
30 Jahre Auslandserfahrung – das ist beachtlich. Wo waren Sie überall tätig?
Ich war auf mehreren Kontinenten tätig, immer in der Hotellerie. Es waren Stationen in Asien, Afrika, Nordamerika – ein echtes Kaleidoskop an Kulturen, Teams und Führungsstilen. Und diese Erfahrungen prägen natürlich. Der Blick auf Gäste, Mitarbeitende und Strukturen ist ein anderer geworden. Umso spannender ist es, nun zurückzukehren und Deutschland mit diesen neuen Augen zu sehen. Es ist nicht mehr das Land, das ich vor 30 Jahren verlassen habe. Das macht es spannend, aber eben auch herausfordernd.
Was waren in dieser Übergangszeit die größten persönlichen Herausforderungen?
Der kulturelle Perspektivwechsel. Ich dachte, ich kehre "nach Hause" zurück – aber in Wahrheit ist es ein anderes Zuhause geworden. Die gesellschaftlichen Erwartungen, die Kommunikationsstile, auch die Arbeitsprozesse – vieles hat sich verändert. Da brauchte ich Momente der Beobachtung, um das System neu zu verstehen. Gleichzeitig hat mir die Struktur und die Atmosphäre im Haus den Einstieg sehr erleichtert.
Werdegang
Charlotte Holtmann ist seit Dezember 2024 General Managerin des Steigenberger Icon Grandhotel Handelshof in Leipzig. Die erfahrene Hotelmanagerin blickt auf eine außergewöhnliche Karriere in der internationalen Luxushotellerie zurück, mit Führungsstationen in Europa, Asien, Australien und den USA.
Vor ihrem Wechsel nach Leipzig war Holtmann von 2022 bis 2024 General Managerin im Ana Intercontinental Manza Beach Resort auf Okinawa sowie zuvor fünf Jahre Hotel Managerin des Ana Intercontinental Tokyo. Bereits zwischen 2014 und 2018 verantwortete sie als Hotel Manager das Intercontinental Sydney, nachdem sie vier Jahre im Intercontinental New York Times Square als Director of Front Office Operations tätig war.
Ihre Führungskompetenz baute Holtmann zuvor in leitenden Positionen in Baltimore, Atlanta, Wien, London, auf den Seychellen sowie in Peking und Dresden aus, stets im Kontext namhafter Häuser der Intercontinental Hotels Group und der Kempinski-Gruppe. Mit mehr als 25 Jahren Branchenerfahrung verbindet sie tiefes operatives Verständnis mit einer ausgeprägten interkulturellen Führungskompetenz. Als Gastgeberin mit Weitblick setzt Holtmann auf exzellenten Service, nachhaltige Mitarbeiterentwicklung und eine klare strategische Positionierung ihrer Häuser im Luxussegment.
Was war Ihnen in den ersten Wochen besonders wichtig?
Ich wollte zunächst verstehen, bevor ich gestalte. Ich habe mich in den ersten Wochen wie ein Schwamm gefühlt – offen, aufnahmebereit, neugierig. Mir war wichtig, die Menschen im Haus kennenzulernen, ihre Geschichten, ihre Arbeitsweise, ihre Sicht auf das Hotel. Dann ging es mir darum, unsere Gäste besser zu verstehen: Wer sind sie? Was schätzen sie an unserem Haus? Und schließlich wollte ich ein Gefühl für die Stadt entwickeln. Wir sind das erste Haus am Platz – und das bedeutet auch eine Verantwortung gegenüber der Stadtgesellschaft, der Wirtschaft, der Kultur. Sich dort gut zu vernetzen, ist für mich elementar.
Gab es auch konkrete Projekte, die Sie gleich angestoßen haben?
Tatsächlich lief bereits ein kleines, aber feines Renovierungsprojekt, das ich mit Freude übernommen habe: unser Wellnessbereich. Wir haben dort einiges modernisiert und optisch neu gedacht – ohne den Charakter des Hauses zu verlieren. Es war mir wichtig, die letzten Phasen aktiv mitzugestalten, damit das Ergebnis auch wirklich unser Haus widerspiegelt. Ende des Monats eröffnen wir den Bereich neu – und ich bin sehr gespannt auf das Feedback unserer Gäste. Solche Projekte machen nicht nur Freude, sie geben einem auch das Gefühl, tatsächlich angekommen zu sein.
Wie haben Sie das Team übernommen, und wie ist die Zusammenarbeit mit Ihren Mitarbeitenden angelaufen?
Sehr positiv. Ich habe ein Team vorgefunden, das nicht nur professionell arbeitet, sondern sich auch emotional stark mit dem Haus identifiziert. Diese Leidenschaft spürt man im täglichen Miteinander. Natürlich gibt es Veränderungsprozesse – aber mein Ansatz ist: zuhören, verstehen, gemeinsam entwickeln. Die Zusammenarbeit ist geprägt von gegenseitigem Respekt und dem gemeinsamen Anspruch, unseren Gästen ein erstklassiges Erlebnis zu bieten. Ich versuche nahbar zu sein für das Team und in Entscheidungen einzubinden.
Gab es besondere Maßnahmen oder Veränderungen, die Sie seit der Übernahme der Hotelleitung angestoßen haben?
Ich habe ein sehr gut geführtes Hotel übernommen, mit einem tollen Team und einer hervorragenden Positionierung am Markt. In meiner Rolle als General Manager bringe ich meine persönliche Handschrift ein – geprägt von Warmherzigkeit, hoher Servicequalität und einem ausgeprägten Qualitätsbewusstsein. Diese Werte spiegeln sich sowohl im täglichen Miteinander als auch im Gästeerlebnis wider. Mein Team wird gezielt danach ausgewählt und geschult, um genau diese Haltung erlebbar zu machen.
Über das Steigenberger Icon Grandhotel Handelshof Leipzig
Das Steigenberger Icon Grandhotel Handelshof Leipzig befindet sich im historischen Handelshof, einem ehemaligen Messehaus im Zentrum der Stadt. Der Handelshof wurde in den Jahren 1908 und 1909 als zweites Mustermessehaus Leipzigs erbaut. Auf einer Ausstellungsfläche von etwa 9.000 Quadratmetern fanden hier vor allem Textilien und Haushaltswaren ihren Platz. Das Gebäude wurde von den Architekten Georg Weidenbach und Richard Tschammer entworfen und war ein bedeutender Ort für die Leipziger Messegeschichte.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Handelshof bei einem Luftangriff am 4. Dezember 1943 erheblich beschädigt und brannte teilweise aus. Nach dem Krieg erfolgte eine provisorische Wiederherstellung, und das Gebäude wurde ab 1947 wieder für Messezwecke genutzt. In den 1960er Jahren wurde die vollständige Wiederherstellung abgeschlossen, wobei die Fassadengestaltung vereinfacht und Teile des ursprünglichen bauplastischen Schmucks entfernt wurden. Die letzten Messen fanden 1991 statt, bevor die Leipziger Messe das Gebäude erwarb.
Von 1998 bis 2004 diente der Handelshof als Interim für das Museum der bildenden Künste. Im Jahr 2005 wurde das Gebäude an ein Joint Venture aus der Leipziger Stadtbau AG und dem britischen Finanzinvestor Patron Capital verkauft. Von 2007 bis 2011 erfolgte eine denkmalgerechte Sanierung des Handelshofes. Im April 2011 eröffnete das Steigenberger Grandhotel Handelshof Leipzig mit 163 Zimmern, 13 Suiten und einer Präsidentensuite. Das Erdgeschoss beherbergt Einzelhandelsgeschäfte und Restaurants.
Haben Sie bereits Rückmeldungen von Gästen zu Veränderungen oder neuen Impulsen erhalten, die Sie seit Ihrem Amtsantritt eingebracht haben?
Ich bekomme immer wieder Komplimente über unser Team, die Freundlichkeit und Zuverlässigkeit. Dank unseres Küchenchefs Kay Becker, der in Absprache mit mir Frühstück- und Restaurantkarte erneuert hat, haben wir auch im gastronomischen Bereich mehr Zuspruch.
Wie haben Sie sich persönlich auf die neue Position vorbereitet, insbesondere auf den Standort Leipzig und die Marke Steigenberger?
Ich habe mich intensiv mit der Geschichte und dem kulturellen Profil Leipzigs beschäftigt. Das ist besonders für die Gästekommunikation essenziell. Parallel habe ich mich mit den Markenwerten und strategischen Zielen von Steigenberger auseinandergesetzt, um diese im Tagesgeschäft authentisch umzusetzen.
Was unterscheidet das Steigenberger Hotel Leipzig aus Ihrer Sicht von anderen Häusern?
Unser Haus vereint die klassische Eleganz Steigenbergers mit dem Charakter Leipzigs. Ich möchte dieses Profil weiter schärfen, indem wir den lokalen Bezug in unseren Angeboten noch sichtbarer machen, etwas durch Kooperationen mit Leipziger Kunstschaffenden oder regionalen Produzenten.
Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie?
Langfristig wollen wir die Verbindung von gelebter Gastfreundschaft und intelligenter Digitalisierung ausbauen. Gleichzeitig sehe ich großes Potenzial in einer konsequent nachhaltigen Ausrichtung – von Energieeffizienz bis hin zu regionalem Austausch.
Wenn Sie Ihre ersten 100 Tage in drei Worte zusammenfassen müssten, welche wären das und warum?
Lernintensiv, weil jede neue Aufgabe neue Perspektiven eröffnet. Verbindend, weil ich viele starke Beziehungen aufbauen konnte. Motivierend, weil ich täglich sehe, was wir gemeinsam bewegen können.