OTA Europas Hotellerie reicht Sammelklage gegen Booking ein

Nationale Hotelverbände schließen sich in einer gesamteuropäischen Sammelklage gegen Booking.com zusammen.
Nationale Hotelverbände schließen sich in einer gesamteuropäischen Sammelklage gegen Booking.com zusammen. © IB Photography

Mehr als 25 nationale Hotelverbände in Europa erheben gemeinsam Klage gegen Booking.com. Die von Hotrec unterstützte Initiative ruft Hotels europaweit zur Beteiligung auf.

In einer länderübergreifenden Initiative haben sich mehr als 25 nationale Hotelverbände aus ganz Europa zu einer Sammelklage gegen das Buchungsportal Booking.com zusammengeschlossen. Die Aktion wird vom europäischen Branchenverband Hotrec unterstützt und richtet sich gegen die langjährige Anwendung sogenannter Paritätsklauseln.

Paritätsklauseln hätten den Preiswettbewerb zwischen Booking.com und anderen Online-Plattformen eliminiert, so der Vorwurf der Verbände. Zudem habe die Praxis zu überhöhten Provisionsforderungen geführt und die unternehmerische Freiheit der Betriebe untergraben. Hotels seien daran gehindert worden, auf ihren eigenen Websites bessere Preise oder Verfügbarkeiten anzubieten. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 19. September 2024 bestätigte, dass diese Klauseln gegen das EU-Wettbewerbsrecht verstoßen. Damit bestehe laut Hotrec für betroffene Hotels grundsätzlich ein Anspruch auf Schadensersatz.

Hotels können sich an Klage beteiligen

„Europäische Hoteliers haben lange unter unfairen Bedingungen und überhöhten Kosten gelitten. Jetzt ist es an der Zeit, gemeinsam aufzutreten und Wiedergutmachung zu fordern. Diese gemeinsame Initiative sendet eine klare Botschaft: Missbräuchliche Praktiken im digitalen Markt bleiben nicht unbeantwortet“, betontAlexandros Vassilikos, Präsident von Hotrec.

Die Klage wird von der Stiftung Hotel Claims Alliance koordiniert und vor Gerichten in den Niederlanden eingereicht, um eine einheitliche und effiziente Durchsetzung in ganz Europa zu ermöglichen. Geführt wird sie von einem spezialisierten Team aus Wettbewerbsrechtlern, Prozessanwälten und Ökonomen, das bereits im September 2024 ein EuGH-Urteil gegen die Buchungsplattform erreicht hat. Europäische Hotels sind aufgerufen, sich online bis spätestens 31. Juli 2025 der Klage anzuschließen.
 
„In Deutschland hatten sich bereits im Jahr 2020 über 2.000 Hotels der ´Dabei sein´-Initiative des Hotelverband Deutschland (IHA) angeschlossen, um ihren Anspruch auf Schadensersatz gerichtlich durchzusetzen. Für diese Hotels sind bereits Gerichtsverfahren vor dem Bezirksgericht Amsterdam oder dem Landgericht Berlin anhängig. Für sie ist eine erneute Registrierung nicht mehr notwendig“, erläutert Markus Luthe, IHA-Hauptgeschäftsführer und Vorsitzender der HOTREC-Arbeitsgruppe Distribution.

Jahrelanger Konflikt

Bereits im Jahr 2015 hatte das Bundeskartellamt festgestellt, dass Booking.com den Paritätsklauseln gegen Kartellrecht verstoßen hat. Hotels seien im Wettbewerb massiv beschränkt worden.

Es folgten Vergleichsgespräche zwischen dem Hotelverband Deutschland (IHA) und der Plattform über eine angemessene Entschädigung deutscher Hoteliers. Booking habe diese damals einseitig beendete. Das Unternehmen sei laut IHA dahingehend beraten worden, im Rahmen eines so genannten negativen Feststellungsklageverfahrens von den Gerichten in den Niederlanden feststellen zu lassen, dass deutschen Hoteliers keine Schadensersatzansprüche zustünden. In der Folge erhob Booking vor dem Bezirksgericht Amsterdam Klage gegen mehrere hundert deutsche Hotels.

Ein Zwischenergebnis dieses (noch laufenden) Verfahrens ist das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 19. September 2024. Aus dem Urteil lässt sich laut IHA ableiten, dass sämtlichen europäischen Hotels Schadensersatzansprüche zustehen. Diese sollen nun im Rahmen der Sammelklage geltend gemacht werden.

Breite Unterstützung in Europa

Die Initiative wird von den nationalen Hotelverbänden der folgenden Länder unterstützt: Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Griechenland, Island, Italien, Irland, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn, Zypern. red/sar