Mit einem fröhlichen Festakt im Europäischen Hof feierte die renommierte Hotelfachschule Heidelberg ihr 100-jähriges Bestehen – und bewies einmal mehr ihre Rolle als wichtige Kaderschmiede.
Fritz Gabler war ein Visionär. Bereits vor 100 Jahren hatte er erkannt, dass man Talente in der Hotellerie nur dann halten kann, wenn man sie fördert und ihnen Perspektiven aufzeigt. So gründete der Urgroßvater der heutigen Geschäftsführerin des Europäischen Hofs, Caroline von Kretschmann, 1925 eine Hotelfachschule in Heidelberg, deren Absolventen den guten Ruf der deutschen Hotellerie und Gastronomie bis heute in alle Welt tragen.
Talentschmiede seit 100 Jahren
Der Erfolg der Schule beruhte stets auf ihren praxisnahen und zukunftsorientierten Ausbildungswegen. Insbesondere die Weiterbildung zum Hotelbetriebswirt brachte viele Führungskräfte in der internationalen Spitzenhotellerie hervor. Vier dieser Absolventen stellte der ehemalige Schulleiter der Hotelfachschule Heidelberg Martin Dannenmann im Rahmen der 100-Jahr-Feierlichkeiten vor: Hans-Hermann Bödeker, Absolvent 1960 und späterer Geschäftsführer des Luxushotels Bühlerhöhe, Charlotte und Peter Mikkelsen (Cluster Manager Steigenberger), die die Hotelfachschule beide 1998 abschlossen und ein Paar wurden, sowie Luisa Lederer, Absolventin 2020 und heute Cluster Reservations Managerin für das Hilton und Waldorf Astoria Berlin. Charlotte Mikkelsen ist zudem die Enkelin des ehemaligen Schulleiters der Hotelfachschule Heidelberg, Hellmut Büchler, der 1961 mit 73 Jahren in den Ruhestand getreten war und danach noch eine Hotelfachschule in Griechenland betreute.
Er sei nach Heidelberg gekommen, weil ihm Ernst-Friedrich von Kretschmann, heute Miteigentümer des Europäischen Hofs in Heidelberg, von dieser Schule erzählt hatte, beschrieb Bödeker seinen Weg an den Neckar. Er sei damals Kochazubi im Breidenbacher Hof in Düsseldorf gewesen und Ernst-Friedrich Praktikant. Doch zunächst schloss Bödeker seiner Kochausbildung eine Kellnerlehre auf dem Petersberg in Bonn an. Und selbst als er später die Hotelfachschule in Heidelberg abgeschlossen hatte, hätte ihm sein damaliger Ausbilder folgenden Satz mit auf den Weg gegeben: „Glaub nicht, dass du jetzt den Marschall-Stab im Tornister hast.“ Alle Absolventen haben die Erfahrung gemacht, dass sich der Besuch der Schule nicht unmittelbar, aber mittelfristig positiv auf den weiteren beruflichen Weg niederschlägt.
„Ich war kein guter Schüler, Heidelberg war die erste Schule, die ich freiwillig besucht habe“, scherzte der gebürtige Däne Peter Mikkelsen. Seine Frau Charlotte unterstrich, dass sie sich nach einem Hoteljob in Hongkong mit 6-Tage Woche regelrecht auf die Schulzeit gefreut und sich dabei u.a. betriebswirtschaftliches Wissen, insbesondere in den Bereichen Steuern und Finanzierung angeeignet habe.
Er habe im späteren Verlauf seiner Karriere sehr von diesem Wissen profitiert, betonte auch Peter Mikkelsen, in dessen Aufgabenbereich als Cluster Manager im Raum Frankfurt 11 Hotels fallen. In den ersten Jahren nach der Schule habe dies noch nicht die große Rolle gespielt, doch später wären seine Kenntnisse in etwa Volkswirtschaft und Arbeitsreicht immer wichtiger geworden.
Der Feierstunde wohnten neben Vertretern der Stadt Heidelberg und des Regierungspräsidiums Karlsruhe auch der HDV-Vorsitzender Jürgen Gangl und Dunja Schlamminger, Geschäftsführerin Dehoga Baden-Württemberg für Bildung, sowie der ehemalige langjährige Vorsitzende der Ehemaligenvereinigung Heidelberger Hotelfachschüler (VHH) Hans-Wilhelm Pausch bei.
Zukunftspläne für die Schule
„Wir feiern 100 Jahre Entwicklung und Lebendigkeit,“ unterstrich Ralf Hein, Schulleiter der inzwischen fusionierten Marie-Baum-Schule & Hotelfachschule Heidelberg. Zur Weiterentwicklung der Schule zähle nicht nur die Fusion mit der Berufsschule, sondern auch die Einführung einer Weiterbildung zum Bachelor in Zusammenarbeit mit der privaten Schuleinrichtung F+U. Hein bedankte sich auch für die langjährige Treue von Sponsoren wie beispielsweise Aramark, Rational, Winterhalter, Pacojet oder Progros. Hein bedankte sich insbesondere auch bei der gastgebenden Familie von Kretschmann für ihre Generosität.
Heidelbergs Bürgermeisterin Stefanie Jansen, die die Schule als große Bereicherung der Stadt und als Marke bezeichnet hatte, schloss ihre Laudatio mit den Worten: „Möge die Schule auch in den nächsten 100 Jahren eine Quelle des Wissens, der Gastfreundschaft, der Inspiration und des wirtschaftlichen Erfolgs bleiben.“ Für die stimmungsvolle musikalische Unterhaltung hatte das Terzett My LadySwing gesorgt, deren Eingangssong passenderweise „Stompin‘ At The Savoy“ war.