Kaffee bleibt unwiderstehlich – und seine Zubereitung wird smarter: Nachhaltige Zutaten, clevere Technik und Automatisierung setzen neue Standards. Welche Chancen sich für die Hotellerie daraus ergeben, zeigt unsere Recherche.
Kaffee kochen, brühen oder aufgießen – Liebhaber des schwarzen Getränks kennen viele Wege zum Genuss. Doch die Zubereitungsarten verändern sich. Heute gibt es moderne Lösungen für Hoteliers, Gästen konstant hochwertigen Kaffee zu offerieren und dabei Prozesse nachhaltiger und effizienter zu gestalten. Eine automatisierte digitale Steuerung, neue Materialien und kundennahe Bedienkonzepte prägen die Zukunft von Kaffeegenuss in der Hotellerie.
Steuerung aus der Ferne
Moderne Kaffeemaschinen überzeugen durch Telemetrie und modulare Bauweise – eine Kombination, die vorausschauende Wartung ermöglicht. „Diese Technologien erlauben eine präzise Einsatzplanung und das frühzeitige Erkennen technischer Störungen“, erläutert Philipp Nicklisch, Key Account Manager bei Coffema. Über digitale Plattformen lassen sich sämtliche Maschinenparameter zentral überwachen – vom Reinigungsstatus über Füllstände bis hin zum Kaffeeverbrauch.
Auch Martin Ulrich, Head of Area Sales Management bei Thermoplan, verweist auf intelligente Steuerungen: „Umweltfreundliche Technologien wie energieeffiziente Heizsysteme, automatische Stand-by-Modi und smarte Sensoren reduzieren den Wasser- und Kaffeeverbrauch.“ Das System „Thermoplan Connect“ ermöglicht die Fernsteuerung von Maschinen. Wartungsintervalle lassen sich automatisieren, Selbstdiagnose und automatische Erinnerungen gewährleisten den reibungslosen Betrieb sogar an mehreren Standorten. Zusätzlich tragen recycelte Materialien und biologisch abbaubare Reinigungslösungen zu nachhaltigen Prozessen bei – und alles bleibt hygienisch.
„Im Luxus-Segment ist die Nachfrage nach handgebrühtem Kaffee aus einer Siebträgermaschine ungebrochen.“
Axel Fähnle, Head of Marketing Germany, WMF
Bei der Dosierung von Kaffee und Milch lässt sich Abfall vermeiden. Die „WMF Espresso Next“ verfügt über „Auto Milk Dosing“, das exakt dosiert und aufschäumt – ideal für Zero-Waste-Konzepte. „Insbesondere die Verschwendung von Kaffee und Wasser kann durch präzises Dosieren und Brühen minimiert werden“, rät Axel Fähnle, Head of Global Marketing bei WMF. Gleichzeitig sichere diese Präzision ein gleichbleibendes Geschmackserlebnis – selbst bei stark schwankenden Frequenzen. Martin Ulrich ergänzt: „Präzisere Mahlwerke ermöglichen eine gleichmäßige Partikelgröße und optimieren somit die Extraktion.“ Die Steuerung von Temperatur, Druck und Durchlaufzeit ist heute weitgehend automatisiert – das verbessert Geschmack und Effizienz. Cold-Brew- und Druckbrühverfahren ergänzen das Portfolio. Intelligente Sensoren justieren den Brühprozess in Echtzeit.
Auch in puncto Barrierefreiheit ermöglicht intelligente Technologie neue Ansätze: Das Konzept „Genuss ohne Barrieren“ von Schaerer wurde gezielt für Menschen im Rollstuhl entwickelt: Die Getränkeauswahl lässt sich bequem über tief platzierte Tasten an der Tropfschale steuern – intuitiv und ohne Hürden. Ergänzt wird das Konzept durch Touchscreens mit vergrößerter Darstellung, akustischer Rückmeldung und individuelle Menüs – für ein inklusiveres Nutzungserlebnis.
Vielfalt auf Knopfdruck
Die zunehmende Nachfrage nach individuellen Kaffeevarianten erfordert Flexibilität – etwa über Extraktionszeitkontrollen (ETC) oder variable Brühtemperaturen. „Unsere Maschinen garantieren die Konsistenz durch automatische Kalibrierung. Mit Systemen wie ETC kann das Geschmacksprofil präzise gesteuert werden“, so Philipp Nicklisch von Coffema. Die „e’Levelling-Technologie“ in den Coffema-Maschinen „Eversys“ simuliert beispielsweise das manuelle Nivellieren im Siebträger – für eine noch homogenere Extraktion.
Pflanzliche Milchalternativen bringen weitere Herausforderungen mit sich: Aufschäumverhalten, Temperaturtoleranz, Kreuzkontamination, die allergischen Gästen Probleme machen könnten, Rückstände von Milchersatzprodukten sowie unterschiedliche Haltbarkeiten verlangen eine besondere Handhabe. Melitta Professional bietet Maschinen, die bis zu vier Milchsorten inklusive pflanzlicher Alternativen aufbereiten können und integriert Aromasysteme sowie Brühtechnologien für Filterkaffee direkt aus dem Espressokolben. „Ziel ist es, Gästen eine größtmögliche Vielfalt bei minimalem Aufwand im Service zu bieten“, so Robin Franke, Chief Product and Solutions Officer bei Melitta Professional.
Bei WMF wurde mit dem „Multi-Milk“-System ein Konzept umgesetzt, bei dem Milchalternativen direkt in ihren Originalverpackungen in einem zugehörigen Kühler verbleiben. „Der Clou: Es wurde bewusst darauf verzichtet, die Produkte in einen externen Behälter einfüllen zu müssen. Dies spart nicht nur einen Arbeitsgang, sondern sorgt auch dafür, dass die Rohstoffe länger haltbar bleiben“, erläutert Axel Fähnle von WMF.
Der Automat weiß es besser
Die voranschreitende Automatisierung senkt den Verbrauch und garantiert gleichbleibende Qualität – unabhängig vom Bedienpersonal. „Automatisierte Prozesse schonen Ressourcen, da nur die benötigten Kaffee- und Milchmengen ausgegeben werden“, so die Erfahrung bei Hersteller Franke. Vernetzte Systeme ermöglichen die lückenlose Dokumentation und vorausschauende Planung von Verbrauch und Wartung. Das verbessert nicht nur die Betriebsführung, sondern ermöglicht auch ein gezieltes Controlling auf Basis valider Daten.
Per QR-Code, Selbstbedienungs-Terminal oder Smartphone lassen sich Bestellungen direkt an der Maschine tätigen. Alle Buchungen fließen automatisch ins Kassensystem. „Je mehr Prozesse standardisiert werden, desto mehr Zeit bleibt dem Personal für die Gäste“, ergänzt Eva Vogel, Content Marketing Managerin bei Franke Coffee Systems. Gerade in Häusern ohne Personal – etwa in Budgethotels oder bei Spätanreisen – bieten solche Funktionen den Gästen mehr Service. „Vor allem die Abläufe bei der Bestellung von Produkten werden sich entscheidend verändern“, prognostiziert Robin Franke von Melitta Professional.
Neue Umsatzpotenziale erkennen
Konzepte wie Minimärkte oder Reiseshops eröffnen neue Ertragsquellen. Sie gleichen verminderte Umsätze wegen eingeschränkter Öffnungszeiten des Restaurants aus und ergänzen das gastronomische Angebot. „Mini-Markets und Traveller-Shops sind aus unserer Sicht klare Wachstumstreiber in der Hotellerie“, sagt Hansjürg Marti, Geschäftsführer von Schaerer Deutschland. Diese Systeme setzen jedoch belastbare Technik voraus: hohe Bezugszahlen, flexible Vernetzung und intuitive Benutzerführung.
Über die Plattform „Coffee Link“ lassen sich Schaerer-Maschinen in bestehende Systeme integrieren. Das ermöglicht eine standortübergreifende, zentrale Steuerung – inklusive Reporting, Abrechnung und Wartungsmanagement. Ein weiteres Highlight ist die Smartwatch-Integration. Mitarbeitende erhalten Hinweise wie „Milch nachfüllen“ oder „Reinigung notwendig“ direkt ans Handgelenk. „So lassen sich Aufgaben effizienter planen und Serviceunterbrechungen vermeiden“, rät Marti. Grundlage ist ein vernetztes System, das Informationen in Echtzeit liefert.
Optimales Wasser mit Osmose
Von zentraler Bedeutung: Die Qualität des Kaffeewassers prägt das Geschmackserlebnis entscheidend. Durch spezielle Technik lässt sich Leitungswasser so aufbereiten, dass es für die Kaffeezubereitung eine konstante Qualität bietet – unabhängig von regionalen Gegebenheiten. „Wasser ist nicht gleich Wasser“, betont Frank Neuhausen, Geschäftsführer von BWT Water and More. Eine Kombination aus Umkehrosmose und gezielter Remineralisierung ermögliche es, dass Wasser optimal auf die Bedürfnisse der Kaffeeextraktion abgestimmt wird. So bleibt der Geschmack weltweit konstant, während gleichzeitig Ablagerungen und Korrosion in den Maschinen vermieden werden. Das verlängert auch die Lebensdauer von Maschinen und Zubehör.
Ob eigens entwickelte Hausmischungen oder Barista-Workshops und sensorische Schulungen für Mitarbeiter: Wer Kaffee konsequent als Teil der Markenidentität versteht, macht Eindruck. Einige Häuser bieten Gästen an, ihre Lieblingsmischung als Souvenir mit nach Hause zu nehmen – inklusive Zubereitungsempfehlung. Zudem steigen Investitionen in individuelle Röstungen, etwa in Kooperation mit lokalen Manufakturen. Das verleiht dem Angebot mehr Authentizität und stärkt die regionale Wertschöpfung.
„Bei der Bedienung spielt ein intuitiver Getränkebezug eine wichtige Rolle. Denn persönliche Vorlieben wie Kaffeestärke, Milchmenge oder Temperatur lassen sich so nach Wunsch variieren.“
Hansjürg Marti, Geschäftsführer, Schaerer Deutschland
Auch bei der Verpackung der Produkte, der Nutzung regenerativer Energien für Maschinen oder der CO2-Kompensation in der Lieferkette setzen immer mehr Anbieter auf Transparenz und Nachhaltigkeit – weil Gäste das erwarten. Bio- und Fair-Trade-Kaffees sind sehr gefragt, auch zum Mitnehmen. In den letzten Jahren hat sich der Anspruch an Kaffeequalität nachhaltig verändert. Gäste wünschen Barista-Niveau – zu jeder Tageszeit. Eva Vogel von Franke: „Gerade deshalb erwarten sie außer Haus höchste Qualität. Insbesondere Kaffeespezialitäten werden als Standard vorausgesetzt.“
Zunehmende Getränkevielfalt und Schnelligkeit in der Rezeptentwicklung stehen ebenfalls im Fokus. KI-gestützte Systeme oder Rezeptanpassung könnten künftig Standard werden. „Wir sehen großes Potenzial in datengetriebener Technik“, so Philipp Nicklisch von Coffema. Auch das Verbraucherverhalten wandelt sich, Milchalternativen haben sich etabliert. Eine vergleichbare Entwicklung könnte Cold-Brew-Produkten bevorstehen: „Ein Beispiel sind vegane Pflanzendrinks, die sich heute per Knopfdruck vollautomatisch mit Kaffeemaschinen zubereiten lassen. Eine ähnliche Entwicklung könnte auch der Trend bei den jüngeren Konsumenten zu trinkfertigen Cold-Brew-Kaffeegetränken bewirken“, heißt es bei der Firma Schaerer.
Die Entwicklungen in der Kaffeetechnologie eröffnen der Hotellerie vielfältige Perspektiven – von individueller Produktgestaltung bis hin zur intelligenten Prozessautomatisierung. „Hoteliers erwarten heute eine harmonische Verbindung aus Qualität, Verlässlichkeit und wirtschaftlicher Effizienz“, so die Erfahrung bei Coffema. Im Zentrum stehen digitale Lösungen, nachhaltige Konzepte und ein Höchstmaß an Benutzerfreundlichkeit. Wer diese Trends integriert, sichert sich nicht nur betriebswirtschaftliche Vorteile, sondern begeistert Gäste mit gleichbleibend hoher Qualität und einem zeitgemäßen Innovationsanspruch.
Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 5/2025 erschienen.
