Bautrends 7 wichtige Entwicklungen der Baubranche

Alles neu am Bau - Trends und Entwicklungen
Der Bausektor in Deutschland steht vor erheblichen Herausforderungen: Klimaneutralität bis 2045, Materialknappheit und Fachkräftemangel sind nur einige der zentralen Themen. © Adobestock.com/Pina

Der Bausektor in Deutschland steht vor großen Herausforderungen: Klimaneutralität bis 2045, Materialknappheit und Fachkräftemangel verändern das Bauen. Ein Überblick zu wichtigen Entwicklungen.

# Innovative Materialien

Vom CO2-freien Zement bis hin zum wiederverwendeten Teppichboden: Laut dem aktuellen „Design Forecast“, den das Architekturbüro Gensler jährlich veröffentlicht, wird nachhaltiges Design immer gefragter, da es Innovation und Wertschöpfung fördert. Unternehmen würden weltweit zunehmend klimabewusster, was zu Durchbrüchen bei Bauprozessen führe – Stichwort: Materialrevolution.

Der Handlungsbedarf ist eindeutig: Rund 60 Prozent des weltweiten Ressourcenverbrauchs gehen auf das Konto der Baubranche. Um das zu ändern, gilt es, Primärressourcen durch wiederverwertete Grundstoffe zu ersetzen – Materialien, die bereits im Umlauf sind und nicht aufwendig hergestellt und beschafft werden müssen. Architekten und Designer stehen nun vor der Herausforderung, Entwürfe zu schaffen, die auf zirkuläre Materialien setzen, ohne dabei provisorisch zu wirken.

# Quartiere für Freizeit, Arbeit und Leben

Weltweit sehen sich Städte mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert: Der Wandel der Arbeitswelt zeigt Auswirkungen, Bestandsgebäude sollen neu genutzt und neue Quartiere entwickelt werden. Laut „Design Forecast“ verleihen sogenannte Lifestyle Districts den Städten neuen Schwung. Dabei handelt es sich um Viertel, in denen verschiedene Nutzungen zusammentreffen – etwa Wohnen, Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und Sport. Ein aktuelles Beispiel ist das Westfield Überseequartier in Hamburg, das im April fertiggestellt wurde. Dass solche Stadtteile beliebter werden, liegt laut Forecast auch am steigenden Bedürfnis nach sicheren Straßen und zuverlässigen Verkehrsmitteln.

Modulbau Bauentwicklungen
Modulare Holzbauteile ermöglichen eine schnellere und ressourcenschonendere Umsetzung von Bauprojekten – auch im gewerblichen Bereich. - © Marco - stock.adobe.com

# Gut vorgearbeitet

Dass sich neue Gebäude oder Aufbauten dank vorgefertigter Bauteile aus Holz schneller realisieren lassen, hat auch die Hotellerie erkannt – und zwar nicht nur Einzelhotels wie das Bergamo Ludwigsburg oder das Wood Hotel Norwegen, sondern auch Ketten wie Premier Inn oder Novum. Letztere hat gerade mit dem Bauunternehmen Nxtbau eine Vereinbarung über die Realisierung von zehn Hotelprojekten in nachhaltiger Holzmodulbauweise geschlossen.

Angebote gibt es genug: Mittlerweile drängen immer mehr Modulbau-Anbieter auf den Markt. Auch Architekturbüros entwickeln eigene Modulbau-Systeme, zum Beispiel Werner Sobek aus Stuttgart oder das Berliner Designstudio Beta Realities. Geschäftsführer Marvin Bratke von Beta Realities spricht gar von einer Transformation der Immobilie zur „Mobilie“; also Gebäude, die sich wechselnden Anforderungen jederzeit flexibel anpassen.

# Lust auf Farbe

Schwarz, Weiß und gedeckte Erdtöne: Die meisten Hotels sind eher minimalistisch gestaltet. Doch Designer entdecken ihre Lust an bunten Farben, und die Industrie liefert dazu die passenden Produkte. Zum Beispiel bietet Jung die Schalter und Steckdosen LS 990 in den Farben des Schweizer Architekten Le Corbusier. Dessen Palette aus 63 aufeinander abgestimmten Farbtönen nutzen auch andere Hersteller, dazu zählen FSB (Türen und Fensterbeschläge) oder Heroal (Fenster, Türen und Rollläden). Auf dem Dach kommt ebenfalls Farbe ins Spiel: bei PV-Anlagen in Ziegelrot oder Braun, die somit mehr Einsatzmöglichkeiten bieten – zum Beispiel bei denkmalgeschützten Gebäuden.

Geberit Duofix-Element 2025 System
Das weiterentwickelte Installationselement ermöglicht eine werkzeuglose Montage in Schienen – eine Reaktion auf den zunehmenden Fachkräftemangel im Handwerk. - © Geberit

# Schnell aufgestellt

Nicht nur das Gastgewerbe hat Probleme, Fachkräfte zu finden. Im Handwerk blieb zuletzt jede zweite offene Stelle unbesetzt, so eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. In der Heizungs- und Klimatechnik sind laut IW 12.000 Stellen unbesetzt, in der Bauelektrik sind es sogar 18.300. Doch die Baubranche wartet nicht ab, dass sich das Problem von alleine löst. Sie entwickelt zunehmend Produkte, die mit weniger Personalaufwand installiert werden können.

So stellte zum Beispiel Geberit kürzlich das weiterentwickelte Duofix Installationselement vor, bei dem sich Systemwände schnell und werkzeuglos in spezielle Schienen einklicken lassen. Und Heizungsprofi Vaillant bietet Wärmepumpen an, die wie Plug-in-kompatible Boxen konzipiert sind und lediglich aufgestellt und angeschlossen werden müssen.

# Künstliche Intelligenz

Der Einsatz von Building Information Modeling (BIM) und anderen digitalen Tools beeinflusst die Planung, den Bau und den Betrieb von Gebäuden. Pläne für Häuser können nach parametrischen Vorgaben programmiert und von 3D-Druckern gebaut, Bestandsgebäude vor einer Sanierung im 3D-Modell analysiert werden.

Die künstliche Intelligenz hat in vielen Bereichen Einzug gehalten: Architekten haben die Hoffnung, dass KI ihnen lästige Routineaufgaben abnehmen kann, was ihnen die Kapazität gibt, sich mit Wesentlichem zu beschäftigen: der Gestaltung einer lebenswerten Umwelt.

# Cool bleiben

Die Klima- und Lüftungsbranche sieht sich nach Ansicht von Frank Ernst, Geschäftsführer des Fachverbandes Gebäude-Klima, derzeit drei großen Aufgaben gegenüber. Da sind zum einen die Konsequenzen aus der anstehenden Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG). Dieses soll nicht nur Vorgaben zur Energieeffizienz machen, sondern stellt auch Anforderungen an die Innenraumqualität.

Das zweite wichtige Thema ist die große Zahl an unsanierten Gebäuden in Deutschland. Hohe Energiepreise und gesetzliche Vorgaben erfordern Lösungen, mit denen sich die energetische Sanierung kostengünstig umsetzen lässt. Das dritte Thema ergebe sich laut Ernst aus den immer wärmer werdenden Sommermonaten: Mit regelmäßigen Hitzeperioden nimmt auch die Bedeutung von Klimatisierung zu. In Kombination mit der Entfeuchtung eines Raumes ist Kühlung an schwülheißen Sommertagen entscheidend für ein angenehmes Raumklima.

Der Beitrag ist in der Ausgabe 3-4/2025 erschienen.