Hotelreportage Wald Weit: Retreat mit grüner Seele

WALD.WEIT Rheingau Hotel & Retreat
Von der Natur umgeben: Im Rheingau öffnet das Wald.Weit Hotel & Retreat. © Wald.Weit

Mit dem "Wald Weit Rheingau Hotel & Retreat" verwirklicht ein visionäres Geschwisterpaar das derzeit größte touristische Projekt der Region. Im Mittelpunkt des Bauvorhabens steht die Nachhaltigkeit.

Im südhessischen Kiedrich öffnet der erste Teil des neuen Wald Weit Hotels mit 80 Zimmern und Suiten, Restaurant, Bar, Rooftop-Bar und Rooftop-Saunalandschaft sowie großer Event-Etage. Sobald es das Wetter erlaubt, kommt noch ein Sommergarten hinzu, der nicht nur Hotelgäste, sondern auch Wanderer und Radfahrer ansprechen soll. Das neue Hotel liegt auf dem Bergplateau eines insgesamt 18 Hektar großen Privatgeländes, durch das ein Teil des bekannten Wanderwegs Rheinsteig führt. In einem Waldstück unterhalb des Hotels wurden Flowtrails für Mountainbiker in verschiedensten Schwierigkeitsgraden angelegt. Darüber hinaus können Gäste im Wald Yoga praktizieren, meditieren und ausgedehnte Spaziergänge machen.

Früher Firmenzentrale, heute Hotelanlage

Realisiert wird das Projekt von der Ingelheimer Unternehmensgruppe Molitor/Gemünden, die sich sowohl auf Wohnungs- als auch auf Gewerbebau spezialisiert hat. Das Wald Weit wird das zweite Hotel sein, das die Geschwister Tina Badrot und Tim Gemünden selbst betreiben. Beide sind Geschäftsführer der TT Hospitality GmbH sowie der Golf-Gast-Haus Verwaltungs GmbH. Ihr erstes Hotel in Eigenregie ist das Hofgut Wißberg – Das Weinberghotel in St. Johann in Rheinhessen.

Das Hotelgelände des Wald Weit blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Ursprünglich war dort 1966 ein Ferienzentrum der Gewerkschaft IG Bau-Steine-Erden eröffnet worden. In den 1980er-Jahren nutzte das IT-Unternehmen CSC Ploenzke die Anlage als Firmenzentrale. Nach dem Erwerb der Immobilie durch Molitor/Gemünden war zunächst geplant, die bestehende Substanz in ein Aparthotel umzubauen und um weitere Gebäude zu ergänzen. „Den Bestand zu erhalten erwies sich aber als sehr schwierig“, erläutert Tim Gemünden. Die Betonanlage hatte nur eine Deckenhöhe von 2,30 Meter, was es schwierig machte, durch Eindämmung einen energetisch effizienten Zustand zu erreichen. Daher wurde das alte Gebäude abgerissen und das Gelände neu modelliert, wobei soweit wie möglich Recyclingmaterialien verwendet wurden.

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    Wald_Weit_Außenansicht
    © Thomas Ott
    Die Fassade des Gebäudes erinnert mit ihren langen, dünnen Stämmen an die Bäume der umliegenden Wälder.
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    Wald Weit Lobby
    © Nadja Kuschel
    Visuelles Statement: In der Lobby wurde eine großflächige Holzlamellen-Konstruktion an der Decke realisiert.
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    Wald_Weit_Lobby_Lamellen
    © Thomas Ott
    Visuelles Statement: In der Lobby wurde eine großflächige Holzlamellen-Konstruktion an der Decke realisiert.
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    Wald_Weit_Zimmer
    © Tim Lunkenheimer
    Entschleunigung: Beige-Töne sorgen in Kombination mit Holz für ein beruhigendes Ambiente.
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    Wald_Weit_Zimmer_Detail
    © Tim Lunkenheimer
    Dekorative Details: Der asymmetrische Spiegel und die Kleiderhaken aus Holz.

Nistplätze in Fassade integriert

Das Wald Weit ist nicht das erste Hotel, das Molitor/Gemünden errichtet. „Das Hotelbauen haben wir geübt“, sagt Tim Gemünden und verweist dabei unter anderem auf das IBB Hotel in Ingelheim oder das Hyatt Place in Frankfurt Gateway Gardens. Über die geplante Investitionssumme bis zur Fertigstellung des Komplexes möchte er nicht sprechen.

Wer sich der Weinbaugemeinde Kiedrich von der Autobahn nähert, erkennt das harmonisch in die Landschaft eingefügte Hotel oberhalb des Ortes. Natürliche Materialien, vor allem heimische Hölzer, prägen das Erscheinungsbild und fügen sich nahtlos in die umgebende Natur ein. Von dieser inspiriert, erinnert die Fassadengestaltung mit langen schlanken Stämmen an hohe Bäume und dichtes Unterholz. Natursteinverblendungen bieten zudem Nistplätze und Lebensräume für heimische Reptilien und andere Tiere.

Viel Holz und bodentiefe Fenster

Das Interior Design des Hotels, entwickelt vom Wiesbadener Büro BGF+Architekten in Zusammenarbeit mit Molitor/Gemünden, nimmt ebenfalls Bezug auf die Lage und spiegelt in allen Bereichen die Atmosphäre des Waldes wider. Die Lobby präsentiert sich in einem eindrucksvollen Holzlamellen-Design, die Zimmer und Suiten sind mit viel Naturholz und natürlichen Stoffen in Beigetönen gestaltet. Bodentiefe Fenster und private Balkone ermöglichen jedem Gast eine freie Aussicht auf den Wald und die Umgebung. Besonders großzügig ist in den Suiten der Essbereich mit angrenzendem Kühlschrank, Kaffeemaschine und Wasserkocher gestaltet.

„Wir könnten dort mit wenig Aufwand eine Küchenzeile nachrüsten, die Leitungen dafür haben wir legen lassen“, erläutert Gemünden und verweist dabei auf Erfahrungen aus der Coronapandemie, in der Zimmer mit Selbstversorgungsmöglichkeit besonders erfolgreich waren.

Zur Beheizung und Kühlung des Hotels entschieden sich die Bauherren für ein sogenanntes kaltes Nahwärmenetz auf Geothermie-Basis, kombiniert mit einer Hackschnitzelanlage zur Deckung der Spitzenlasten. Für das kalte Nahwärmenetz wurden zunächst 23 Geothermie-Bohrungen mit einer Tiefe von jeweils 250 Metern vorgenommen.

Steckbrief Wald Weit Rheingau Hotel & Retreat

  • Baustart: 2021 (1. Bauabschnitt), 2025 (2. Bauabschnitt)
  • Eröffnet: 1. Bauabschnitt Februar 2025; 2. Bauabschnitt ab 2027 (Spa mit 1400 m² Indoorbereich inklusive Infinitypool und Schwimmteich, weiteres Restaurant mit 250 Sitzplätzen
  • Investor/Projektentwickler: Unternehmensgruppe Molitor/
    Gemünden, Ingelheim
  • Betreiber: TT Hospitality GmbH & Co. KG, Ingelheim
  • Architektur: BGF+ Architekten, Wiesbaden
  • Innenarchitekt/Interior Design: Unternehmensgruppe Molitor/Gemünden in Kooperation mit BGF+ Architekten
  • Kategorie: Luxury Destination Hotel
  • Angebot: Rooftop-Bar, Restaurant „Wald Fein“, Sommergarten, 4 flexibel aufteilbare Tagungsrräume für bis zu 199 Personen mit Event-Terrasse. Dachgarten mit Sauna-Spa
  • Zimmer und Suiten: im ersten Bauabschnitt 78 (geplant 170)
  • Zimmergröße: 78 Zimmer und Suiten, darunter 48 Suiten mit 45 m² und 30 Zimmer mit 25 m² (35 Junior Suiten, 10 Wald Weit Panorama-Suiten, 3 Familiensuiten, 30 Logen-Zimmer)
  • Preise: ab 265 Euro pro Nacht und Zimmer
  • Gesamtareal: 18 Hektar
  • BGF (oberirdisch): 6.900 m²
  • Investitionsvolumen: keine Angaben
  • Hoteldirektor: David Simon
  • Kontakt: Am Hahnwald 1, 65399 Kiedrich

Die Vorteile kalter Nahwärmenetze

Ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel nimmt die über Erdsonden gewonnene Wärme des Erdreichs mit ganzjährig konstanten Temperaturen von rund 10 bis 12 Grad Celsius auf. Zusätzlich wird über eine Ringleitung mit Oberflächensonden weitere Energie gewonnen. Wärmepumpen mit besonders niedrigem Strombedarf heben die Energie schließlich auf die jeweils gewünschte Temperatur an. Die grundlegenden Vorteile dieser Nahwärmenetze liegen darin, dass sie vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben werden können und gleichzeitig zur Stabilisierung der schwankenden Erzeugung von Windkraft- und Photovoltaikanlagen beitragen.

Aufgrund der niedrigen Temperatur des Wärmemediums entstehen keine Leitungsverluste. Eine Dämmung der Ringleitungen ist daher nicht notwendig. Damit fallen die Investitionskosten im Vergleich zur konventionellen Wärmeversorgung niedriger aus. Im weiteren Verlauf erfolgen Heizung und Kühlung des Hotels über eine ausgedehnte Flächenheizung. Auch sie sei sehr sparsam und erzeuge ein besonders angenehmes Raumklima, so die Bauherren. Die Hackschnitzelanlage des Hotels wird überwiegend mit Bauholz aus dem eigenen Unternehmen gespeist, darunter vor allem Holzverschalungen.

Die Stromversorgung des Hotels wird größtenteils durch vor Ort erzeugten Strom aus Photovoltaikanlagen auf der angrenzenden Bebauung sichergestellt. Für die ressourcenschonende Bewässerung der Außenanlagen wurde ein Brauchwasserteich angelegt, zusätzlich wird Regenwasser über Retentionsdächer gewonnen. Regenwasserversickerungsmulden entlasten zudem das öffentliche Kanalnetz. Eine umfangreiche Ladeinfrastruktur für E-Mobilität ergänzt das nachhaltige Gesamtkonzept. Aus Kostengründen verzichteten die Bauherren auf eine Tiefgarage. Das Areal bietet ausreichend Parkmöglichkeiten – insgesamt stehen 140 Stellplätze für Hotel- und Tagesgäste zur Verfügung.

Gebäudeautomation spart Ressourcen

Eine weitere Besonderheit des Wald Weit ist seine smarte Gebäudeautomation. Zimmer und Suiten sind mit einem Gäste-Tablet mit vielfältigen Nutzungsoptionen ausgestattet: Außer dem Buchen von Restaurantreservierungen, Tagesausflügen oder Anwendungen lässt sich über das Tablet auch das Raum-Ambiente steuern. Die Gäste haben beispielsweise die Wahl zwischen verschiedenen Lichtszenen oder können die Zimmertemperatur anpassen. Die Gebäudeautomation ist zudem ein wichtiger Baustein beim energieeffizienten Heizen und passiven Kühlen. Wird im Winter ein Fenster geöffnet, schaltet sich die Heizung für den Zeitraum der Öffnung automatisch aus.

Und noch eine weitsichtige Entscheidung haben die Investoren getroffen: Auf dem Gelände entsteht derzeit ein modernes Wohnhaus für bis zu 30 Mitarbeitende.

General Manager des Hotels ist David Simon, der nach zahlreichen Stationen im In- und Ausland in seine Heimat Deutschland zurückkehrte. Zuletzt war er für die Luxusgruppe Address als Area General Manager mit Sitz in Dubai für die nördlichen Emirate zuständig.

Spannend bleibt auch die Weiterentwicklung des Wald Weit Rheingau Hotel & Retreat: In einem zweiten Bauabschnitt soll es in den nächsten Monaten um weitere 90 Zimmer und Suiten sowie einen Wellnessbereich mit Infinity-Pool und Schwimmteich erweitert werden. Die Eröffnung des zweiten Gebäudes, das unterirdisch mit dem bereits fertiggestellten Komplex verbunden wird, ist für das Jahr 2027 geplant.

Der Beitrag ist in der Tophotel-Ausgabe 1-2/2025 erschienen.