Im Frühjahr 2023 hat Niels Battenfeld, Geschäftsführer der Lieblingsplatz Hotels, im Surf Rescue Club eine Robotikkküche getestet. Der Hotelier sieht die Technologie vor allem als Chance und Bereicherung.
Neun Monate lang hat der Kochroboter im Surf Rescue Club in Grömitz an der Ostsee gekocht – viele Stunden, sieben Tage die Woche. Die beiden Roboterarme, die sich gut sichtbar hinter einer Glaswand mitten im Gastraum befanden, haben Bowls, Pasta, Reisgerichte und Currys zubereitet. In Stoßzeiten waren es bis zu 60 Gerichte pro Stunde, erzählt Niels Battenfeld. „Natürlich reden wir nicht von Sterneküche“, sagt der Gastgeber. „Dafür aber von familienfreundlichem, gesundem und frischem Essen.“
Mit der Qualität der Speisen war der Hotelier zufrieden. Ab dem Frühjahr 2023 war der Kochroboter im Einsatz. Die beiden Arme des Roboters konnten die frischen Rohwaren und Zutaten mittels Induktion erhitzen und brachten sie in Schüsseln zusammen. Bestellen konnten die Gäste direkt am Tisch mit dem Handy oder über ein Display, das fest neben der Robotik-Küche steht.
Doch Anfang dieses Jahres, nach rund neun Monaten, war erst mal Schluss. Battenfeld musste den Kochroboter wieder abbauen. Das Startup Aitme aus Berlin, das den Roboter für den Hotelier entwickelt hatte, wurde verkauft. Aitme war bis dahin auch als Dienstleister weiter für den Hotelier da. „Das Unternehmen, das Aitme gekauft hatte, wollte die Technologie nur noch für eigene Zwecke nutzen“, so Battenfeld. Weiterentwicklungen, Wartung und Support des Roboters so wie bisher seien nicht mehr möglich gewesen. Damit hatte der Gastgeber nicht gerechnet. „Ich brauche einen verlässlichen Support. Der Service und die Betreuung des Herstellers sind wichtig. Wir können das nicht in Eigenregie machen“, sagt er. Deshalb machte er sich auf die Suche nach einem neuen Partner für seine Roboterküche.
"Das Bild vom Roboter als Monster, das Jobs killt, entspricht nicht der Realität."
Niels Battenfeld, Lieblingsplatz Hotels
„Wir haben viel Zeit investiert und sind durch einen spannenden Prozess gegangen“, so Battenfeld. Inzwischen hat der Hotelier mit dem Unternehmen Goodbytz in Hamburg einen neuen Entwickler für seine Roboterküche gefunden. Im Auftrag des Hoteliers entwickelt Goodbytz zurzeit einen neuen Kochroboter. Die Themen Robotik und Automatisierung hat Battenfeld ganz bewusst zum Teil seines Unternehmenskonzepts gemacht: „Ich bin ein Verfechter, ein großer Fan dieser Technologie. Robotik ist ein Puzzleteil unserer gesamten digitalen Strategie.“
Battenfelds Ziel war nicht nur, mit der Robotik zuverlässig gutes Essen zu produzieren. Es gehe nicht allein um die Technologie, sondern auch darum, vor welchen Herausforderungen die Branche insgesamt steht. „An unseren Standorten ist es schwierig, Personal für die Küche zu gewinnen. „Mit dem Roboter ist auch ein neues attraktives Jobprofil entstanden“, sagt er. „Nämlich das des Robo-Chefs.“ Hinter dem Namen verbirgt sich die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter. Durch den Küchenchef, der den Roboter bedient, entsteht das neue Jobbild. Ein menschlicher Koch bedient die Maschine. Dafür hat Battenfeld drei Köche beschäftigt, die sich um Logistik, Wartung, Pflege und Hygiene kümmern. „Sie agieren als Food-Service-Logistiker, die frische Waren einkaufen, die Zutaten vorbereiten und die Maschine bedienen und pflegen.“ Sobald der Roboter bestückt ist, startet die Maschine selbstständig den Kochvorgang. „Das Kochen liegt in der Hand der Maschine.“

Attraktives Jobprofil entstanden
Durch das digitale Bestellsystem im Surf Rescue Club können die Gäste außerdem jederzeit verfolgen, an welcher Position sie sich gerade in der Warteschlange befinden und an welchem Produktionsschritt sich ihr Essen gerade befindet. „Das ist für den Gast besonders transparent.“ Der Roboter konnte laut Battenfeld bis zu 60 Gerichte in der Stunde zubereiten. Drei bis vier Minuten betrug die Kochzeit pro Gericht. „Bestellen mehr Gäste, steigt auch die Wartezeit“, sagt er. Und: „Je komplexer die Gerichte waren, desto länger dauerte der Kochprozess.“ Die Technologie hat also auch ihre Grenzen.
„Die zwei Roboterarme haben begrenzte Möglichkeiten.“ Das Qualitätsmanagement, das Feintuning, unterliegt weiter dem Menschen, und das ist auch gut so“, sagt Battenfeld. „Der Roboter übernimmt hochautomatisiert die tägliche Handwerksarbeit, die bei großer Wärme und hoher Frequenz ja auch die anstrengende Arbeit ist – und wir müssen in Spitzenzeiten nicht mit unseren Mitarbeitenden an die Grenzen gehen.“ Das mache den Beruf wieder attraktiver. „Wir konnten mit dem Roboter gute Köche gewinnen, die sich mit der Technik auseinandersetzen wollen, die sich im Job verändern wollten und jetzt als Robo-Chefs agieren.“ Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine habe sehr gut funktioniert. Der Mensch sei weiter notwendig und arbeite in Kooperation mit dem Roboter. Vielleicht könnten Arbeitskräfte eingespart werden, räumt er ein.
Das Arbeitsumfeld verändert sich
Doch das Bild vom Roboter als Monster, das Jobs killt, entspricht aus Sicht von Niels Battenfeld nicht der Realität. „Wir beschäftigen trotzdem weiter Köche. Die Zahl der Mitarbeitenden bleibt ähnlich hoch, aber die Aufgaben ändern sich“, sagt er. Der Roboter könne außerdem nur das tun, was der Mensch ihm vorgebe. „Stand heute lernt er das nicht selbstständig, sondern setzt nur die Prozesse um, die ihm auch gesagt werden“, betont er. „Der Mensch setzt die Grenzen.“ Für Unternehmer hat die Robotik noch andere Vorteile, meint Battenfeld. „Danke der Robotik kann ich zuverlässiger planen und konstant gute Speisen anbieten. Das ist für uns ein absoluter Segen.“ Der Hotelier hofft, dass sein neuer Kochroboter bis Ende des Jahres eingesetzt werden kann. Den spannenden Weg der Robotik möchte er auf jeden Fall weitergehen. „Unsere Gesellschaft, der Arbeitsmarkt und unser Arbeitsumfeld verändern sich. Wir sollten aufpassen, dass wir den Fortschritt nicht verpassen“, meint Battenfeld. Investitionen in Innovationen und Technologien könnten künftig schließlich auch für eine verlässliche Infrastruktur der Hotel- und Tourismusbranche sorgen.