Rechtstipp Hotel gehackt – was nun?

A Computer System Hacked Warning
Der erste Schritt bei einem Hackerangriff: Der Vorfall muss intern dokumentiert werden und Sofortmaßnahmen müssen ergriffen werden. © James Thew - stock.adobe.com

Unternehmen müssen schnell reagieren, wenn sie von Cyberangriffen betroffen sind. Juristisch gilt es Beweise zu sichern und gesetzliche Meldepflichten zu erfüllen.

Wird ein Unternehmen Opfer eines Hackerangriffs, steht es vor einer Reihe von rechtlichen, operativen und reputationsbezogenen Herausforderungen. Aus rechtlicher Sicht sind die ersten Schritte nach der Entdeckung eines solchen Vorfalls entscheidend, um den Schaden zu minimieren und die juristischen Anforderungen zu erfüllen. Vor diesem Hintergrund müssen Unternehmen einen strukturierten Ansatz verfolgen, der im Folgenden detailliert beschrieben wird.

Der erste Schritt ist die interne Dokumentation des Vorfalls und das Ergreifen von Sofortmaßnahmen zur Schließung der Sicherheitslücke. Dazu gehört auch, betroffene Systeme vom Netzwerk zu trennen, um eine weitere Ausbreitung des Angriffs zu verhindern. Gleichzeitig ist es wichtig, Beweise zu sichern, die für spätere Untersuchungen oder rechtliche Auseinandersetzungen von Bedeutung sein könnten. Dazu gehören Logs und Verkehrsprotokolle, die Aufschluss über die Art des Angriffs und das Ausmaß des Schadens geben können.

Gestohlene Daten identifizieren und Folgen abschätzen

Eine gründliche Bewertung des Vorfalls ist unerlässlich, um das Ausmaß des Schadens zu verstehen und festzustellen, welche Daten betroffen sind. Dazu gehören die Identifizierung der gestohlenen, kompromittierten oder verloren gegangenen Daten und die Abschätzung der Auswirkungen auf das Unternehmen sowie auf Kunden, Partner und Mitarbeitende. Diese Bewertung muss schnell erfolgen, damit die nächsten Schritte effektiv geplant werden können.

Die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) schreibt vor, dass Datenschutzvorfälle innerhalb von 72 Stunden nach ihrer Entdeckung an die zuständigen Aufsichtsbehörden gemeldet werden müssen, wenn sie ein Risiko für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen darstellen. Es ist daher wichtig, die spezifischen Meldepflichten zu kennen und einzuhalten, um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden. Diejenigen, die bereits einen Meldeprozess dokumentiert und eingerichtet haben, werden schneller reagieren können als diejenigen, die einen solchen Prozess noch nicht eingerichtet haben.

Rechtskonform reagieren

1. Sofort in Aktion treten, um die Sicherheitslücke zu schließen und Beweise zu sichern.

2. Vorfall bewerten, um das Ausmaß des Schadens festzustellen.

3. Meldepflichten der EU-DSGVO einhalten.

4. Mit Betroffenen offen und transparent kommunizieren.

5. Rechtliche Schritte gegen die Täter erwägen und mit den Behörden zusammenarbeiten.

6. Eigene Sicherheitsmaßnahmen überprüfen und verbessern.

Kunden, Partner und Mitarbeitende informieren

Eine offene und transparente Kommunikation mit den Betroffenen ist ein wichtiger Aspekt im Umgang mit einem Hackerangriff. Kunden, Partner und Mitarbeitende müssen über den Vorfall, die getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung des Schadens und die Schritte zum Schutz ihrer Daten informiert werden. Dies fördert nicht nur das Vertrauen in das Unternehmen, sondern ist in vielen Fällen auch gesetzlich vorgeschrieben. Je nach Schwere des Angriffs kann es notwendig sein, rechtliche Schritte gegen die Täter zu erwägen und eng mit den Strafverfolgungsbehörden zu kooperieren. Diese Zusammenarbeit kann dazu beitragen, die Angreifer zu identifizieren und zu verfolgen sowie künftige Attacken zu verhindern.

Sicherheitsvorkehrungen überprüfen und verbessern

Nach einem Hackerangriff ist es unerlässlich, die bestehenden Sicherheitsprotokolle und Sicherheitsmaßnahmen zu überprüfen und zu verbessern, um künftige Vorfälle zu vermeiden. Dies kann die Implementierung neuer Sicherheitstechnologien, die Schulung der Mitarbeitenden in Sicherheitsfragen und die regelmäßige Überprüfung der IT-Infrastruktur umfassen. Letztlich gilt auch hier: Vorbeugen ist besser als Heilen. Vorsorge ist der Schlüssel im Kampf gegen Cyberbedrohungen. Sie verhindert nicht nur Schäden, sondern spart auch Zeit und Ressourcen, die sonst später für die Nachsorge aufgewendet werden müssen.

Zum Autor

Christian Aretz ist als Senior Expert Data Protection & Information Security und Auditor bei Spirit Legal tätig.