Ein Job im Ausland zählt für viele zu den großen Verlockungen einer Karriere in der Hotellerie. In unserer Serie berichten Hospitality-Profis von ihren Erfahrungen. Diesmal Dirk Bansemer aus Ulan-Bator.
Dirk Bansemer sitzt auf gepackten Koffern. In Kürze wird er General Manager für Kempinski in Saudi-Arabien. „Die Arbeit für Kempinski ist eine Reise,“ sagt der 54-Jährige. Eine Reise, die den gebürtigen Hessen 2017 von China in die Mongolei geführt hat. Im nordchinesischen Harbin hatte er als Executive Assistant Manager das Pre-Opening des Kempinski Hotels begleitet.
In der Mongolei wurde sein neues Zuhause das Kempinski Hotel Khan Palace in der Hauptstadt Ulan-Bator. Rund 1,5 Millionen Menschen leben hier. Sechs Jahre sind daraus geworden, die ihm in Erinnerung bleiben werden. Auch wegen der Coronapandemie, während der sein serviceorientiertes Haus zum beliebtesten Quarantäne-Spot der Stadt avancierte.
Besucher erwartet in der Mongolei viel Kultur: wunderschöne Museen, buddhistische Klöster und traditionelle Opernaufführungen. Im Land ist die Bewunderung für Dschingis Khan und die Musik groß, vor allem für den Gesang der Pferdekopfgeige. Dazu können die Gäste die faszinierende Natur erleben. „Die Weite des Landes ist unglaublich, man kann durch die Steppe reiten, und die Wüste Gobi, den Khuvsgul See oder die Rentierzüchter Tsaatan besuchen“, erzählt Bansemer. Unter dem Slogan „Go Mongolia“ bemüht sich das Land um mehr Gäste, baut Flugverbindungen und Infrastruktur aus und führt Visa-Erleichterungen ein. „Die Mongolei ist ein Land mit vielen Herausforderungen“, sagt der General Manager. Seit 25 Jahren befindet es sich im Wandel zur Demokratie und bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen den großen Nachbarn Russland und China. Trotz des Reichtums an Bodenschätzen und dem Exportschlager Kaschmir leben viele Mongolen in Armut.
"Die Menschen hier sind wunderbar. Sie sind stolz, haben Nomadenblut und lieben die Weite.“
„Die Menschen sind wunderbar, aber schwer zu beschreiben“, sagt Dirk Bansemer. „Sie sind sehr stolz, haben Nomadenblut und lieben die Weite, die Steppe und den Schamanismus.“ Sie seien eher verschlossen, lächelten wenig und zeigten Gefühle nur selten, beschreibt er die kulturellen Unterschiede weiter. „Obwohl hilfsbereit und gastfreundlich, muss sich eine Service-Mentalität, wie wir sie kennen, erst noch entwickeln.“ Aber auch die einheimischen Gäste müssten sich erst daran gewöhnen, bedient zu werden, empfänden guten Service teils als aufdringlich. „Ein Manager verbringt hier die meiste Zeit in der Operation, um Gäste zu begrüßen, Standards zu kontrollieren und Mitarbeiter zu motivieren.“
Ein Hotel in der Mongolei zu leiten bringe aber auch viel Spaß und Abwechslung. Erfolge würden schnell sichtbar, die meisten Mitarbeitenden tauten nach einiger Zeit auf. Ausgesprochen stark sei zudem der Zusammenhalt der Expatriates in der Stadt, ob Führungskräfte oder Botschafter, so der General Manager. Der Wechsel nach Saudi-Arabien wird nun sein 14. Umzug. Der des Reisens noch nicht müde gewordene Manager gesteht aber auch: „Die heimische Umgebung, die vier Jahreszeiten und die Berge zum Skifahren vermisse ich mit zunehmendem Alter durchaus.“
