Mehrwertsteuer Größere Restaurants haben Preise noch nicht erhöht

Blick in die Speisekarte: Einige größere Restaurants in Berlin wollen die Preise trotz gestiegener Mehrwertsteuer vorerst nicht anheben.
Blick in die Speisekarte: Einige größere Restaurants in Berlin wollen die Preise trotz gestiegener Mehrwertsteuer vorerst nicht anheben. © alfa27-stock.adobe.com

Seit 1. Januar gelten für Speisen in Restaurants wieder 19 Prozent Mehrwertsteuer. Warum größere Restaurants in Berlin ihre Speisekarten bisher trotzdem nicht geändert haben.

Vor allem einige größere und bekanntere Restaurants in Berlin geben die seit 1. Januar wieder geltende höhere Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf Speisen bislang nicht an ihre Gäste weiter. So sagt etwa Jörn Brinkmann, Geschäftsführer der Ständigen Vertretung (StäV), einem besonders bei Touristen beliebten Restaurant mit rheinischer Küche, in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße: "Wir haben unsere Karte noch nicht geändert."

Brinkmann vor allem auf die hohen Kosten, die eine Änderung der aufwendig gestalteten Speisekarten bedeuten würde. Bis zu 5.000 Euro müsste er demnach aufwenden, um einen neuen Satz zu erstellen. "Wir haben deshalb überlegt, dass wir die Karte erst im Februar oder März wechseln", sagte er. Dann könnten sich durchaus auch die Essenspreise erhöhen.

Insbesondere größere, bei Touristen beliebte Häuser hätten es dabei aber leichter. "Für Engländer, Spanier oder Franzosen sind wir ohnehin schon nicht sehr teuer. Und im Urlaub sitzt der Geldbeutel meist lockerer", meint Brinkmann.

Preise stabil halten durch optimierte interne Arbeitsabläufe

Auch im Drehrestaurant in der Kugel des Berliner Fernsehturms gibt es bisher keine Preisänderung. "Wir haben die Erhöhung entsprechend in unserem Budget berücksichtigt und möchten die Mehrkosten durch eine Erweiterung unseres Speisenangebotes zum Beispiel in unserer neuen Sphere Bar kompensieren", teilte das Restaurant auf Nachfrage mit.

Die Berliner Burgerkette Burgermeister hält die Preise für ihre Speisen bisher ebenfalls stabil. "Burgermeister hat als Konzept ohnehin ein großes Lieferdienst- und Take-Away-Geschäft, weshalb die Erhöhung uns nicht in dem Maße trifft, wie eventuell andere klassische Gastronomen", sagte Betriebschef Leander Brune. "Wir versuchen auch durch die laufende Expansion, an den Einkaufspreisen und der ständigen Optimierung unserer internen Arbeitsabläufe den Preis für den Kunden stabil zu halten – das gelingt uns bisher sehr gut."

Kleinere Restaurants haben es schwerer

Repräsentativ für Berlin sind die Aussagen der Restaurantbetreiber allerdings nicht. Kleinere Kiezrestaurants, die vor allem auf ihre Stammkunden aus der Gegend angewiesen sind, könnten es durchaus schwerer haben, sagte Brinkmann von der StäV. Wenn sich dort die Preise erhöhten, kämen die Gäste möglicherweise deutlich seltener. Auch in anderen Städten haben Gastronomen die Preise nach dem Jahreswechsel bereits erhöht.

Um die Branche während der Coronakrise zu entlasten, hatte die Bundesregierung Mitte 2020 die Mehrwertsteuer für Restaurantspeisen auf sieben Prozent gesenkt. Die Ampelkoalition verlängerte die Maßnahme mehrfach, unter anderem wegen der Folgen der Energiekrise und der hohen Inflation. Seit Anfang 2024 gilt aber wieder der volle Steuersatz von 19 Prozent. Bei Bringdiensten und Essen zum Mitnehmen bleibt es dagegen beim ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent für Speisen.

"Die Steuererhöhung um zwölf Prozentpunkte ist ein massiver Kraftakt für unsere Branche und Steuerfairness sieht definitiv anders aus."

Dehoga Bundesverband Berlin

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband hatte über Monate versucht, die Erhöhung zu verhindern und fürchtet weiterhin gravierende Folgen für die wirtschaftlich angeschlagene Branche. "Unverständnis und Empörung in der Branche sind nachvollziehbar und nach wie vor groß", teilte der Verband am Freitag mit. "Die Steuererhöhung um zwölf Prozentpunkte ist ein massiver Kraftakt für unsere Branche und Steuerfairness sieht definitiv anders aus." dpa/sr