Wir haben drei unabhängige Experten dazu eingeladen, einen kleinen Ausblick für ihre jeweiligen Bereiche – Digitalisierung, HR und F&B – zu geben. Drei Impulse, worauf sich Hoteliers einstellen sollten.
Vanessa Borkmann: „Smarte Ökosysteme sind die Zukunft“

"Konzentrierte sich die Digitalisierung in der Hotellerie bisher vorrangig auf einzelne Prozesse der Wertschöpfungskette – wie Buchung, Check-in, Payment –, werden die Lösungen für Hotelbetriebe, Mitarbeitende und Gäste in Zukunft umso vielversprechender, je mehr Prozesse und Systeme digitalisiert und untereinander vernetzt werden. Dies wird zu neuen Strukturen führen, die ein Smart-Hotel-Service-Ökosystem bilden, das auf Grundlage einer technologischen Plattform alle Daten und Prozesse digital miteinander verknüpft. Je mehr Prozesse und Technologien sinnhaft in dieses Ökosystem integriert werden, desto mehr werden sich Nutzwert und Synergien für Gäste und Mitarbeiter steigern. Gäste erwarten smarte Services, die ihnen unnötige Tätigkeiten abnehmen, etwa die Eingabe von Daten beim Check-in, die bereits zur Buchung übermittelt wurden. Mitarbeitende wiederum erwarten zeitgemäße Arbeitsplätze und -prozesse, um maximale Unterstützung bei der Arbeit zu erhalten. In Zukunft werden Daten in Echtzeit erfasst, miteinander verknüpft und rasend schnell ausgewertet.
Der Einsatz von KI-, VR- und AR-Technologien birgt hier bislang ungeahnte Potenziale. Hotelservices werden damit hyperpersonalisiert, bedarfsgesteuert und in der jeweils passenden Situation bereitgestellt. Sind etwa abends noch Restaurantplätze frei, so kann Gästen, die sich in der Nähe aufhalten und die noch keine Buchung haben, eine Offerte unterbreitet werden. Smarte Lösungen erweitern dabei den Handlungsspielraum von Hotels und bieten Chancen für neue Serviceangebote und Geschäftsmodelle.
Im Zusammenschluss mit anderen Unternehmen, etwa als lokales Cluster, können Shared Solutions wie Mobilitätsservices, Mitarbeiter-Sharing und Smart Energy Grids entstehen, ebenso wie gesteigerte Qualität und Effizienz, etwa mit Weiterbildungskooperationen, beim Wissensaustausch oder der Nutzung von Co-Spaces. Nicht zuletzt bietet die Digitalisierung auch Nachhaltigkeitspotenziale durch smarte Messysteme oder Papierverzicht. Die Anpassung an neue technische Standards bleibt herausfordernd, denn die Veränderungen sind vielfältig, kaum planbar und erfordern Digitalkompetenz. Die Grundlage für Zukunftsfähigkeit sind daher flexibel anpassbare, erweiterbare und nutzerfreundliche Systeme. Wer sich dieser Entwicklung nicht verschließt, wird im wettbewerblichen Umfeld anschlussfähig bleiben."
Pierre Nierhaus: „Weglassen ist das neue Mehr“
"Um zukünftig erfolgreich zu sein, müssen Hotels noch mehr zur Destination werden, so lautet meine grundsätzliche These. Der Weg dazu führt über die Gastronomie. Ob Restaurant oder Hotelbar – die F&B-Outlets müssen so attraktiv und einzigartig sein, dass Gäste sich bewusst für diese Location entscheiden. Bei den Hotelrestaurants geht der Trend zur Reduktion. Weglassen ist das neue Mehr. Wenige Gerichte, dafür erstklassig und mit eigener Interpretation. Oder ein Signature Dish von so außergewöhnlicher Qualität, dass das Hotel damit die Nummer Eins am Markt wird. Vorgemacht hat dies Philipp Vogel, Küchenchef des Orania Berlin mit seiner Pekingente.
Zukünftig wird sich der Markt in drei Gruppen teilen: Hotels mit Kiosk oder Shop, aber ohne Restaurant. Hotels mit kleinem Restaurant und Bar-Food in der Hotelbar. Drittens Hotelrestaurants mit vollem Angebot, deren Kundschaft aus Hotelgästen und Locals besteht. Lobby und Gastronomie mit lockerer, authentischer Atmosphäre werden zu Treffpunkten. Alles wird etwas einfacher, reduzierter, trotzdem geht man weiter individuell auf den Gast ein, etwa mit einer individuellen Vorstellung der Speisen. Das nächste Jahrzehnt gehört den Hotelbars. Sie zeigen sich frisch und innovativ. Statt großer Bandbreite setzen sie selbstbewusst den Fokus auf eine kleine Range, überwiegend mit selbst kreierten Signature Drinks. Dazu wird Bar-Food serviert, das in einer kleinen Küche produziert wird und sogar ein Restaurant ersetzen kann. Rooftop-Bars eleben ein Revival. Ihre spektakuläre Aussicht macht die neuen stylischen Locations wie im Melia Frankfurt oder b’mine Frankfurt Airport zu glamourösen Hotspots."
Celine Chang: „Leadership verändert sich“

"Die drei Themen Arbeitskräftemangel, Wertewandel und Digitalisierung werden Arbeitgeber in der Hotellerie in den nächsten Jahren weiter beschäftigen. Das bedeutet: Erstens wird sich der Mitarbeitermangel durch den demografischen Wandel noch weiter verstärken. Die Arbeitskräftesicherung wird daher das zentrale HR-Thema bleiben. Es gilt sich noch professioneller aufzustellen und neue Wege wie Influencer-Marketing und Active Sourcing zu beschreiten. Ausländische Fachkräfte, Quereinsteiger und attraktive Ausbildungsprogramme werden noch wichtiger, ebenso wie Onboarding, Qualifizierung sowie der Ausbau von Caring-Aspekten, Stichwort Wohnraum.
Zweitens wird New Work zum großen Thema. Ausgelöst durch Wertewandel und technologischen Fortschritt rückt die (Um-) Gestaltung des Arbeitsumfeldes in den Fokus. Das betrifft flexible Arbeitszeiten, -orte und Mitarbeiteraufgaben gleichermaßen. Leadership im Kontext von New Work ist konsequent mitarbeiterorientiert, die Führungskraft coacht, begleitet und befähigt. Diese veränderte Rolle führt zu anderen Kompetenzanforderungen, die gelernt und gelebt werden müssen. Drittens werden durch die Digitalisierung einfache und repetitive Mitarbeiteraufgaben zunehmend ersetzt. Das verändert Berufsprofile und hat Konsequenzen für alle HR-Prozesse. Für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die keine HR-Experten beschäftigen, werden diese Veränderungen zur großen Herausforderung. Kooperationen mit anderen Arbeitgebern werden hier unabdingbar."
