Die deutsche Hotellerie steckt in der Krise. Erst kam die Pandemie, dann mit dem Ukraine-Krieg und dessen Folgen der nächste Schlag. Höhere Preise scheinen unausweichlich.
"Es sind herausfordernde Zeiten", sagt Tobias Warnecke, Geschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland (IHA). In der Pandemie habe die Branche in den Abgrund geschaut. Langsam sei es aufwärts gegangen, doch dann sei der Ukraine-Krieg gekommen. "Wir sind von der einen Krise in die nächste gerutscht."
Niveau von 2019 noch nicht erreicht
Nach heftigen Einbrüchen 2020 und 2021 hinkt die Branche bei den Umsätzen noch immer dem Vor-Krisen-Niveau hinterher. Das Gastgewerbe insgesamt setzte im Oktober bereinigt um Preiserhöhungen 3,8 Prozent weniger um als im Vorjahresmonat, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Im Vergleich zum Vor-Corona-Monat Oktober 2019 klafft sogar eine Umsatzlücke von 13,3 Prozent. Nimmt man nur Hotels und sonstige Beherbergungsunternehmen in den Blick, beträgt das Minus 7,5 Prozent.
"Noch nie so schwer planbar"
Stephanie Zarges-Vogel vom Hotelberatungsunternehmen Zarges von Freyberg sagt, es sei durchaus möglich, schwarze Zahlen zu schreiben. Aber man müsse sich daran gewöhnen, dass trotz gestiegener Umsätze beim Ergebnis nicht unbedingt viel mehr herauskommt. Die Marge habe sich wegen der deutlich gestiegenen Kosten deutlich nach unten verschoben.
Die Hotellerie sei stark von Unsicherheit und schwerer Planbarkeit geprägt, so Zarges-Vogel weiter. "Ich glaube, es war noch nie so schwer planbar." Schwierig hätten es künftig Hotels ohne klares Konzept und ohne starke Positionierung. Auch für Hotels im mittleren Bereich werde es schwierig. "Günstig und sehr teuer funktioniert, aber die Mitte ist schwierig darstellbar", so Zarges-Vogel.
Preissensible Gäste
Die Bedürfnisse der Gäste stiegen, und mit den höheren Preisen würden diese auch sensibler, sagt die Beraterin. Individualität sei deshalb ganz wichtig. Das beginne bei den kleinen Dingen am Frühstücksbuffet, etwa mit regionalen Produkten. Aber auch beim Design oder der Ausstattung des Hotels, indem man sich Dinge überlege, die der Gast nicht überall finde. Oder beim Service etwa mit einer persönlichen Atmosphäre. "So kann man Alleinstellungsmerkmale aufbauen, die Hotelketten niemals haben werden."
Eine Prognose des IHA kann der Hotellerie aber Hoffnung machen: Der Verband geht davon aus, im kommenden Jahr etwa die Gästezahlen und Umsätze von 2023 zu erreichen. dpa