Die Preise sind deutlich gestiegen, auch für Versicherungen. Die Anbieter begründen dies wiederum mit den höheren Kosten, zum Beispiel bei Reparaturen. Ein Wechsel lohnt sich für Hoteliers aber nur in wenigen Fällen.
Mit der Schlagzeile „Inflation: Kfz-Versicherern drohen Milliardenverluste“ meldete sich der Branchenverband der Versicherer im Sommer zu Wort. Durch die Inflation würden die Kfz-Versicherer deutlich mehr Geld ausgeben als sie einnehmen. Sowohl die Ersatzteile als auch die Arbeit in den Kfz-Werkstätten werde immer teurer, so der Verband.
Ein durchschnittlicher Schaden an einem Pkw kostete die Kfz-Haftpflichtversicherer im vergangenen Jahr rund 3.700 Euro. 2013 seien es noch 2.400 Euro gewesen. In anderen Versicherungssparten haben die Preise ebenfalls massiv angezogen, auch weil die Zahl der Schäden steigt. Wenn nun beide Effekte – Inflation und höhere Zahl der Schäden – gleichzeitig auftreten, kann es für Versicherte richtig teuer werden. Zum Beispiel bei Versicherungen zum Schutz vor Cyberkriminalität. Nach Angaben des Digitalverbandes Bitkom beliefen sich die Cybercrime-Schäden in Deutschland 2022 auf 203 Milliarden Euro und waren damit rund doppelt so hoch wie im Jahr 2019.
Zahl der Schäden gestiegen
Bei den Gebäudeversicherungen haben in Deutschland sowohl die Anzahl der Schäden als auch die Schadenshöhen extrem zugenommen. Auslöser ist vielfach der Klimawandel, der zu Extremwetter-Ereignissen mit verheerenden Folgen führt. Die Schadenssumme allein für Elementarschäden ist 2021 um immense 794 Prozent gestiegen: Sie kletterte von 1,6 Milliarden Euro auf 12,7 Milliarden Euro. Dramatisch gestiegen sind auch die Kosten für Baumaterialien und Arbeitskräfte. Das macht jede Wiederherstellung nach einem Schaden deutlich teurer als noch vor wenigen Jahren.
"Dort, wo die Risiken massiv steigen und bei einem Schaden sofort die Existenz gefährdet ist, macht es wenig Sinn, den Schutz zurückzufahren."
Wann ein Wechsel sinnvoll ist
Wenn die Kosten für die Versicherung steigen, überlegen sich viele Hoteliers, wo sie Geld sparen können. Dort, wo die Risiken massiv steigen und bei einem Schaden sofort die Existenz gefährdet ist, macht es jedoch wenig Sinn, den Schutz zurückzufahren.
Häufig wird deshalb zumindest über einen Versicherungswechsel nachgedacht. Noch gibt es günstige Angebote am Markt, die auf den ersten Blick attraktiv erscheinen. Doch welche Versicherung ist nicht von vermehrten Schäden und den hohen Baukosten betroffen? Die Erhöhung kommt dann etwas später und wahrscheinlich deutlich massiver, um die Verluste des Lockangebots auszugleichen. Zudem sind die Leistungen des Schutzes meist eingeschränkt, damit sich die Prämie überhaupt rechnet.
Ein weiteres Problem, mit dem viele Hoteliers zu kämpfen haben, ist die eigene Schadenquote. Bei einem Versicherungswechsel muss angegeben werden, wie viele Vorschäden es in den vergangenen Jahren gegeben hat. Nur wer da bisher verschont geblieben ist, hat Chancen auf ein attraktives Angebot. Betriebe mit einer auffälligen Schadenquote werden mittlerweile von vielen Gesellschaften abgelehnt oder mit utopischen Preisen abgeschreckt.
Unser Versicherungstipp deshalb: Bevor Sie Ihre bestehende Versicherung kündigen, sollten Sie die Konditionen gewissenhaft mit dem neuen Angebot abgleichen. Günstige Preise gehen meist Hand in Hand mit einem geringeren Schutz. Besitzen Sie Sonderkonditionen, die Ihr Vertrag etwa bei grober Fahrlässigkeit, beim E-Check oder bei den Wiederaufbauklauseln bietet, verlieren Sie diese bei einem Wechsel! Um die Kosten etwas abzufedern, bietet es sich manchmal an, Ihre Selbstbeteiligung pro Schaden etwas anzuheben. Aber selbst das wird nicht ausreichen, um die Kosten auf dem gewohnten Niveau zu halten.
Zum Autor
Alexander Fritz (B. A. Versicherungswirtschaft) ist Geschäftsführer der Fritz & Fritz GmbH (Margetshöchheim). Als Sachverständiger ist er auf Risikomanagement-Konzepte und Pakete zur Unternehmensabsicherung für die Hotellerie spezialisiert.