Frankreich kämpft derzeit mit einer Bettwanzen-Invasion. Auch in Deutschland sind die Schädlinge in der Hotellerie immer wieder Thema. Der Housekeeping Competence Circle (HKCC) diskutierte daher mit Hygiene-Experte Peter Schaflechner, wie sich Hoteliers wappnen können.
Bettwanzen – sie sind klein, rostrot bist dunkelbraun und beißen. Die Insekten sind derzeit in Frankreich großes Gesprächsthema, haben es kürzlich als "Persona non grata" sogar auf die Titelseite der französischen Tageszeitung Libération geschafft. Los ging alles bereits in den Sommerferien, als es Aufregung um Wanzen in einem Pariser Kino gab. In den vergangenen Wochen mehrten sich die Berichte über Wanzen in der Pariser Metro und Gästeunterkünften. Auf Social Media gehen Videos über die kleinen Tiere viral.
Bettwanzen auf dem Vormarsch
Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern sind die vor Jahrzehnten noch quasi verschwundenen Bettwanzen wieder ein Thema, unter anderem durch mehr Mobilität und das erhöhte Reiseaufkommen nach der Corona-Pandemie. So werden gerade in Hotels und ähnlichen Unterkünften wieder vermehrt Bettwanzen gesichtet.
"Ein Befall ist oft noch ein Tabuthema in der Branche", sagt Maria Radinger vom Housekeeping Competence Circle (HKCC). Dessen Erfa-Gruppe nahm sich aufgrund der Bettwanzen-Lage in Frankreich kürzlich eigens des stark diskutierten Themas an. Dabei seien Bettwanzen kein Problem, das auf mangelnde Hygiene im Hotel zurückzuführen wäre, so die teilnehmenden Experten. Vielmehr werden die Insekten von außen durch Gepäck, Kleidung oder Tiere ins Hotel gebracht. Je mehr eine Beherbergungsstätte frequentiert werde, umso höher sei demnach die Gefahr eines Befalls. Das bestätigte auch Experte Peter Schaflechner, Geschäftsführer von Smart Hygiene, der als Gast zum Erfa-Treffen geladen war. Sein Unternehmen ist auf Schädlingsbekämpfung spezialisiert.
Bettwanzen sind nachtaktiv und ernähren sich bevorzugt vom Blut des Menschen. "Angezogen werden die Tiere von Körperwärme, Kohlendioxid und Körpergeruch. Deswegen ist ein Befall gerade am Kopfteil des Betts zu erkennen", so Schaflechner. Weitere Verstecke seien Möbelfugen, Ritzen oder Steckdosen. Die Insekten können monatelang "hungern", so dass Räume, die möglicherweise nicht fachgerecht saniert wurden, auch für längere Zeit noch befallen sein können. Steht den Bettwanzen der Mensch als Wirt nicht zur Verfügung, können sie auf andere Wirte, wie zum Beispiel Hund und Katze, übergehen.
Wie können Hotels einen Befall erkennen?
1. Die Gäste
Ein offensichtlicher Hinweis für Bettwanzen im Hotel sind Hinweise oder Beschwerden durch Gäste, die von den Insekten gebissen wurden. Beim Blutsaugen geben die Tiere ein Sekret ab, das die Blutgerinnung hemmt. Dieses Sekret kann einen Juckreiz auslösen. Durch Kratzen im Bereich der Einstichstelle können Entzündungen auftreten. Wird man häufiger gestochen, kann es auch zu allergischen Reaktionen kommen. Nach Meinung von Experten können die Parasiten jedoch keine Krankheiten übertragen.
Für Laien seien die Stiche laut Peter Schaflechner nicht von anderen Insektenbissen zu unterscheiden. Er empfiehlt Hoteliers bei entsprechenden Beschwerden daher, das Hotel nach den Schädlingen durchsuchen zu lassen.
2. Die Insekten
Im Anfangsstadium seien die Insekten kaum zu sehen, so Schaflechner. Je mehr Wirte die Tiere befallen haben, desto größer werden sie und sind dann auch mit dem bloßen Auge sichtbar. Bettwanzen sind rostrot bis dunkelbraun gefärbt und werden zirka vier bis sechs Millimeter lang. Beine und Antennen erscheinen eher gelblich. Auffällig ist laut dem Experten der flache Körper der Wanzen. Fliegen können die Tierchen nicht.
3. Kotspuren
Bettwanzen hinterlassen schwarze oder braune Punkte um Schalter, Steckdosen, Fußleisten und ähnliche Verstecke. Auch am Lattenrost und rund um das Kopfteil des Bettes seien die Spuren zu finden. Hotelpersonal sollte deshalb beim Abziehen der Bettwäsche auf schwarze Exkremente und Reste von Häutungen achten. Auch kleine Blutreste können ein Hinweis sein.
4. Geruch
Zur Abwehr sondern die Insekten ein Sekret aus. Den süßlichen Geruch können Hotelmitarbeitende beispielsweise beim Ausklopfen der Matratze wahrnehmen. Auch speziell geschulte Spürhunde können den Geruch erkennen.
Was können Hotels bei einem Befall unternehmen?
1. Schritt: Personal schulen
Eine der wichtigsten Maßnahmen ist laut Peter Schaflechner das Hotelpersonal zu briefen. Seine Erfahrung zeige, dass Housekeeping-Mitarbeitende Anzeichen von Bettwanzen meist nicht kennen, so dass ein Befall in der Regel erst spät bemerkt wird. "Je besser sich die Mitarbeiter mit der Thematik auskennen, desto schneller kann gehandelt werden und der Aufwand hält sich im Rahmen."
2. Schritt: Textilien reinigen
Wird ein Befall erkannt, muss die befallene Bettwäsche, Matratze oder ähnliches verpackt und aus den Zimmern entfernt werden. "Die befallenen Textilien sollten dann bei mindestens 60 Grad gewaschen werden", so Schaflechner. Den Vorgang am besten wiederholen.
3. Schritt: Experten kontaktieren
Um sicher zu gehen, dass alle Bettwanzen aus dem Zimmer entfernt werden, sollte ein Schädlingsbekämpfer zu Rate gezogen werden. Diese setzen auf Spürhunde, die die Insekten orten können. Sind die Schädlinge lokalisiert, können sie durch sehr hohe Temperaturen – Zimmer werden mittels spezieller Öfen auf 50 bis 60 Grad erwärmt – bekämpft werden. Das Unternehmen von Peter Schaflechner etwa bietet zudem die sogenannte "Eradicator Behandlung" an. Dabei wird Dampf auf bis zu 180 Grad erhitzt, um gezielt befallene Stellen zu behandeln. "Der Dampf vernichtet zuverlässig Bettwanzen und deren Eier", so der Experte. Nach der Behandlung könne das Zimmer zeitnah wieder in den Betrieb mit aufgenommen werden. (mit Inhalten der dpa)