Gastgewerbe Hält das Wachstum in der Hotel- und Tourismusbranche an?

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MRP Hotels hat in seinem kürzlich veröffentlichten Expert Paper zwölf Branchenteilnehmer und Experten zu aktuellen Entwicklungen befragt © mrp hotels

Nach den Auswirkungen der Coronakrise, des Ukraine-Krieges und der Inflation erholt sich der Tourismusmarkt allmählich. MRP Hotels blickt mit Experten auf künftige Entwicklungen.

Im zweiten Quartal 2023 kehrte der globale Tourismus fast auf Vor-Corona-Niveau zurück, so MRP Hotels. Gleichzeitig leide jedoch noch der Immobilientransaktionsmarkt. "Wir sehen ein ungebrochen großes Investoreninteresse, gerade weil die Tourismusbranche als globale Wachstumsindustrie gilt und mit jährlichen hohen Zuwachsraten beeindruckt. Allerdings können nur wenige in der aktuellen Marktlage Hotels kaufen", sagt Martin Schaffer, Geschäftsführender Partner bei MRP Hotels. "Auch in Zukunft bleiben Megatrends wie ESG, Digitalisierung, Personalisierung und Mitarbeitermangel wichtige Baustellen in der Hotel- und Tourismusbranche." Wann sich der Transaktionsknoten löst und wie die Branche mit den genannten Megatrends umgeht, hat MRP Hotels mit Experten und Expertinnen beleuchtet.

4 Erkenntnisse des Expert Paper 2023

1. Marktentwicklung

Bis 2032 prognostizieren die Experten ein jährliches Wachstum der Tourismusbranche um 5,8 Prozent sowie eine Verdopplung der globalen Passagierflugzeugflotte. Diese Entwicklungen und die stabile Gästenachfrage, insbesondere der sogenannten „Generation Airbnb“, würden weltweites Investoreninteresse an Hotelimmobilien wecken.

2. Digitalisierung

Durch smartes Management sensibler Kundendaten hält die Personalisierung des Gästeerlebnisses Einzug in die Hotelbranche, so die Experten. Zu beobachten sei auch eine allgemeine Erhöhung der Gästezufriedenheit durch in Digitalisierung getätigte Investitionen. KI und Digitalisierung werden demnach auch künftig eine wichtige Rolle einnehmen, dürfen aber nicht den persönlichen Gästeumgang ersetzen. Auch hinter den Kulissen werde Prozessautomatisierung die Effizienz in allen Bereichen erhöhen und somit langfristig operative Kosten erhöhen.

3. Transaktionsmarkt

Hoteltransaktionen sind aufgrund hoher Zinsen und teurem Mezzaninkapital nahezu zum Erliegen gekommen. Investoren benötigen Preisstabilität und akzeptable Renditen, um wieder aktiv zu werden. Darüber hinaus zeigen Hotelfonds laut den Experten Bedarf an höherer Diversifizierung der jeweiligen Produktkategorien. Auf der anderen Seite würden sich Betreiber damit konfrontiert sehen, dass ihre Pachten schneller steigen als GOPs.

4. ESG

Institutionelle Investoren und Finanzierer seien Treiber bei der Implementierung von ESG-Maßnahmen bei Hotelimmobilien und im Betrieb – dennoch seien ESG-konforme Hotelinvestments derzeit Mangelware. Eigentümer und Betreiber stünden häufig vor der Herausforderung, dass die Umsetzung der ESG-Maßnahmen zu Lasten der Rendite geht. Darüber hinaus seien branchenweite Standards notwendig, um eine Vergleichbarkeit zu schaffen und Nachhaltigkeit verlässlich zu messen.

Die Experten

MRP Hotels hat in seinem kürzlich veröffentlichten Expert Paper zwölf Branchenteilnehmer und Experten zu aktuellen Entwicklungen befragt: Christian Gaiser (Numa Group), Monika Rosen (Österreichisch-Amerikanische Gesellschaft), Satya Anand (Marriott International), Jan Tissera (Amadeus Hospitality), Yossi Eliyahoo (The Entourage Group), Franz-Stefan Gady (IISS), Christian von Essen (Heja Framtiden Stockholm), Burak Ünver (SMARTments Business), Chris-Norman Sauer (Premier Inn), Norbert Kettner (Wien Tourismus), Daniel Schneider (Monoplan), Peter Ebertz (Art Invest).

Deutschland: Erste Reisesaison seit Corona mit Umsatzplus

Den Wachstumsschub in der Tourismusbranche bestätigt auch der Deutsche Reiseverband. Die Branche in Deutschland habe die Coronakrise mit einem Rekordumsatz in diesem Jahr hinter sich gelassen. "Es ist die erste Reisesaison seit Corona, die mit einer positiven Umsatzbilanz abschließen wird", sagte Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV). Das Plus ist allerdings auch auf gestiegene Preise und höhere Ausgaben der Urlauber zurückzuführen. Die Zahl der Gäste hinkt hinterher.