Mit vorgefertigten Teilen lässt sich schneller bauen und renovieren. Bauteile und Module aus Holz gelten dabei als besonders nachhaltig. Dank ihres geringen Gewichts sind sie verhältnismäßig leicht zu transportieren. Zudem bindet der Holzbau dauerhaft CO2. Wir zeigen aktuelle Beispiele aus der Hotellerie.
Länder wie die Schweiz, Österreich, Schweden oder Finnland beweisen längst, wie gut sich Holz auch in modernen Gebäuden verwenden lässt. In Deutschland dagegen herrschten bei der Verwendung lange Zeit Bedenken – insbesondere aus Brandschutzsicht. Am 21. Juni hat das deutsche Bundeskabinett nun den von Bauministerin Klara Geywitz und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir vorgelegten Entwurf einer Holzbauinitiative beschlossen. Sie soll den Einsatz des Rohstoffes stärken und für mehr Klimaschutz, Ressourceneffizienz und schnelleres Bauen sorgen.
Die Argumentation: Etwa sieben Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland entstehen aus Neubau und Modernisierung. Da Bäume in der Wachstumsphase CO2 binden, wird der Kohlenstoff mit dem im Gebäude verbauten Holz dauerhaft gespeichert. Gleichzeitig eignet sich Holz für das serielle und modulare Bauen, das mittels Vorfertigung kürzere Produktions- und Bauzeiten erzielt. Cem Özdemir: „Unser Ziel ist die möglichst langfristige Nutzung von Holz. Jedes neue Holzgebäude ist ein CO2-Speicher, und im Vergleich zu anderen Bauweisen können mehr als 50 Prozent der Treibhausgasemissionen eingespart werden. Die Holzbauinitiative trägt zudem dazu bei, das Holz aus dem notwendigen Waldumbau und aus Waldschäden hochwertig und nachhaltig zu verwerten.“
Der Bau mit Holz inspiriert inzwischen selbst internationale Star-Architekten. Ein spektakuläres Projekt mit viel Holz, das in diesem Fall allerdings über eine weite Strecke angeliefert werden muss, entsteht bis 2030 an der Westküste Saudi-Arabiens. Im Rahmen des The Red Sea Projects sind dort auf 22 Inseln und einer Fläche von 28.000 Quadratkilometern 50 Hotelanlagen mit 8.000 Zimmern sowie 1.000 Wohnimmobilien geplant. Ein Bestandteil ist das von dem japanischen Architekten Kengo Kuma entworfene St. Regis Red Sea Resort. Mit dem Holzbau für das gesamte Hotel und die Villen hat The Red Sea Global das Unternehmen Blumer Lehmann mit Hauptsitz in Gossau in der Schweiz beauftragt. Kuma ließ sich bei seinem Entwurf von der Natur der Inseln inspirieren und entwarf für das Resort flache Strandhäuser mit sanft gewölbten Dächern sowie spiralförmige Wasservillen, die einen Rundum-Blick auf das Meer bieten. Für das Design des Nujuma, a Ritz-Carlton Reserve, eines weiteren Projekts auf Shura, zeichnet Foster + Partners verantwortlich. Es besteht aus 76 Strandvillen und weiteren muschelförmigen Gebäuden, die ebenfalls von Blumer Lehmann angefertigt werden.
Hotelketten entdecken Holzbau
Im Budget-Bereich macht Holz in jüngerer Zeit vor allem durch Modulbauweise von sich Reden. So eröffnete in diesem Sommer auf einem Autohof bei Evendorf an der A 7 das unter dem Einsatz von Holzmodulen errichtete Holiday Inn Express Hamburg Süd. Investor des Gesamtprojekts ist die Nanz-Gruppe, seine Investitionssumme wird mit rund 20 Millionen Euro beziffert. Neben einer Tankstelle des Anlagen-Betreibers Total Energies gibt es auf dem Gelände einen Shop, eine Gastronomie, 150 Lkw-Parkplätze, 20 E-Ladepunkte sowie das 79-Zimmer Holiday Inn Express Hamburg-Süd, das von der Solutions4Hotels GmbH (S4H) aus Korb betrieben wird.
Die Nanz-Gruppe und IHG waren über die Schmid Mobility Solutions GmbH in Kontakt gekommen, die weiterhin in den Entwicklungsprozess involviert ist. Hersteller der Module ist das Unternehmen Künzli aus der Schweiz mit Deutschland-Niederlassung im bayerischen Rammingen. Ausschlag dafür, das Hotel in Modulbauweise zu errichten, war zunächst die Idee, einen möglichst nachhaltigen und energetisch sinnvollen Autohof mit dem Fokus aus E-Mobilität zu entwickeln, woraufhin Nanz und IHG das Thema Modulbauweise detaillierter untersuchten. IHG arbeitet seit Jahren an einem umfangreichen Programm für eine nachhaltige Zukunft und hat dazu 2021 gemeinsam mit der IHG Owners Association die Initiative „Journey to tomorrow 2023“ gelauncht.
Vorteile der Holz-Modulbauweise:
Für Architekten und Planer:
- Flexible Grundrissgestaltungen auf der Grundlage von Modulbaurastern. –
- Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten für Erweiterungen, Verdichtungen oder Neubauten.
- Gestaltung und Materialisierung nach eigenen Vorstellungen.
- Ausbaumöglichkeiten von Low Tech bis High Tech.
- Rasche Realisierung durch kurze Planungs- und Bauzeit.
- Vereinfachte Bewilligungsverfahren für Temporärbauten.
- Genaue Zeit- und Kostenplanung
Für Bauherren und Investoren:
- Kurze Baustellenzeiten
- Wenig Lärmemissionen auf der Baustelle
- Genaue Zeit- und Kostenplanung.
- Geringerer ökologischer Fussabdruck (CO2-Kompensation).
- Mögliche Weiternutzung von bestehenden Anlagen während der Umbauzeit, daher weniger Mietausfälle.
- Mögliche Umnutzung oder Umzug von Modulen zu einem späteren Zeitpunkt.
- Kauf/Wiederkauf und andere attraktive Finanzierungsmöglichkeiten.
- Temporärer oder dauerhafter Einsatz möglich.
- Projektierung im Baurecht möglich (begrenzte Nutzungsdauer)
(Quelle: Blumer Lehmann AG)
Modulbau bietet Flexibilität
„Auf Grund ihrer nachhaltigen Bauweise sind die Projekte in Holzmodulbauweise von strategischer Bedeutung für IHG. Aber auch Vorteile wie die schnellere Fertigstellung, einfachere Qualitätssicherung und erhöhte Kostensicherheit spielen eine interessante Rolle,“ erklärt Robert van der Graaf, Development Director DACH bei IHG. Da die Marke Holiday Inn Express sehr standardisiert und auf Neubauten zugeschnitten sei, habe man mit IHG einige kleinere Kompromisse verhandeln müssen. „Selbst eine standardisierte Marke wie Holiday Inn Express bietet ausreichend Flexibilität, um hier für Entwickler, Eigentümer und Betreiber das optimale Produkt entstehen zu lassen und gleichzeitig eine markengerechte Experience zu sichern,“ so van der Graaf. Es handle sich um minimale Abweichungen im Zentimeterbereich. Auch Künzli habe seine Module angepasst, um die Vorgaben bestmöglich zu erfüllen.
Mit S4H-Geschäftsführer Rainer Werdel schloss IHG ein Multiple Development Agreement ab, in dessen Rahmen weitere HI Express Hotels aus Holzmodulen an Autohöfen entwickelt werden. Die nächsten Projekte sollen bei Leipzig und Hannover entstehen. „In Hamburg-Süd wurden Erdgeschoss und Mezzanine-Geschoss in herkömmlicher Bauweise errichtet“, erklärt Werdel. Auch die Treppenhäuser und der Aufzugsschacht sind gemauert, danach erfolgte die Anlieferung der fertig ausgestatteten Zimmer mit 80 LKWs. Künzli produzierte die Module im Allgäu, wo auch die Bäder eingebaut und das vom Betreiber an das Werk gelieferte FF&E staubdicht in jedes Zimmer gepackt wurde.

„Innerhalb einer Woche waren die Module aufgesetzt und wurden dann an die Technik angeschlossen“, so Werdel. Dass die Zimmer parallel zum Rohbau gebaut und dann in kürzester Zeit auf diesen gesetzt werden konnten, habe seiner Einschätzung nach die Bauzeit um mindestens drei Monate verkürzt. Jetzt sorge die Vollholzkonstruktion der Zimmer für ein angenehmes Raumklima, die Klimatisierung werde durch ein Vier-Leiter-System geregelt. Im Zentrum steht dabei ein leistungsfähiger Kaltwassersatz mit zwei getrennten Kältekreisläufen. Während der eine Gebäude mit Wärme versorgt, führt der andere diese ab. Geschieht beides gleichzeitig, lässt sich Energie zurückgewinnen, was die Betriebskosten senkt und die Umwelt schont.
Besonders beeindruckt hat Robert van der Graaf an den Künzli-Modulen ihr einfaches Aufeinandersetzen. „Wir haben in Deventer in den Niederlanden ein Holiday Inn Express & Suites eröffnet, bei dem ebenfalls mit Holzmodulen gearbeitet wurde. Diese wurden wie in eine Schublade in eine Stahlkonstruktion geschoben“, erläutert er einen anderen praktizierbaren Ansatz. Das Holiday Inn Hamburg-Süd ging am 3. Juli noch ohne seine Mesh-Membran an dem Start, die später über das Gebäude gezogen wurde und mit der sich besondere Beleuchtungseffekte erzielen lassen. „Das ist ein bisschen wie bei der Allianz-Arena“, schmunzelt van der Graaf.
Massivholz aus Weisstanne
Auch Blumer Lehmann hat Erfahrung mit der Holzmodulbauweise: 2020 stattete das Unternehmen das Wellnesshotel-Projekt in Bad Horn am südlichen Schweizer Bodenseeufer mit 22 Zimmermodule (Breite 5,30 m, Länge 6,70 m, Höhe 3,10 m) sowie 11 Nasszellenmodule mit verschiedener Abmessung aus Holz aus, die im Werk in Gossau produziert worden waren. Innerhalb von acht Monaten Bauzeit waren der alte Ostflügel des Hotels abgerissen, das Erdgeschoss mit Restaurant und Lobby neu gebaut und durch drei Stockwerke in Modulbauweise aufgestockt worden. Bei diesem Projekt hatte sich Blumer Lehmann mit der Krattiger Holzbau AG zu einer ARGE zusammengeschlossen. Auch hier erhielten die modular gefertigten Zimmer im Werk ihre komplette Ausstattung: Parkettboden, Boden- und Wandfliesen in den Nasszellen, Fußbodenheizung, Innenausbauten, die komplette Heizung-Lüftung-Klima-Sanitär-Ausstattung sowie Elektroinstallation und Balkone. Vor Ort wurden die Erschließungen, der Ausbau im Korridorbereich sowie die Möblierung ergänzt.
Derzeit stellt Blumer Lehmann das neue Bade- und Saunahaus des Resorts Hof Weissbad in Appenzell fertig. Das vom Architekturbüro op-arch entworfene freistehende Gebäude mit sternförmigem Grundriss erinnert an einen Diamanten und greift die Idee der kristallinen Alpinen Architektur von Bruno Taut auf. Das zweigeschossige Gebäude hat kaum Außenwände, dafür aber viel Glas. Auf dem Dach wachsen Hängepflanzen. So verschmelzen Natur und Architektur zu einer Symbiose. Auf dem Untergeschoss aus Beton steht der Holzrahmenbau aus Fichtenholz. Neben den sägerohen Holzelementen prägen die vielen Fensterflächen die Fassade des sternförmigen Gebäudes. Die Decken im Inneren bestehen aus CLT-Brettsperrholz. Für den Innenausbau wurde Massivholz aus Weisstanne verwendet. Das neue Seminarhaus des Hotels ist eine reine Holzkonstruktion. Sie ruht auf einem umlaufenden Betonsockel. vorvergraute Holzfassade wird allseitig von einem grossen Vordach geschützt. Den Gegenpol zur grauen Holzfassade bildet das helle und natürlich belassene Fichtenholz im Innern. Die Holzbalkone der Zimmer erhielten zudem allesamt neue Böden und Balkongeländer.