Die Flussstadt im Herzen Lothringens ist für ihre Spätbarock- und Jugendstilarchitektur bekannt. Neben diversen Sehenswürdigkeiten lockt auch ein historisches Thermalbad zahlreiche Touristen in die Gegend, das nun um einen modernen Hotelkomplex erweitert wurde.
Als im Frühjahr dieses Jahres die historische Wassersport- und Thermalbad-Anlage im Herzen von Nancy an den Re-Start ging, erfüllte sich die Vision des 1916 verstorbenen Architekten und Stadtrats von Nancy, Louis Lanternier. 1911 hatte die Académie nationale de Médecine der Stadt die Genehmigung zur Nutzung ihres Thermalwassers für medizinische Zwecke erteilt. 1913 wurde das Thermalbad eingeweiht und besaß zu dieser Zeit den größten Mineralwasserpool der Welt.
Der Erste Weltkrieg stoppte die Ambitionen Lanterniers jäh. Bis in die 1930er-Jahre kamen noch Kurgäste nach Nancy, danach wurde die Anlage ausschließlich für Wassersport genutzt. 2018 begann die Stadt mit dem Wiederaufbau und der Erweiterung der Therme, die schließlich im Mai 2023 offiziell an den Re-Start ging.
Die Architektur nimmt dabei das Werk von Louis Lanternier auf, versucht aber nicht, das historische Gebäude zu replizieren. So entstand eine einzigartige Kombination aus Jugendstil und Moderne.
Tourismus in Nancy
- Die Stadt begrüßt jährlich rund 1 Mio. Touristen (Leisure und Business).
- Ein Drittel der Touristen stammen aus dem Ausland: 35% aus Deutschland, 20% aus Belgien und Luxemburg, 20% aus den Niederlanden, 4% aus Italien, 4% aus Spanien, 4% aus Großbritannien, 4% aus Japan, 4% aus der Schweiz und 5% aus dem Rest der Welt.
- Die Zahlen von 2022 weichen kaum von denen aus 2019 ab, da die Hauptmärkte Nahmärkte sind.
- Die drei touristischen Highlights der Stadt sind: das Unesco-Welterbe mit Place Stanislas, der Jugendstil und das 40-tägige Nikolausfest. Seit 2023 setzt die Stadt zudem verstärkt auf Thermen-Tourismus.
(Quelle: Destination Nancy, Office du Tourisme)
Im Europa-Park erprobt
Als Architektin für den gesamten Thermenkomplex, dessen Investitionsvolumen sich auf 100 Millionen Euro belief, konnte Anne Démians aus Paris gewonnen werden. Ihre Hybridisierung der Stile inszeniert die historischen Fassade durch die Gegenüberstellung der zeitgenössischen Handschrift. Die modernen Elemente verkörpern bewusst das Negativ des Originals, sowohl durch ihre Farbe als auch durch ihre Fassadenlinien. Der Steinbeton des historischen Gebäudes und das Metall, das für das zeitgenössische Gebäude verwendet wurde, bilden eine stimmige Architektur.
„Nancy Thermal“ hat eine Gesamtfläche von über 20.000 Quadratmetern, darunter mehr als 2.500 Quadratmeter an Wasserbecken inklusive einem Sportbecken sowie verschiedene Wasserspielbereiche. Eine neue Außenanlage bietet Schwimm- und Spaßbecken sowie eine große mehrspurige Rutsche. Nancy Thermal verfügt außerdem über einen Restaurantbereich, eine Bar, eine Boutique, einen Kinderbetreuungsservice sowie mit der Hotelresidenz Villa Thermae über eine neu errichtete Hotelanlage mit 76 Studios.
Sie sind zwischen 26 und 34 Quadratmeter groß und alle mit Kitchenette inklusive Geschirrspüler, Kühlschrank, Zweier-Kochplatte, Mikrowelle und Spüle ausgestattet. Die Einrichtung der Studios ist nüchtern und modern. Wärme vermittelt der Boden in Holzoptik, ansonsten dominieren die Farben Weiß und Grau. Zum Hotel zählen ein Frühstücksbereich in der Lobby sowie zwei Tagungsräume. Außerdem haben die Kurgäste des Hotels direkten Zugang zu einem medizinischen Badebereich der Therme. Alle Hausgäste können die gesamte Therme zwei Stunden täglich kostenlos nutzen.
Betreiber des Hotels ist das französische Unternehmen Valvital, dessen Schwerpunkt auf dem Betrieb von Thermen liegt. Als General Manager für die Villa Thermae engagierte Valvital den Elsässer Fabrice Huck, einen erfahrenen Hotelmanager, der zuvor unter anderem mehr als drei Jahre in das Pre- und Post-Opening des Wasserparks Rulantica im Europa Park in Rust eingebunden war. Sein Verantwortungsbereich in Nancy umfasst das Hotel, den Shop, die Spa-Therme und das Café. „Die größte Herausforderung beim Bau des Hotels war es, das Thermalwasser so zu filtern, dass es als keimfreies Trinkwasser genutzt werden kann“, erläutert er.
Platz für 3.000 Thermalgäste
Die Zimmerpreise in der Villa Thermae liegen je nach Saison zwischen 95 und 135 Euro. „Die meisten Gäste bleiben für eine Kur zwischen sieben bis 21 Tage“, so Huck. Die Zimmer würden auch tageweise vermietet, beispielsweise an Business-Gäste. „Die maximale Gästekapazität von Nancy Thermal fasst über 3.000 Besucher am Tag“, sagt er. Zielgruppen aus dem Ausland seien in erster Linie Gäste aus den Benelux-Staaten – Deutsche. Mittelfristig würden auch mehr Schweizer erwartet, denn Valvital eröffnet noch in diesem Jahr eine Therme in Hérémence in der französischen Schweiz, wodurch Synergien entstehen könnten.
Facelift für Best Western Plus
Eine ebenso bewegte Vergangenheit wie die Therme hat das an der Rue Chanzy von Nancy gelegene Best Western Plus Crystal, Hotel & Spa. Es war sogar vor der Villa Thermae das erste Hotel der Stadt mit einem eigenen Thermalbad. Das heutige Hotel nimmt den Raum von zwei historischen Herbergen ein: dem ehemaligen Hôtel du Rhin und dem Hôtel de Strasbourg, die beide nach der Eröffnung des Bahnhofs von Nancy im Jahr 1856 errichtet worden waren.
Das Hôtel de Strasbourg war 1916 durch einen Bombenangriff teilweise zerstört worden und wurde später in Hotel Crystal umbenannt, das Hôtel du Rhin diente lange als Wohn- und Geschäftshaus. 1976 erwarb die Familie Gatinois das damals 38 Zimmer zählende Crystal, erweiterte es zwischen 1988 und 1998 auf 58 Zimmer und renovierte 20 Zimmer des Erdgeschosses. Zudem wurden eine Klimaanlage eingebaut und ein Wintergarten sowie eine Lounge mit Bar eröffnet. Dadurch erlangte das Hotel den dritten Stern und schloss sich Best Western an.
Art déco und viel Farbe
2018 startete Familie Gatinois ihr jüngstes Projekt unter dem Arbeitstitel „Metamorphose, Aufwertung, plurale Dienstleistungen.“ Durch den Erwerb und Abriss des Hôtel du Rhin konnte das Hotel-Ensemble auf insgesamt 81 Zimmer erweitert werden und erhielt als USP einen Spa-Bereich mit Thermalbecken, Sauna, Hamam und Kosmetikräumen sowie eine Rooftop-Bar. Im Zuge dieses Projekts wurden alle öffentlichen Bereiche und 61 Zimmer bis 2022 komplett renoviert.
Das Design des Hotels lehnt sich jetzt an die Geschichte der Stadt an und greift Elemente des Art déco und des Jugendstils auf. Warme und lebendige Farbtöne dominieren. Das Frühstück findet sowohl in der Bar als auch unter dem hellen grünen Glasdach des Wintergartens statt. Die Renovierung der letzten 20 Zimmer ist für Anfang 2024 geplant. Das Viersternehotel wird in dritter Generation von Céline und Laurent Gatinois geführt und firmiert jetzt unter Best Western Plus Hotel Crystal.