Bilanz Gastgewerbe: Umsatz liegt weiterhin unter Vor-Krisen-Niveau

Kellnerin beim Servieren
Restaurants, Gaststätten und Co. verbuchten real ein Umsatzplus von 1,2 Prozent. © s-motive - stock.adobe.com

Die Branche hat im ersten Halbjahr mehr umgesetzt als im Vorjahreszeitraum. Das Niveau vor der Pandemie wurde allerdings verfehlt. Der Dehoga warnt deshalb erneut vor einer Mehrwertsteuererhöhung.

Die Gastgewerbeunternehmen in Deutschland haben nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im 1. Halbjahr 2023 real (preisbereinigt) 5,8 Prozent und nominal (nicht preisbereinigt) 15,8 Prozent mehr Umsatz erwirtschaftet als im 1. Halbjahr 2022. Die Differenz zwischen den nominalen und realen Ergebnissen spiegelt nach Angaben der Behörde das langfristig deutlich gestiegene Preisniveau im Gastgewerbe wider, zu dem unter anderem die steigenden Preise für Lebensmittel, Personal und Energie beigetragen haben dürften. Das Niveau vor der Corona-Pandemie 2019 wurde preisbereinigt (real) allerdings noch um 10,4 Prozent verfehlt.

Nach Einschätzung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) steuert die Branche auf das vierte Verlustjahr in Folge zu. "Die Lage bleibt extrem herausfordernd", sagte Dehoga-Präsident Guido Zöllick.

Forderung nach 7 Prozent Mehrwertsteuer

Er warnte erneut vor einer Rückkehr zur vollen Mehrwertsteuer auf Essen in Restaurants zum Jahreswechsel: "Dann sind weitere Betriebsschließungen vorprogrammiert." Die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie war während der Corona-Pandemie von 19 auf sieben Prozent reduziert worden. Angesichts einer befürchteten Energiekrise war die Regelung bis Ende 2023 verlängert worden.

"Für die Zukunftssicherung der Restaurants und Wirtshäuser ist es von zentraler Bedeutung, dass für Essen, egal wo und wie zubereitet und verzehrt, dauerhaft sieben Prozent Mehrwertsteuer gelten", appelliert der Dehoga-Präsident. "In Deutschland müssen Gastronomie sowie in besonderem Maße auch Kita- und Schulverpflegung für alle bezahlbar bleiben. Alles andere widerspricht den Zielen der Ernährungsstrategie der Bundesregierung."

>> Lesetipp: Noch kein Signal für 7 Prozent

In den Pandemiejahren hat das Gastgewerbe gemäß der Umsatzsteuerstatistik von 2020 und 2021 insgesamt 36.000 steuerpflichtige Unternehmen verloren. Laut einer Dehoga-Umfrage vom Juli 2023 würden im Zuge einer Steuererhöhung weitere 12.000 Betriebe schließen. "Für die Gesellschaft bedeutet es einen Verlust von Lebensqualität, wenn noch mehr Restaurants und Cafés verschwinden", sagt Zöllick. dpa/sar