„Smartes Raumkonzept zu fairen Preisen“

Mit Gambino Hotels haben die Geschwister Sabrina Gambino-Kreindl und Alessandro Gambino, ebenso Eigentümer einer erfolgreichen Münchner Unternehmensberatung in der Hospitality Industrie, der Gambino Consulting GmbH, und Betreiber zweier City Hotels, eine neue Hotelmarke geschaffen. © Nieder + Marx Design
Die Münchner Hotellerie-Geschwister Sabrina Gambino-Kreindl und Alessandro Gambino lancieren ihre eigene Gruppe für eine smarte und preisbewusste Generation. Im Gespräch mit Hotel+Technik spricht Sabrina Gambino-Kreindl über den lang erträumten Schritt, das Konzept hinter der Neugründung und über die Ausstattungs-Ansprüche der Reisenden von morgen.
Hotel+Technik: Sie beraten seit mehr als 13 Jahren zusammen mit Ihrem Bruder Alessandro Gambino die Hotellerie. Wie arbeitet es sich so unter Geschwistern?

Sabrina Gambino-Kreindl:

Wir waren bereits vor der Gründung der Unternehmensberatung in der Hotelbranche tätig, teils auch für dieselben Unternehmen. Dabei haben wir uns inhaltlich schon immer ergänzt: Während Alessandro nach seinem Abschluss im Hotelmanagement schnell operativ tätig war, habe ich nach dem Wirtschaftsstudium strategisch im Marketing und in der Produktentwicklung gearbeitet. Diese fachlichen Stärken können wir in unserer Consulting-Agentur jetzt bestens einbringen und uns gegenseitig wertschätzen. Das Ganze in Verbindung mit Herzblut und Familientradition macht uns beiden große Freude.

Nun starten Sie mit einer eigenen Hotelmarke. Wie kam es dazu?

Wir haben schon bei der Gründung der der Gambino Consulting GmbH von einer eigenen Marke geträumt und „Gambino Hotels“ als Label gegründet. Wir mussten uns jedoch erst am Markt etablieren. Mit unserem Consulting ist es uns inzwischen gelungen, vier Hotelprodukte „from scratch“ zu entwickeln. Zudem betreiben wir zwei Gambino City-Hotels, die wir erfolgreich revitalisiert haben. Unser Münchner Hotel Stachus läuft mit einer überdurchschnittlichen Belegung, bei einer Nettodurchschnittsrate von über 100 Euro im Jahr. Wir verfügen heute also nicht nur über fundierte Branchenkenntnisse, sondern haben langjährige Erfahrung, umfassende Marktrecherchen sowie die finanziellen Mittel, unseren Traum zu realisieren.

Was gab letztlich die Initialzündung?

Man braucht auch immer etwas Glück: Wir haben für einen Kunden in München-Fasangarten einen Standort entwickelt, der aus diversen Gründen abgelehnt wurde. Wir waren jedoch von diesem Standort überzeugt und dachten „jetzt oder nie“. Wir konnten den Standort für „Gambino Hotels“ übernehmen und eröffnen diesen Juni dort unsere erste eigene Entwicklung.

Was genau ist das Konzept der „Gambino Hotels“?

Unser Konzept ruht auf unterschiedlichen Pfeilern: Wir setzen vor allem auf Zimmerpreise ab 69 Euro und auf eine zentrale Lage. Dabei folgt jedes Gambino Hotel in bestimmten Punkten den gleichen Architektur-Parametern. Maßgebend dafür sind die Idee der Lobby-Lounge sowie der Bad- und Ankleidebereicht im Zimmer. Ein weiteres Grundprinzip ist die Verpachtung des Parterres: Unsere Häuser werden hotelintern keine gastronomischen Outlets haben. Den F&B-Bereich decken der jeweilige Bäcker oder die Tagesbar am Hotelstandort „next door“ ab. Jeder Hotelstandort ist für sich individuell gestaltet. Zentrales Element jeden Aufenthalts ist die Übernachtung.

Verraten Sie uns doch noch etwas mehr über Ihr Konzept.

Wir schaffen mit der Marke Gambino Hotels eine individualisierte Kette: Jeder Standort bekommt eine eigene Tonalität. Die Architektur von Lobby und Zimmer ist „standardisiert“. Die Atmosphäre eines jeden Hotels ist individualisiert. So bekommt jedes Haus auch einen Eigennamen mit Bezug auf das urbane Umfeld.

Das heißt, Sie sehen sich als Design- Budgethotel?

Nein, wir sind kein Designprodukt. Wir wollen vielmehr eine kosmopolitisch zeitgemäße Marke für smarte und preisbewusste Städte- und Business-Reisende sein. Der Gast verbringt 95 Prozent seines Hotelaufenthaltes auf dem Zimmer, also legen wir genau darauf den Fokus: Urbanes Ambiente zum Wohlfühlen und Schlafqualität zu fairen Preisen.

Wie sprechen Sie diese Reisenden an?

Die künftige Generation Reisender hat ja vor allem ein Ziel: Möglichst viele Städte, Kulturen und Menschen kennenzulernen. Und dies möglichst spontan und ohne großen Aufwand. Das heißt zum Beispiel, Information und Buchung erfolgen online. Entsprechend werden wir vor allem eine digitale Marketingkommunikation fahren. Wir wollen, dass die Gäste unsere Marke intuitiv erleben. Dabei setzen wir stark auf unsere Website und Social-Media-Kanäle. Zu unseren ersten Übernachtungsgästen werden hoffentlich viele Influencer und Blogger zählen.

Worauf basieren Ihre Kommunikations-Ideen?

Um mindestens dreißig Jahre lang zukunftsfähig zu sein, müssen wir unter anderem nach vorn denken. Wir arbeiten dafür mit Peer Groups, also zum Beispiel gleichaltrigen jungen Leuten ab 16 bis 17 Jahren: Wie sie sich Reisen vorstellen, wie sie buchen würden, was sie von einem Hotel erwarten. Wir wollen schnell und emotional kommunizieren, auf den Websites der einzelnen Hotels wird es daher nur Bilder und Videos geben.

Wie spiegelt sich dies in der technischen Ausstattung wider?

Wir haben sehr viel Geld für eine bestmögliche WLAN-Verknüpfung ausgegeben. Es muss eine schnelle Verbindung sein und bis in alle Zimmer reichen. Wir verknüpfen daher immer zwei Zimmer mit einem Access-Point. Dies garantiert an jeder Stelle im Zimmer High-Speed-WLAN. Federführend ist auch unser Schließsystem. Wir arbeiten mit dem neuesten System von Assa Abloy: Unsere Türen haben nur noch einen Griff, der Chip ist versteckt eingebaut. Die Gäste erkennen dies am WLAN-Zeichen über dem Türgriff und brauchen die Schlüsselkarte oder ihren mobilen Schlüssel nur noch davorzuhalten. Wer will, kann den Check-in zukünftig mit der Buchung absolvieren und bekommt seinen Zugangscode aufs Handy gesendet.

Können Sie das Baukonzept noch etwas erläutern?

Das Produkt „Gambino Hotels“ ist ganz klar auf einen Bau-Standard hin entwickelt und damit ein Kettenprodukt. Die Idee ist letztlich, dass alle Zimmer dasselbe Achsmaß haben und optisch zweigeteilt sind. Wir realisieren dies mit einem integrierten Ankleide-Badbereich. Wir schaffen damit Privatsphäre auf 14,8 und 16,2 m

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, wie wir es eigentlich nur aus der Luxus-Hotellerie kennen. Die Toilette ist getrennt. Darauf legen wir absoluten Wert. Und wir legen ganz besonderen Wert auf eine große Dusche mit einem Mindestmaß von 80 mal 140 Zentimeter. Hier arbeiten wir mit Unterputzarmaturen, was dem Gast Hochwertigkeit vermittelt. Ansonsten setzen wir produktseitig auf ein hohes Qualitätsniveau, bleiben jedoch innerhalb des Economy-Segments.

Was wichtig für die Revitalisierung ist ...

Absolut! Ausgehend von hohen Belegungsraten müssen wir ein Haus alle fünf Jahre revitalisieren. Dafür muss man effizient gestalten. Der Eingangsbereich etwa wird immer mit Steinfliesen ausgestattet sein wie das Bad am Boden. Generell ist die Ausstattung Teil eines Raumbuchs, das einen gewissen Standard und Marken vorgibt – dem Projektentwickler bei nicht markenbildenden Produkten aber Beschaffungs-Spielraum lässt.

Bei der Immobilienentwicklung setzen Sie auf einen externen Partner?

Im Bereich der Geschäftsentwicklung arbeiten wir mit Bucher Properties GmbH zusammen. Diese sind nah am Markt und stellen uns diverse Hotelprojekte in den von uns genannten Standorten vor.

Sie haben für München bereits die ersten drei Häuser angekündigt. Wie sieht Ihre weitere Wachstumsstrategie aus?

Wir wollen in den europäischen Kernmärkten eine angesehene Marke werden. In München planen wir bis 2020 insgesamt 800 Hotelzimmer. Angelehnt an diese Entwicklung sehen wir pro Millionenstadt eine gewisse kritische Masse von 500 Zimmer, die wir erreichen wollen. Nach diesem Prinzip wollen wir Standort für Standort erobern. Wir planen derzeit pro Land keine nationale Strategie, sondern verfolgen eine europäische Standortstrategie.