Während sich die Branche fragt, inwieweit die Digitalisierung das Hotelleben verändern wird, hat das Start-up Koncept Hotels seine Antworten bereits umgesetzt. Die Auszeichnung „Deutschlands digitalstes Hotel“ gibt den Gründern recht. - von Isabell Schreml
Wie viel Mensch braucht ein Hotel? Und wie viel Mensch wünscht sich überhaupt ein Hotelgast? Nur zwei von vielen Fragen, die sich eine Branche stellt, die zum einen vom „Gastgebersein“ lebt, zum anderen aber auch von den Möglichkeiten der Digitalisierung profitieren und sich ihren Gästen modern und am Puls der Zeit präsentieren möchte. Martin Stockburger, CEO und Co-Founder von Koncept Hotels, hat für sich und sein Unternehmen schon viele Fragen rund um die Digitalisierung in der Hotellerie beantwortet. Für ihn liegt die Antwort in einer radikalen Reduzierung auf die wesentlichen Bedürfnisse seiner klar definierten Zielgruppe. Und dazu gehöre nicht die persönliche Betreuung vor Ort. Dafür aber eine breite Range digitaler Features wie Online-Check-in, Online-Concierge sowie App-gesteuerte Zusatzservices. Das erste Haus der Gruppe eröffnete im Sommer 2017 in der Kölner Innenstadt: „Grand-Motel für Freunde im Herzen Kölns“ ist auf der Webseite zu lesen. Die Idee der Umnutzung eines zuvor von einem katholischen Schwesternorden als Gästehaus genutzten Gebäudes in ein voll digitalisiertes Mikrohotel, das ohne feste Mitarbeiter vor Ort betrieben wird, wurde seit Anfang 2017 von Koncept Hotels entwickelt.
Das „Koncept Hotel zum kostbaren Blut“ wurde zunächst schrittweise eröffnet, um zu testen, inwieweit der Hotelbetrieb digital funktioniert und ob dies von den Gästen auch akzeptiert wird. Seit September 2017 sind alle 20 Zimmer des Hotels buchbar. Sie sind hochwertig und individuell ausgestattet – einen Rezeptionstresen, eine Bar oder einen Ansprechpartner sucht man allerdings vergebens. Lediglich eine Mitarbeiterin ist mit der Steuerung der technischen Systeme betraut. Aber vermissen die Gäste den persönlichen Kontakt nicht? „Unsere Gäste können mit uns telefonieren, über WhatsApp oder Messenger kommunizieren, wann immer sie wollen. Der Punkt ist nur: Die meisten wollen das nicht. Es ist eine überholte Serviceidee, dass sich die Leute an der Rezeption anstellen müssen, um auf ihren Check-in zu warten. Quality-Time sozialer Interaktion sieht für mich anders aus“, sagt Martin Stockburger.
Für den täglichen Zimmerservice wurde ein Partnerunternehmen engagiert. Um gängigen Sicherheitsstandards gerecht zu werden, haben Videokameras einen Blick auf die öffentlichen Bereiche, ein Wachmann ist außerdem regelmäßig vor Ort. Bei ihm laufen im Ernstfall auch Notrufe auf.
Aus dem Stand in die Top 20
Der schnelle Erfolg gibt den Gründern Recht. Das Hotel rangiert nach nur einem Jahr laut Tripadvisor unter den 20 besten Hotels in Köln. Im Juli gewann das Kölner Start-up zudem mit dem „Digital Leader Award“ eine der wichtigsten Digitalisierungsauszeichnungen. In der Klasse „Märkte neu erfinden“ würdigte die Jury „die ganzheitliche und sympathische Umsetzung von Deutschlands digitalstem Hotel“. Ausgezeichnet werden deutschlandweit die besten Digitalisierungsprojekte von Großunternehmen, Mittelständlern und Start-ups. Mit Koncept Hotels erhielt erstmals ein Tourismusunternehmen den Award.
Martin Stockburger ist stolz, sich mit seinem kleinen Team durchgesetzt zu haben: „Wir sind mit der ganzen Firma zur Preisverleihung angereist – alle in einem Auto.“ Neben drei Angestellten arbeiten zwei Freunde ehrenamtlich an der Vision, die Hotellerie neu zu erfinden. „Es ist für unser Team warmer Rückenwind, diesen Preis verliehen zu bekommen. Den Mut, die gesamte Guest-Journey digital abzubilden, hat vor uns noch niemand gehabt. Hotels, die so weit gehen wie wir, haben alle ausnahmslos trotzdem noch eine Rezeption. Wir nicht – dafür arbeiten wir nachhaltig, mit Behindertenwerkstätten, Ökoprodukten und klimaneutral.“
Ob der Markt überhaupt für ein mitarbeiterfreies Hotel reif ist, wusste niemand, so Stockburger. Dem Konzept der Koncept Hotels ging eine intensive Zielgruppenanalyse voraus. Das Start-up beschreibt seine typischen Gäste als „designaffin, kultiviert, interessiert, bewusst, sozial bewusst, kosmopolitisch“ und als Menschen, die respektvoll mit ihrer Umwelt umgehen. Wichtig seien den Gästen eine zentrale Lage, eine qualitativ hochwertige Ausstattung, lokaler Bezug, Nachhaltigkeit und digitale Features, die den Aufenthalt „bequem und easy“ machen. Unwichtig seien neben Hausschuhen und Schuhputzautomaten standardisierte Sätze beim Check-in oder eine Hotelbar: „Wer in eine Stadt reist, will doch draußen die Restaurants und Bars entdecken“, ist sich Stockburger sicher.
Der innovative Hotelier und sein Geschäftspartner Peter Weber beschäftigten sich jedoch nicht nur mit ihrer Zielgruppe, sie nahmen auch die komplette Branche und ihre Schmerzpunkte ins Visier. Koncept Hotels löse drei grundlegende Probleme der Hotellerie, so Martin Stockburger. Zum einen das Thema Mitarbeitermangel: Monotone, langweilige Tätigkeiten würden künftig digital gelöst. Langfristig werde dies die Hotellerie für junge Menschen und deren innovative Ideen wieder attraktiver machen.
Erlebnisse statt Regulierung
Zum anderen sind die Gründer überzeugt, mit Koncept Hotels die Antwort auf Airbnb gefunden zu haben. Während „große Unternehmen und die Politik dieser Entwicklung mit Regulierung und Wettbewerbsrecht entgegenwirken möchten“, ist es das erklärte Ziel, ein „Hotelerlebnis zu entwickeln, das dem Bedürfnis von Airbnb-Reisenden entspricht“. Anstatt zu reglementieren, möchte Stockburger den Gästen „das Gefühl geben, im Moment der Reise kein Tourist, sondern Teil einer Destination zu sein“. Als weiteres Problem nennt er den stetig härteren Kampf zwischen den Hotelbetreibern, die „um immer weniger attraktive Lagen zu immer höheren Konzessionen“ konkurrierten.
Koncept Hotels möchte stattdessen eine Nische nutzen. Martin Stockburger: „Private Investoren, Family-Offices oder auch institutionelle Investoren suchen langfristig vermietete Immobilien in der Größenordnung von zwei bis fünf Millionen Euro.“ In Innenstadt-Lagen seien in sehr guten Quartieren nach wie vor große Wertsteigerungspotenziale vorhanden. Das Kölner Start-up kauft und betreibt, pachtet und managt passende Objekte. „Wir garantieren überdurchschnittlich attraktive Renditen“, so Stockburger. Das erste Koncept Hotel wurde von einer Volksbank als Anlageobjekt erworben.
Das Start-up sei „ein Giga“ weiter als die Kollegen, sagt sein Gründer. Was aber rät er Hoteliers, die in Sachen Digitalisierung gerade erst am Anfang stehen? „Ich halte nichts von halbherzigen Schritten. Einzelne, voneinander losgelöste Services digital abzubilden reicht nicht. Es geht vielmehr um eine komplett andere Businessstrategie. Wir leben in einer digitalen Welt und die Hotels, die wir kreieren, sollten dazu passen.“
Die Expansionspläne der Kölner sind konkret definiert: Zunächst stehen die fünf Rheinlandstädte Köln, Düsseldorf, Bonn, Essen und Aachen im Fokus. Folgen sollen zwei bis drei europäische Hauptstädte und dann „alle Destinationen über 100.000 Einwohner und gute Verkehrsknotenpunkte“. Auf die Frage nach den Grenzen der Digitalisierung sagt Martin Stockburger: „Digitalisierung muss dem Menschen dienen. Die Grenze sehe ich da, wo Artificial Intelligence nicht mehr hilft, sondern schadet.“ |
Digitale Features der Koncept Hotels
Online-Concierge
Online-Bezahlvorgang
Online-Rechnungsversand
App-basierter Hotelzutritt und Zimmeröffnung
Giga-Wifi: zirka 10 MBit pro Zimmer
Ultra-HD-Smart-TVs mit Apple-TV-Box
Messaging über Facebook oder WhatsApp
App-gestützte Hotel-Zusatzservices wie Netflix-Streaming
Die Gründer
Peter Weber ist der Immobilienfachmann der Koncept Hotels. Ihm gehört außerdem das Architekturbüro „PWA Architekten“, das sich auf die Planung und Realisierung von Hotels, Spas und Shoppingzentren spezialisiert hat.





