Mit dem Lulu Berlin feiert die dänische Boutique-Hotel-Familie Guldsmeden ihre Deutschlandpremiere. Die Philosophie: Entspannter Boho-Öko-Luxus gepaart mit konsequent gelebter Nachhaltigkeit und Gastfreundschaft als Lebensgefühl. - von
Spätestens seit das Wort „Hygge“ in den Duden aufgenommen wurde, ist klar: Der dänische Begriff für „Gemütlichkeit“ und Ausdruck eines ganz bestimmten Lebensgefühls ist mitten in Deutschland angekommen. Und jetzt auch in der Hotellerie: Mit dem Lulu Guldsmeden eröffnete Ende 2017 in Berlin Deutschlands erstes Hygge-Hotel. Das Viersternehaus verkörpert die Quintessenz von Hygge, das weit mehr bedeutet, als sich kuschelig einzurichten und selbstgebackene Kekse zu essen: „Es ist nicht nur das Ambiente“, so General Manager Marc Lorenz, „Hygge ist in Dänemark kein Trend, sondern die Beschreibung eines Sich-Fühlens. Es geht vielmehr um das Zusammenkommen.“
1999, fast 20 Jahre bevor das Lebensgefühl unserer nordischen Nachbarn hierzulande zum Designcredo wurde, eröffnete der dänische Architekt Marc Weinert mit seiner Frau Sandra in Aarhus das erste Guldsmeden Hotel. Das Paar hatte keine Erfahrung in der Hotellerie, dafür umso mehr Gastfreundschaft und Enthusiasmus sowie einen starken Sinn für Nachhaltigkeit. Heute umfasst die Boutique-Hotel-Familie fünf weitere Häuser in Kopenhagen und darüber hinaus in Oslo, in Reykjavik, auf Bali sowie ein privates Feriendomizil an der Côte d‘Azur.
Hotelfamilie heißt bei Guldsmeden wirklich „Hotel-Familie“, denn viele der Häuser sind nach den Kindern von Sandra und Marc Weinert benannt, oder nach anderen Kindern im Familien- und Freundeskreis. Und die nächste Generation arbeitet zum Teil schon mit. Die Vision der Gründer, ein nachhaltiges Hotelerlebnis zu schaffen, entspringt nicht zuletzt dem Gedanken, dass Kinder die Zukunft unserer Gesellschaft sind und jeder Verantwortung trägt, ihnen die Welt zu erhalten. Daher auch der Entschluss der Gruppe, die eigene Buchungssite „I love Eco Hotels“ zu gründen, über die sich weltweit nachhaltige Hotels vermarkten, um neue Wege neben den klassischen Buchungsportalen zu gehen. Zehn Prozent der Kommissionen gehen an die Charity-Organisation „The Travel Foundation“, die sich für nachhaltigen Tourismus stark macht. Alle Guldsmeden-Hotels sind darüber hinaus Mitglieder im „Green-Globe“-Programm, der ersten weltweiten Organisation zur Zertifizierung und Leistungsverbesserung der Reise- und Tourismusindustrie.
Entspannter Boho-Öko-Luxus
Guldsmeden steht für entspannten Boho-Öko-Luxus mit der Idee, luxuriöse Einfachheit, ungezwungene Atmosphäre und konsequent gelebte Nachhaltigkeit zu vereinen. „Bei Guldsmeden ist es ganz wichtig“, sagt Manager Marc Lorenz, „dass man sich wie zuhause fühlt. Deshalb soll auch nicht alles perfekt sein. Im ganzen Hotel gibt es keine einzige neue Couch, sie sind alle Vintage.“ Auch das trage dazu bei, „dass es gemütlich und lockerer wird, und ungezwungener.“ Die Einrichtung ist ein Lehrstück für echte „Hyggeligkeit“, die nicht zwingend etwas mit skandinavischem Mobiliar zu tun hat, sondern mit der Ausstrahlung des Gesamtkonzepts. So sind alle 81 Zimmer inklusive der sechs Lulu-Suiten unterschiedlich gestaltet, mit den für Guldsmeden typischen Himmelbetten, Schaukeln oder Hängematten sowie gestalterischen Zitaten aus Bali. Letztere verleihen dem Hotel seinen ganz speziellen Charme und sind bewusst gewählt: Ein Teil der Gründerfamilie hat sich in Indonesien angesiedelt, wo in einer fair betriebenen eigenen Holzmanufaktur die Möbel für die Hotels produziert werden. Ebenso die auffälligen Lampen, die mit ihrem warmen Licht zu einem der Markenzeichen der kleinen Gruppe geworden sind. Noch ein Highlight: In 30 Loft-Zimmern wurden Mezzanine mit Schlafplatz für zwei weitere Personen eingezogen, sodass Familien oder Freundesgruppen auf zwei Ebenen wunderbar Platz finden.
Für Marc Lorenz erfüllte sich mit der Hotelübernahme ein Traum: Nach 22 Jahren überall auf dem Globus, davon 20 Jahre als General Manager der Hyatt-Gruppe, wollten er und seine kanadische Ehefrau Tami Lee, heute Sales- und Marketingchefin im Lulu, ihre Töchter in einem ihrer Heimatländer großziehen. Die Wahl fiel auf Berlin, wo der Zufall Lorenz mit Lulu-Co-Gesellschafter Peter Liokouras zusammenführte. Die Location für das Lulu war bereits gefunden, Lorenz übernahm das Ruder in der Umbauphase.
Die neue Adresse, das ehemalige Dreisternehotel Altberlin, war ein schwer in die Jahre gekommener Bau aus dem Jahr 1846: „Das war eine große Lernkurve, vor allem für die Gesellschafter“, so Marc Lorenz. Für die dänischen Eigentümer sei teilweise schwer nachvollziehbar gewesen, mit welchen Auflagen der Umbau eines Bestandsgebäudes verbunden ist. Im Zuge der Sanierung wurden Fenster mit Dreifachverglasung eingesetzt. Alle Zimmer erhielten neue Bäder, gefliest mit balinesischen Kacheln, die auch die Duschen ersetzen, der Abfluss ist direkt im Boden. Die Suiten verfügen zusätzlich über große Steinbadewannen. Da das Hotel sich um einen gemütlich gestalteten Hinterhof gruppiert, konnten im Rückgebäude zehn neue, teils barrierefreie Zimmer entstehen. Auf den Etagen befinden sich jeweils 17 Zimmer, im Dachgeschoss entstanden 20 weitere Gästezimmer.
„Wir verfolgen den Ansatz, so nachhaltig, energiesparend und dauerhaft wie möglich zu arbeiten“, sagt Marketingchefin Tami Lee. Dabei habe sehr geholfen, dass gerade in Berlin eine Fülle junger Unternehmen sehr ernsthaft für das Thema Nachhaltigkeit kämpfe. So entstanden beispielsweise aus den historischen Fußbodendielen, die ersetzt werden mussten, die Klemmbretter für die Menükarten. „Hier haben wir mit der Firma Frameworks, die altem Holz ein neues Leben gibt, einen kreativen Partner gefunden.“ Nach und nach seien immer neue Ideen hinzugekommen. Wie die Trinkhalme aus Glas, die in der Spülmaschine gereinigt werden können. Die Handtücher, natürlich Organic Cotton, werden im Normalfall nur alle drei Tage gewechselt. Die Wäschetrockner laufen so wenig wie möglich, einen elektronischen Check-in gibt es nicht, klimatisiert wird nur unter dem Dach. Und für die CO2-neutrale Berlin-Erkundung stehen den Gästen hochwertige Fahrräder und E-Bikes der Firmen Bicicli, Schindelhauer und Coboc zur Verfügung.
„Love food – hate waste“
Keine Frage, dass sich das hoteleigene Restaurant „Sæson“ auf die neue nordische Küche in Bioqualität spezialisiert. Küchenchef Rene Beck-Hansen legt Wert auf frische, saisonale und unkomplizierte Gerichte aus regionalen Zutaten, die mit dem Anspruch kreiert werden, so wenig Küchenabfälle wie möglich zu produzieren. „Love food – hate waste“ steht denn auch auf den Servietten in Bar und Restaurant: „Wir lieben Essen und hassen Müll.“ – Der 30-jährige Däne war zuletzt Chefkoch der Opernhausgastronomie in Kopenhagen und des Restaurants im Dänischen Reichstag und somit für Großküchen verantwortlich, die täglich hunderte Menschen verköstigen müssen. Jetzt experimentiert der Küchenchef beispielsweise so lange mit dem Blumenkohl, bis er das perfekte Rezept gefunden hat, in dem alle Teile des Kohls schmackhafte Verwendung finden, vom Strunk bis zum Röschen. Der Roggen auf dem Rindertartar stammt vom mittäglichen Smörrebröd, das knusprige Krokant auf dem Apfel-Crumble von Brötchen und Croissants vom Frühstücksbüfett.
„Im Restaurant können wir inzwischen zu 97 Prozent Bioprodukte anbieten, bei den Getränken bereits zu 100 Prozent“, so Marc Lorenz. Der General Manager will den nachhaltigen Anspruch der Gruppe jedoch gar nicht an die große Glocke hängen: „Diejenigen, denen das etwas bedeutet, merken es sowieso. Und die anderen freuen sich hoffentlich über die gute Qualität unserer Speisen.“
Origineller Weg im Recruitment
Gelebte Nachhaltigkeit ohne erhobenen Zeigefinger, dafür braucht es auch das richtige Personal. Das Haus hat jetzt 14 festangestellte Mitarbeiter, 25 sollen es werden. Housekeeping, Buchhaltung und Nachtschicht werden noch von Fremdfirmen geleistet. „Wir wollen uns zunächst auf die Arbeit am Gast ganz direkt konzentrieren“, sagt Marc Lorenz, der für das Recruitment seines jungen Teams, hauptsächlich zwischen 25 und 35 Jahren, einen ganz neuen Weg ging: „Wir haben unsere erste Wohnung in Berlin über das Nachbarschafts-Netzwerk Woloho gefunden und festgestellt, dass sich da sehr viele künstlerische und kreative Leute tummeln. Also haben wir dort unsere Stellenanzeige platziert, der Erfolg war riesig.“ Das Angebot eines festen Arbeitsplatzes in Verbindung mit der nachhaltigen Philosophie habe viele junge Leute angesprochen, sodass es kein Problem gewesen sei, ein tolles Team zu bilden, mit einem Training on the Job. Dass nahezu alle nicht aus der Hotellerie stammen, sei Teil des Konzepts: „Die Leute sollen aus dem Bauch und mit einem ausgeprägten Gefühl für Menschen arbeiten, alles andere können wir ihnen beibringen.“ |








